Selbst erzeugten Strom selbst nutzen – das soll für die Stadt Lörrach ein Strombilanzkreis möglich machen. Ob sich die Sache rechnet, muss aber erst noch geprüft werden.
Wer Strom mit einer (Solar-)Anlage erzeugt und ihn nicht direkt verbraucht, speist die überschüssige Energie ins Netz ein, sofern keine eigenen Speicherkapazitäten vorhanden sind. Dafür gibt es eine Vergütung. Reicht der selbst produzierte Strom nicht aus, muss der zusätzliche Bedarf ganz normal über das Netz gedeckt werden. Diese zwei unabhängigen Rechnungen wollen die Grünen für die Stadt Lörrach zusammenführen. Dies soll mit einem so genannten Strombilanzkreis geschehen. Rechnerisch wird dabei die eingespeiste mit der verbrauchten Menge zusammengeführt, was die Sache für die Stadt günstiger machen soll.
Eine Beispielrechnung
Bei der Begründung des Antrags machte Stadtrat Noah Hohenfeld für die Grünen eine Beispielrechnung auf. Für selbst erzeugten Strom etwa aus einer Solaranlage werde derzeit eine Einspeisevergütung von zwölf Cent pro Kilowattstunde gewährt. Für eingekauften Strom müssten hingegen 29 Cent pro Kilowattstunde bezahlt werden. Würde nun mit einem Strombilanzkreis die eigene Stromerzeugung mit dem eigenen Verbrauch gekoppelt, ohne dass dabei eine Differenz zwischen Einspeisevergütung und Abnahmepreis für bezogenen Strom zum Tragen kommt, ließen sich deutliche Einsparungen erzielen. Etwa 45 000 Euro müsste die Stadt nach der Kalkulation der Grünen weniger bezahlen, wenn sie den eigenen Strom rechnerisch selbst verbrauchen würde.
Durch diese Kopplung von Einspeisung und eigenem Verbrauch würde die Stadt laut Noah Hohenfeld keine „Profitmargen von anderen“ – gemeint sind Netzbetreiber – unterstützen. Strombilanzkreise würden bereits in Österreich oder in Deutschland im Main-Taunus-Kreis angewendet. „Man muss halt schauen, wie man es technisch anwendet“, sagte Hohenfeld.
Die Stadtverwaltung steht einem solchen System grundsätzlich positiv gegenüber. Allerdings habe sich ein Strombilanzkreis bei der Überprüfung eines ähnlichen Antrags aus dem Jahr 2024 noch nicht als tragfähig erwiesen, heißt es in der Sitzungsvorlage der Verwaltung. Deshalb soll die Sache erneut abgeklärt werden, wie Fachbereichsleiterin Britta Staub-Abt in der Gemeinderatssitzung erklärte.
Tragfähigkeit prüfen
Zu den Dingen, die in eine erneute Prüfung einfließen, gehöre auch die Ermittlung von bestehenden Anlagen mit geförderten und somit vorteilhafteren Einspeisevergütungen.
Auch gelte es zu klären, wie die Stadt mit dem Landkreis Lörrach kooperieren könne. Jedenfalls werde man die weitere Entwicklung einschließlich veränderter energiepolitischer Rahmenbedingungen im Auge behalten und voraussichtlich gegen Ende des Jahres einen Bericht vorlegen, hieß es in der jüngsten Sitzung des Gemeinderats. Diesem Vorschlag der Verwaltung folgt der Gemeinderat.