Allzu häufig muss der Biolandwirt Christoph Meyer aus Aufen die Getreidefeuchtigkeit seines Korns prüfen. Foto: Sigwart

Wie läuft aktuell die Ernte auf der Baar? Drei Landwirte aus Donaueschingen, Hüfingen und Bräunlingen geben Auskunft über den genauen Verlauf der Erntearbeiten und wie sie mit den derzeitigen Rahmenbedingungen klar kommen.

Donaueschingen/Hüfingen/Bräunlingen - Eine "insgesamt leicht unterdurchschnittliche Ernte" bilanziert der Hüfinger Landwirt Christof Faller. Seine Haupteinnahmequelle ist eine Biogasanlage, die er in der Nähe des Hüfinger Riedsees betreibt und deren Wärme in das Hüfinger Nahwärmenetz eingespeist wird. Außerdem hat der CDU-Stadtrat eine Bullenmast, bei der jährlich rund 40 bis 50 Bullen für eine örtliche Metzgerei heranwachsen. Um autark zu sein und eigenes hochwertiges Futter für die Bullenmast und Ausgangsmaterial für seine Biogasanlage zu haben, betreibt Faller auch Grünland- und Ackerbau.

Wenn Christof Faller auf die diesjährige Ernte blickt, bilanziert er zwar "viel Masse und Material", allerdings "weniger Qualität". Gestiegene Betriebsmittelpreise und teilweise Probleme mit Pilzbefall drücken ebenfalls das Betriebsergebnis. Die Corona-Krise wirkte sich auf seinen Betrieb glücklicherweise nicht negativ aus. "Wir persönlich sind alle gesund geblieben, und die vorsorglichen Panikkäufe von Betriebsmitteln am Anfang der Krise haben sich nachträglich als unnötig erwiesen", so Christof Faller.

Keine Hagelschäden

Bereits seit 30 Jahren nach biologischen Grundsätzen bewirtschaften Helmut Friedrich und Sohn Mathias ihren Hof in Bräunlingen-Bruggen. Mit der diesjährigen Ernte auf der Baar sind sie "zufrieden". "Im Gegensatz zu Landwirten Richtung Mundelfingen und Bachheim hatten wir vor einigen Wochen keine Hagelschäden zu beklagen und können so unsere volle und uneingeschränkte Ernte einfahren", freut sich der 61-jährige Helmut Friedrich. Haupteinnahmequelle sind 120 Milchkühe, die täglich rund 2000 bis 2400 Liter Bio-Heumilch produzieren und rund 9000 freilaufende Hühner, die auf vier Hektar Fläche Bio-Freilandeier liefern.

Als markantes Gebäude fällt zwischen Bruggen und Wolterdingen auch die große Heutrocknungsanlage der Friedrichs auf, in der rund 12 000 Kubikmeter Heu getrocknet und gelagert werden. "Damit können wir unsere 120 Kühe das ganze Jahr über mit eigenem natürlichem Heu verpflegen. Chemische Futter- oder Zusatzmittel sind nicht nötig."

Die größte Schwierigkeit bei der diesjährigen Ernte sieht Friedrich darin, die Ernte trocken einzufahren. "Die Zeitfenster mit gutem, trockenem Wetter sind dieses Mal bei uns hier auf der Baar so klein, dass es eine Herausforderung ist, alles einigermaßen trocken einzufahren", schildert Friedrich. Um dem wachsenden Trend der Selbst- und Direktvermarktung gerecht zu werden, der nicht zuletzt durch die anhaltende Pandemie verstärkt wurde, planen Mathias und Helmut Friedrich auf dem Gelände zwischen Bruggen und Wolterdingen einen eigenen Hofladen, der eventuell noch dieses Jahr, spätestens aber 2022 eröffnet werden soll.

Mit dem Ernteertrag "sehr zufrieden" zeigt sich der ­Aufener Bio-Landwirt Christoph Meyer, der zu seiner Haupteinnahmequelle die Viehhaltung von rund 150 Kühen zählt. Von Mai bis Oktober weiden die Tiere draußen auf den Wiesen rund um Aufen, im Winter geht es in den großzügig bemessenen Freiluftstall. "Beim Einbringen der Ernte müssen wir dieses Jahr allerdings mächtig auf Zack sein", erzählt Meyer. "Die ohnehin engen Zeitfenster sind diesmal auf der Baar besonders eng." So musste er auch häufig die Getreidefeuchtigkeit seines Korns prüfen, da die Ernte auf der Baar in Sachen Ackerbau dieses Jahr zu feucht ausgefallen sei.

Der nicht allzu intensive Sommer 2021 hätte seinen Kühen insgesamt gutgetan. Denn im Gegensatz zu den Vorjahren machte ihnen dieses Jahr glücklicherweise keine Hitze zu schaffen. Dem Vieh ging es gut, es habe nicht wie in den Hitzejahren zuvor unter der starken Sonneneinstrahlung gelitten und abgenommen, sagt er.

Seinen Steinenhof in Aufen betreibt Meyer ebenfalls wie Vater und Sohn Friedrich in Bruggen seit rund 30 Jahren nach biologischen Grundsätzen, das heißt, dass bei der Futtermittelproduktion keinerlei Chemie zugelassen ist. Vermarktet werden die heimischen Produkte über den angegliederten Hofladen oder den großen Bioverbund, dem Meyer angeschlossen ist.

Ärger über Respektlosigkeit

Was Meyer zunehmend kritisiert, und was auch dieses Jahr in der Erntezeit gehäuft offenkundig wird, ist die "Respektlosigkeit der Gesellschaft gegenüber dem Erntegut und der Arbeit, die die Landwirte erledigen", so Meyer. "Schließlich produziert die Landwirtschaft die Grundstoffe zur Ernährung der gesamten Bevölkerung. Das Mehl, die Milch oder das Fleisch werden nicht industriell in den Fabriken der Lebensmitteldiscounter hergestellt und Kühe sind auch nicht lila!"

"Wenn dann Autofahrer wild hupen oder gestikulieren, nur weil ich für zwei Minuten die Straße absperre, um meine Kühe sicher hinüber zu führen, ärgert das mich und all meine Kollegen maßlos", führt Meyer weiter aus.

Der Deutsche Bauernverband erwartet für 2021 erneut eine unterdurchschnittliche Ernte. Beim Getreide werden 42,4 Millionen Tonnen erwartet, rund zwei Prozent weniger als zum Vorjahr. Damit bleibe man 4,7 Prozent hinter dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2020. Durch Schauer und Gewitter leiden die Erträge. Dabei handelt es sich um vorläufige Zahlen, da die Ernte noch nicht vollständig abgeschlossen sei. Im Gegensatz dazu stünden Kulturen wie Mais, Zuckerrüben und Gemüse gut da. Sie hätten von den Sommerniederschlägen profitiert.