Die Gruppe Ehrenamt des Pflegeheims Markgräflerland setzt sich für Lichtblicke im Alltag der Bewohner ein. Dafür ist sie vom Landkreis ausgezeichnet worden.
Zum Tag des Bürgerengagements sind im Saal des Landratsamts kürzlich acht Projekte aus dem Landkreis von Landrätin Marion Dammann ausgezeichnet worden. Das Motto lautete „Seite an Seite für Dich und Mich“. Zu den Geehrten gehört auch die „Gruppe Ehrenamt“ des Pflegeheims Markgräflerland in Weil am Rhein. Projektverantwortliche ist Hildegard Pfahler, die sich gemeinsam mit 36 Ehrenamtlichen um die Bewohner des Heims kümmert und ihnen die Teilnahme an Aktionen und Angeboten sowie am Leben außerhalb des Heims ermöglicht.
„Das Pflegeheim könnte nicht so aktiv sein, wenn wir die Ehrenamtlichen nicht hätten“, sagt Ine Bösche, Veranstaltungsmanagerin und Ehrenamtskoordinatorin der Einrichtung im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Aufgaben sind vielfältig und so manches Mal berührten sie, wie die 88-jährige Anneliese Volkmer und die 90-jährige Waltraud Strohmeier, im Gespräch mit unserer Zeitung erklären. Sie engagieren sich seit Jahrzehnten ehrenamtlich für das Pflegeheim.
Volkmer ist nun seit 22 Jahren dabei. „Damals wurde das noch nicht so als Ehrenamt betont, das hat man einfach gemacht“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Strohmeier ist seit etwa zehn Jahren Teil der Gruppe Ehrenamt. Sie war einst Angehörige des Pflegeheims, weil ihr Mann dort einige Zeit gelebt hatte. Nachdem er verstarb beschloss sie, sich ehrenamtlich für die Einrichtung zu engagieren. Dies habe bei ihr beinahe Familientradition, denn als nach der Einweihung des damaligen Altenheims in den 60er Jahren ein Besuchsdienst gegründet wurde, habe sich seinerzeit ihre Mutter eingebracht.
Die Aufgagen seien vielfältig und jeder der Engagierten der Gruppe bringe sich ein, wie er kann und möchte, erklärt Bösche. Manche holten Rollstuhlfahrer vom Zimmer ab, um sie zu Veranstaltungen im Haus, in der Stadt, zu Konzerten oder ins Theater zu begleiten, andere leisteten jenen Gesellschaft, die ihr Zimmer oder ihr Bett nicht mehr verlassen könnten.
Aufs Pflegeheim angewiesen
„Im Altersheim trifft man sich wieder“, sagt Volkmer nachdenklich. Damit meint sie die Menschen, die man von früher kenne und die nun geschwächt und hilfebedürftig auf ein Pflegeheim angewiesen seien. Für sie und Strohmeier sei es selbstverständlich, sie in ihrer letzten Lebensphase zu begleiten und auf Wunsch auch die Beerdigung zu besuchen. Doch das müsse nicht jeder, denn es gibt eine Vielzahl von weiteren Aufgaben, wie die Mit-Organisation des Nähstübchens, des Männerstammtischs oder Bingo-Abende in der Caféteria.
„So viel Energie hat sonst keiner“
„Wir müssen animieren und motivieren, das ist unser Job“, sagt Pfahler. Und den nimmt sie sehr ernst, nach innen und außen: so gelinge es ihr auch immer wieder Menschen für das ehrenamtliche Engagement zu gewinnen. „So viel Energie wie sie hat sonst keiner“, sagt Volkmer gegenüber unserer Zeitung.
Aufgaben gewandelt
Seit 60 Jahren gehört die Gruppe Ehrenamt zum Pflegeheim Markgräflerland. Die Aufgaben hätten sich im Laufe der Zeit mit der Einrichtung und der Gesellschaft gewandelt, erklärt Bösche gegenüber unserer Zeitung. Während in der Anfangszeit im Jahr 1964 noch viele rüstige Senioren zu den Bewohnern gezählt hätten, seien mit den Neu- und Erweiterungsbauten 2008 und 2019 weitere Schwerpunkte hinzugekommen. So versorgt die Einrichtung heute auch Menschen mit Demenz, Parkinson und Multipler Sklerose. Deshalb müsse man hinschauen, was die Bewohner heute brauchen, erklärt Pfahler, die am längsten mit dabei ist.
Als Ehrenamtliche der Einrichtung treu
Allerdings in unterschiedlichen Rollen, denn 20 Jahre lang war Pfahler hauptberuflich als Veranstaltungsmanagerin fürs Pflegeheim tätig, bevor 2020 Jürgen Hässler die Stelle übernahm und Bösche seit Anfang dieses Jahres als Veranstaltungsmanagerin und Ehrenamtskoordinatorin fungiert.
Pfahler sei der Einrichtung nun als Ehrenamtliche treu geblieben, „wofür ich wirklich sehr dankbar sind“, sagt Bösche, die erstmals bei der Ehrung im Landratsamt dabei war. Sie zeigte sich davon ebenso beeindruckt, wie von der Motivation der Ehrenamtlichen rund um das Pflegeheim.
Eine Kraftquelle für die Gemeinschaft
Die Landrätin hatte es bei der Ehrung so formuliert: Menschen, die sich für andere ehrenamtlich engagieren, seien ein Lichtblick im Dunkel und eine Kraftquelle für die Gemeinschaft. Vor allem in Zeiten zunehmend knapper Budgets der Kommunen und der Streichung von Geldern für Projekte und Institutionen, gewinne der Beitrag der Ehrenamtlichen weiter an Bedeutung.