Windräder drehen sich am bei Lauterburg auf der Schwäbischen Alb Foto: dpa

Bis 2020 sollen 38 Prozent des Stroms im Land mit Hilfe von erneuerbaren Energien erzeugt werden.

Stuttgart - Es ist kein Zufall, dass die Landesregierung mit den erneuerbaren Energien politisch ins neue Jahr startet. Es verdeutlicht, welch Stellenwert die Koalition dem Thema beimisst: mit den höchsten.

So war es am Montag Umweltminister Franz Untersteller (Grüne) vorbehalten, über die Zukunft der Stromversorgung im Südwesten zu referieren. Diese stützt sich künftig vor allem auf Sonne und Wind. Die Energieträger werden im Jahr 2020 über die Hälfte der regenerativen Stromerzeugung ausmachen, wie das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoffforschung (ZSW) berechnet hat: 14 Terawattstunden im Jahr, was einem Anteil von 22 Prozent an der Stromerzeugung entspricht. Die Fotovoltaik kommt dabei auf zwölf, die Windkraft auf zehn Prozent. Sämtliche Öko-Energien sollen in acht Jahren 38 Prozent ausmachen.

Neue Kohlekraftwerke kommen nicht infrage

„Ein ambitioniertes Ziel, das aber zu schaffen ist, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden“, sagte Untersteller. Laut Frith­jof Staiß vom ZSW gibt es im Land genug Platz für Windräder und „mehr als genug Flächen“, vor allem Gebäudedächer, die sich für Fotovoltaikanlagen eigneten. Jedes Jahr sollen rund 100 Windräder mit einer Leistung von je drei Megawatt ans Netz gehen. Geringere Ausbaupotenziale sieht der Vorstand des Instituts bei der Nutzung von Biomasse und Wasserkraft. In beiden Bereichen sei bereits eine gewisse Sättigung erreicht.

Mit den Ausbauplänen übertrifft die grün-rote Landesregierung die Vorgängerregierung fast um das Doppelte. Schwarz-Geld hatte bis in acht Jahren 20 Prozent erneuerbare Energien anvisiert. Die Marke wird nun wohl schon Ende dieses Jahres erreicht werden. Mit einer Jahresleistung von 2,7 Milliarden Kilowattstunden hat die Sonnenkraft das für 2020 veranschlagte Ausbauziel bereits im vergangenen Jahr überholt. „Die Potenziale sind erheblich unterschätzt worden“, erklärte Untersteller.

Der Anteil fossiler Energieträger wie Gas und Kohle wird bis im Jahr 2020 auf 45 Prozent heruntergefahren. Atomstrom wird dann nur noch zu gut zehn Prozent zur Stromgewinnung beitragen, ehe zwei Jahre später mit Neckarwestheim II das letzte Kernkraftwerk vom Netz gehen wird. Als Ersatz will der Umweltminister lediglich „moderne Gaskraftwerke“ mit Kraft-Wärme-Kopplung und hohem Wirkungsgrad einsetzen. Neue Kohlekraftwerke kommen für den Grünen-Politiker nicht infrage.

„Es wird Widerstände vor Ort geben“

Die Industrie sieht das ähnlich, und so liegt es vor allem an den lokalen Entscheidungsträgern, die Zielvorgaben des Landes auszufüllen. Eine Potenzialanalyse für jede Kommune in Baden-Württemberg soll noch in diesem Jahr erstellt werden und helfen, die Ausbaupotenziale genauer zu verorten. Außerdem richtet das Land in den Regierungspräsidien „Kompetenzzentren“ für Energie und Windkraft ein, um Verfahren zu erleichtern. Die Mittel im Landeshaushalt werden von 9,5 Millionen auf 20 Millionen Euro erhöht. Begleitet werden soll das Ganze von einer Kommunikations- und Akzeptanzkampagne. „Es wird Widerstände vor Ort geben, da brauchen wir uns keinen Illusionen hinzugeben“, sagte Staiß.

Die Erhöhung der Strompreise wird sich im Rahmen halten, sagen Untersteller und Staiß voraus. Sie gehen von maximal zwei Prozent jährlich aus. Ähnlich dürfte es sich für das produzierende Gewerbe darstellen, wo die Energiekosten laut Statistischem Bundesamt aber auch nur etwas mehr als zwei Prozent ausmachen. Für die Zeit nach 2015 prognostiziert das ZSW gar einen Rückgang der Strompreise.

Beim Thema Stromimporte verwies der Umweltminister darauf, dass das Land immer noch mehr Strom ex- als importiert. Deutschland hatte im Dezember Strom aus österreichischen Öl- und Gaskraftwerken beziehen müssen. Der Grund war jedoch kein Engpass bei der eigenen Produktion, das Gegenteil war der Fall. Durch den starken Wind im Dezember wurde besonders viel Windstrom erzeugt und ins Ausland geliefert. Die Netze waren überlastet, so dass der Süden der Republik aus dem Nachbarland versorgt werden musste. Untersteller will die Netze deshalb nicht nur ausbauen, sondern auch „intelligenter“ machen.