Marko Juric hat mit 20 Jahren die Verantwortung für den Verein übernommen und ihn neu aufgebaut – auch mit einer ausgefallen Idee.
Obwohl er erst 25 Jahre alt ist, hat Marko Juric in seinem Leben schon viel bewegt und will das auch weiterhin tun, denn „ich habe einen Generationenvertrag unterschrieben“, sagt er.
In Schwenningen wuchs er auf, besuchte die Hirschbergschule und die Realschule am Deutenberg, machte 2019 am Technischen Gymnasium sein Abitur und schrieb sich an der Hochschule Furtwangen für Maschinenbau ein.
Gerade bereitet er sich für seine Thesis zum Bachelor vor, den er demnächst in der Tasche haben wird. Als Ingenieur würde er gerne vorort im Bereich Konstruktion arbeiten, sagt er. Denn in die Ferne zieht es ihn nicht. Ein Grund dafür ist der Box-Club „Boxing VS“, dessen Präsident er schon seit fünf Jahren ist.
In der schwierigen Zeit der Pandemie übernahm Marko Juric – gerade einmal 20-jährig - die Verantwortung und führte den Verein zurück ins Leben. Selbst habe er sich das zunächst gar nicht zugetraut, gesteht er, doch sein Vater redete ihm damals gut zu und dessen Rat erwies sich als weise.
Verein mit Jugendförderungspreis des Landes ausgezeichnet
„Ich habe dabei so viel gelernt“, schwärmt Juric. Er schaffte es mit verschiedenen Projekten und einem, wie er betont, „starkem Team“, allen voran die beiden Trainer Albert Mut und Raphael Scherer, den deprimierenden Zustand leerer Hallen, orientierungsloser Athleten und Trainer zu beenden und eine neue Generation an Athletinnen und Athleten aufzubauen Dafür erhielt der Verein den Jugendförderungspreis des Landes und wurde 2024 dann auch „bestes Box-Team in Baden-Württemberg“.
Training verschiebt Grenzen
Zum Boxen kam Marko Juric durch seinen jüngeren Bruder Marin. Neben Schwimmen, Fechten und Fußball fand er schon im Alter von zwölf Jahren im Boxring seinen Sport. „Nach jedem Training hatte ich das starke Gefühl, an mir gearbeitet und Grenzen verschoben zu haben“, erklärt er und fügt hinzu: „so etwas lernt man nicht in der Schule“. Sein erster Trainer Oliver Vlec zeigte ihm, dass Disziplin nicht heißt, ständig gegen den inneren Schweinehund, sondern für den Menschen, der etwas schaffen will, zu kämpfen. Er trainierte sechsmal pro Woche, bestritt 2017 seine ersten Boxkämpfe und brachte es bis zum baden-württembergischen Meister U17.
Aufgrund von Verletzungspech und den Abitursvorbereitungen beendete er seine aktive Laufbahn, blieb dem Boxing VS aber treu. Denn schon damals brachte er sich außerhalb des Boxringes als Ringsprecher, Zeitnehmer, in der Veranstaltungsorganisation und als Trainer ein und „half wo ich konnte“.
Mit einem Schlag wieder in aller Munde
Es folgte die Wahl zum Präsidenten, als der er 2022 „mit einem Knall“ starten wollte. Dafür hatte Marko Juric eine ausgefallene Idee. Mit Hilfe einer französisch sprechenden Kommilitonin verfasste er einen Brief an den französischen Boxverband mit der Bitte, ein Team der besten Boxer von Paris nach Schwenningen zu einem Vergleichskampf zu entsenden. Was er selbst kaum für möglich gehalten hatte, geschah: Die Franzosen sagten zu und am 17. Dezember 2022 fand in der Deutenberghalle ein Boxturnier statt, dass Boxing VS mit einem Schlag wieder in alle Munde katapultierte. Mit nur 4:6 unterlagen die Gastgeber zwar, gewannen aber dennoch: ehemalige Boxer, Trainer und sogar Sponsoren kehrten zurück, neue meldeten sich an.
Deutschen Meister gestellt
„Alle hatten auf einmal das Gefühl: wir sind wieder da“, erinnert sich Marko Juric gerne zurück. 2023 konnte man mit Dennis Walz sogar einen deutschen Meister vorweisen und mischt mit stetig wachsendem Erfolg an der deutschen Spitze mit. Am kommenden Freitag erhält der Verein Besuch von Kultusministerin Theresa Schopper, die sich den Vorzeigeverein persönlich ansehen will.
Marko Juric ist nicht nur Präsident des Boxing VS. An sechs Tagen pro Woche ist er in der Sporthalle der Friedensschule als Trainer tätig und leitet an der Gartenschule eine Box-AG. Außerdem ist er Betreuer beim Projekt „Fight for your life“, das im Boxing VS seinen Ursprung hat und inzwischen untr dem Dach der Prokids-Stiftung steht.
Arbeit im Quartiersbüro
Zusätzlich ist Marko Juric SPD-Mitglied und Vertreter der Jusos im Kreisvorstand. Sein Studium finanzierte er sich im vergangenen halben Jahr mit dem Aufbau des ersten Schwenninger Quartiersbüro, von dem aus unter anderem das Ehrenamt gefördert werden soll. Und da schließe sich für ihn ein Kreis, sagt er. Eine Gesellschaft funktioniere nur, wenn die Menschen nicht nur nehmen, sondern auch geben, und geben möchte er selbst noch sehr viel.