Eine „Enthüllung“ der britischen Boulevardzeitung „Sun“ sorgt dafür, dass halb England jetzt über den Testturm in Rottweil staunt. Die Zeitung hat ihren Lesern allerhand Unfassbares zu berichten.
Man könnte meinen, der Testturm sei erst kürzlich entstanden: Die „Sun“, ein täglich erscheinendes Boulevardblatt, das zu den auflagenstärksten Zeitungen des Landes gehört, hat den „Skyscraper“, also den Wolkenkratzer, der da „mitten aus einem Wald“ herausragt, jedenfalls jetzt entdeckt. Und sie unterbreitet ihren Lesern ganz besondere „Geheimnisse“.
Niemand lebt da
Die Sun wäre nämlich nicht die Sun, wenn sie den Testturm nicht schlagzeilenträchtig verkaufen würde. Denn: Der Wolkenkratzer sei nicht etwa bewohnt und mit teuren Büros oder Appartements versehen, wie sich das gehört. Nein. „No one lives there“ – niemand lebt da, schreibt die Reporterin und verrät: Der „giant tower“ wurde gebaut, um Aufzüge der nächsten Generation zu testen. Na so was.
In einer mittelalterlichen, ruhigen Stadt
Dem nicht genug. Die Funktion des 2017 eingeweihten Turmes sei ebenso völlig überraschend wie dessen Standort, schreibt die englische Zeitung und liefert den Lesern eine Karte von Deutschland mit – mit einem roten Punkt ganz im Südwesten. In der „quiet, medieval town of Rottweil“, also der ruhigen, mittleralterlichen Stadt Rottweil, stehe der Turm in starkem Kontrast zu seiner historischen Umgebung und dem Wald. Ein Faktor, der durchaus bei der Planung und Genehmigung in der öffentlichen Debatte eine Rolle spielten.
Vergleich zu „The Shard“
Um den Lesern zu verdeutlichen, was da im Südwesten Deutschlands in der Landschaft steht, gibt es auch einen passenden Vergleich: Der Tower in Rottweil mit 246 Metern Höhe sei fast so groß wie „The Shard“ in London – ein spitziger Wolkenkratzer mit 310 Metern Höhe, der bis 2020 der höchste Wolkenkratzer der EU war und in dem sich Luxusrestaurants, Büros und Luxuswohnungen befinden.
Es gibt Gemeinsamkeiten
Beiden ist gemeinsam, dass sie eine atemberaubende Rundumsicht bieten – der eine mitten in einer Weltmetropole, der andere eben in Rottweil. Dass da in direkter Nachbarschaft ein ziemlich großes Gefängnis entsteht, wird übrigens nicht erwähnt. Aber das könnte noch kommen. In den vergangenen Wochen wurden Medienberichten zufolge Tausende Häftlinge aus britischen Gefängnissen entlassen, weil diese überfüllt sind und dort unhaltbare Zustände herrschen. Aktuellen Anlass zur Berichterstattung aus Rottweil gäbe es also durchaus.