Walter Weber ist nicht nur ein engagierter Sportsmann, er bereist auch noch die Welt mit seinem Wohnmobil. Foto: Leinemann

Walter Weber ist nicht nur ein engagierter Sportsmann. Als aktiver Lesebriefe-Schreiber, Reisender und Engagierter für seine Gemeinde hat er schon einiges erlebt.

Fluorn-Winzeln - Er ist 76 Jahre alt, kein Ur-Fluorner, wie oft angenommen, aber er durfte einer werden. Walter Weber. Mit 17 Jahren kam er nach Fluorn, aufgewachsen ist er in Neuffen. Nach einer kaufmännischen Lehre machte er sein Hobby Sport zum Beruf. Über den zweiten Bildungsweg absolvierte er eine Ausbildung zum Fachlehrer für Sport und Technik. Heute ist er dank seines sportlichen und bürgerlichen Engagements eine feste Größe in der Gemeinde Fluorn-Winzeln geworden.

Wie kam es zu Ihrem umfangreichen Engagement für den Sport ?

Ich war immer sportlich aktiv. Als Zehnjähriger fing es an mit Turnen und Handball, dann Leichtathletik, Tennis und später Volleyball. Als 1966 in Fluorn die Turnhalle fertiggestellt wurde, war die Voraussetzung geschaffen für neue Sportangebote – ein Verdienst des damaligen Bürgermeisters Rudolf Haas, der seiner Zeit voraus war. Im Frühjahr 1967 beendete ich mein Studium, und die ersten Gruppen Jedermann-Turnen für Frauen und Männer haben sich gebildet, deren Leitung ich übernahm. Turngruppen für Kinder folgten. In den 70er-Jahren trainierte ich eine Leichtathletik-Leistungsgruppe, die bei überregionalen Wettkämpfen bis hin zur Teilnahme an Deutschen Jugendmeisterschaften erfolgreich war. Kinder, Jugendliche auch Erwachsene aus Winzeln waren von Beginn an integriert, das war eine Selbstverständlichkeit. Wir brauchten keinen inhaltlosen Slogan "Wir sind eine Gemeinde", wir waren eine Gemeinschaft,

Sport verbindet, auch auf unterster Ebene. Sie waren im Sport nicht nur Übungsleiter, sondern haben auch als Sportfunktionär Engagement gezeigt.

Das ergab sich von alleine. Alle unsere Sportgruppen waren als Abteilung im VfL Fluorn integriert. Insgesamt war ich 25 Jahre zuerst Abteilungsleiter, später, nach Bildung eines eigenen Vereines, erster Vorsitzender. Heute sehe ich die Entwicklung zum eigenen Verein als großen Fehler. Auf Dauer haben unsere kleinen Vereine keine Zukunft. Eine enge Zusammenarbeit wird unerlässlich sein, um zu überleben, ein Zusammenschluss vielleicht die Folge, über den Tellerrand hinausblicken.

Während Ihrer Zeit als Vorsitzender im VfL Turnen haben Sie ja einiges Neues ins Leben gerufen.

Ja, da fallen mir legendäre Sportlerbälle ein, Sonnwendfeiern und der Silvesterlauf. Auch die Gründung des Tennissports ging in Teilen von mir aus. Als Sportlehrer habe ich Tennis gelernt, dies an andere weiter gegeben. Daraus hat sich der Tennisverein entwickelt. Erster "Tennisplatz" war der Parkplatz bei der Turnhalle. Mit Gerhard Winkler habe ich eine Fortbildung besucht: "Feste und Feiern im Verein". So ist die Idee zu einem Straßenfest in Fluorn entstanden.

Über das eigene Vereinsleben hinaus haben Sie sich ebenfalls engagiert, oder?

Schon sehr früh entstand die Idee, die Mehrzweckhalle Fluorn auszubauen. 1986 habe ich mit Gleichgesinnten den Förderverein "Hallenbau" gegründet. Meine Idee war, die bestehende Halle zu einer reinen Festhalle auszubauen und eine mehrteilige Sporthalle dazubauen. Um dieses Projekt mit den Vereinen zusammen voranzutreiben, habe ich für vier Jahre das Amt des Vereinsringsvorsitzenden übernommen. Die Verantwortlichen waren noch nicht so weit, die Sache kam nicht zustande. In unserer Gemeinde gibt es zwei Mehrzweckhallen, mit Millionenaufwand zu perfekten Festhallen um- beziehungsweise neugebaut. Zwei Chancen wurden vertan, für den Sport den dringend benötigten Mehrbedarf an Hallenraum zu schaffen.

Sie sind auch für Ihre Leserbriefe bekannt, in denen Sie sich häufig kritisch äußern.

Man sollte die Bedeutung von Leserbriefen nicht überschätzen. 50 Prozent lesen sie überhaupt nicht. 20 Prozent ist es egal, was da drin steht, 20 Prozent haben keine eigene Meinung dazu, und jeweils fünf Prozent sind dafür oder dagegen. Mein Grundsatz ist: Wer Angst hat, Anstoß zu erregen, kann keine Anstöße mehr geben. Natürlich ist es bequemer, mit dem Strom zu schwimmen. Ich musste allerdings feststellen, dass man mit dieser Vorgehensweise manchmal weiter kommt. Mit Leserbriefen bewegt man sich auf einem schmalen Grat zwischen Querdenker (zurzeit leider zum Unwort verkommen) und Quertreiber, und es liegt in der Natur der Sache, dass man auf diesem Grat auch mal abrutscht.

Aus dem Vereinsleben haben Sie sich seit einigen Jahren zurückgezogen, aber Sie sind immer noch im Unruhestand und haben sich Tätigkeiten im Gemeindebereich zugewandt.

Stimmt, ich wollte was anderes machen, als auf Vereinsinteresse begrenzte Arbeit. Mein erstes Anliegen war der "Blocherhof" in Fluorn, erbaut 1660 von einem mutigen Fluorner Bauer, zwölf Jahre nach Ende des Dreißigjährigen Krieges. Da habe ich viel Herzblut hineingesteckt. Mit engagierten Mitarbeitern habe ich versucht, zu verhindern, dass der Hof weiter zerfällt. Fluorn war damals im Landesentwicklungsplan, Geld wäre also da gewesen. Verantwortliche Behörden haben nicht reagiert, der Hof ist inzwischen abgebrannt (worden). Eine neue Idee von mir war, nach dem Vorbild der "Bürger für Bürger" in Oberndorf eine Gruppe zu bilden, die sich kleineren Aktionen im Ortsbereich widmet. So ist die Gruppe "Bürger AKTIV Fluorn" entstanden. Wir versuchen, neue Wege zu gehen, Ideen zu entwickeln, um so ein bisschen Fantasie und Kreativität in unser Dorf zu bringen. So entstand ein Brunnenweg, und ein Wanderweg wurde ausgeschildert. Osterschmuck der Brunnen und des Kreisverkehrs und Herbstdekoration gab es ebenfalls. Weitere Aktionen für die Ortsverschönerung Fluorns sollen folgen.

Haben Sie noch neue Ideen?

Ich müsste bei bester Gesundheit 100 Jahre alt werden, um alle meine Ideen verwirklichen zu können, und es kommen ständig neue dazu.

Hatten Sie bei diesem Engagement überhaupt noch Zeit für Hobbys?

Oh ja, eine Leidenschaft von mir ist das Reisen. Als junger Spund mit 16 Jahren hatte ich die Vorstellung, alle Hauptstädte Europas zu besuchen. Bis auf Madrid und Warschau habe ich alle geschafft. Drei VW-Busse und ein kleines Reisemobil habe ich dabei verreist. Eine geduldige Ehefrau war meine Begleiterin. Einen Lebenstraum konnte ich bei einer Südamerika-Reise verwirklichen, die Inka-Stadt Machu Piccu in Peru. Es gab eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn und drei Wochen durch die Mongolei mit einem Jeep mit abschließendem Höhepunkt der Sonnenfinsternis 1999 in der Wüste Gobi. Kasachstan, Usbekistan, die Große Mauer in China – das sind unglaubliche Eindrücke. Mir war es immer wichtig, andere Kulturen und Lebensweisen kennenzulernen. Für mich war es eine ungemeine Bewusstseinserweiterung.

Wo würden Sie gern Ihren Lebensabend verbringen?

Auf Kuba.

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