Potenzial für ein Wärmenetz gebe es in Rust – eine Umsetzung ist allerdings nicht möglich. Foto: Köhler

Gemeinsam mit fünf weiteren Städten und Gemeinden befasste Rust sich mit der Energiewende. Die Arbeit im Konvoi bringe viele Vorteile, gehe jedoch nicht genug auf Besonderheiten wie den Europa-Park ein, hieß es in der Ratssitzung.

Der Ruster Gemeinderat befasste sich in seiner Sitzung am Montag mit der interkommunalen Wärmeplanung. Erarbeitet wurde das vorgestellte Konzept der Firma Drees und Sommer für einen Konvoi, also einen Zusammenschluss von insgesamt sechs Gemeinden: Herbolzheim, Kenzingen, Ringsheim, Rheinhausen, Weisweil und Rust. Alle anderen Gemeinden des Konvois hatten das Thema schon im Rat besprochen und Zustimmung für die erarbeiteten Maßnahmen erteilt. Rust jedoch stelle mit dem Europa-Park einen Spezialfall dar, erklärte der stellvertretende Projektleiter Philipp Herrmann, der dem Rat die Ergebnisse vorstellte.

 

Ziel der Wärmeplanung ist es, in Baden-Württemberg bis 2040 Klimaneutralität zu erreichen und die Vorgabe des Bunds zur Wärmeplanung in Kommunen bis 2028 zu erfüllen. Vor allem bei der Wärmeversorgung von Privathaushalten werde Potenzial gesehen, da diese 72,6 Prozent der von ihnen verbrauchten Energie für Raumwärme oder Warmwasser benötigten, so der vorgestellte Bericht.

Bei der Arbeit im Konvoi werden Besonderheiten weniger berücksichtigt

Die Erarbeitung eines Wärmeplans gemeinsam mit anderen Gemeinden „verbessert unter anderem die Förderkonditionen, vergünstigt die spezifischen Kosten für die einzelne beteiligte Kommune und ermöglicht Untersuchungen von Maßnahmen über die Gemarkungsgrenzen hinaus“, begründet dabei die Gemeinde Rust das Vorgehen.

Auch Bürgermeister Kai-Achim Klare hob zu Beginn der Präsentation hervor: „Die Art der Analyse im Konvoi hat zwar einige Vorteile, aber man muss klar sagen, dass es beispielsweise ein großer Nachteil ist, dass man dabei nicht immer auf Spezifika eingehen kann – und Rust mit dem Europa-Park ist eben speziell.“

Im Wesentlichen konnte die Firma Drees und Sommer feststellen, dass es in Rust theoretisch Potenzial für ein Wärmenetz gebe, vor allem im Kern der Gemeinde mit Grundschule und Rathaus und bei Rulantica und dem Europa-Park. Viele der privaten Heizanlagen wurden vor 1994 gebaut und müssten in den nächsten Jahren ohnehin saniert werden. „Wenn Ihre Heizung im nächsten Winter zu versagen droht, tauschen Sie jetzt zu einer Heizung, die für Sie persönlich Sinn macht“, rät Herrmann den Bürgern. Denn selbst bei einer direkten Umsetzung eines Wärmenetzes könne es noch bis zu sieben Jahre dauern, bis es umgesetzt werde. Bis dahin hätten die privaten Haushalte sowieso neue Heizungen und damit wäre die Situation wieder eine andere, warf Klare an dieser Stelle ein.

Rathaus und Grundschule hätten bereits neue Gasheizungen. Dort könne man zwar untersuchen, was in Zukunft passieren solle, wenn diese ausfallen, man spreche dabei aber nicht von den kommenden zehn bis 15 Jahren, erklärte Klare. Einzelne Stellen anzuschauen, wie beispielsweise Rulantica, mache dennoch Sinn, war sich die Verwaltung einig.

Basierend darauf und in Zusammenarbeit mit Drees und Sommer entstand ein Maßnahmenpaket, dem der Gemeinderat auch geschlossen zustimmte. Unter anderem eine Abwasserpotenzialstudie, für die die Gemeinde verantwortlich ist. Maßnahme zwei umfasst eine Machbarkeitsstudie für das kommunale Netz vor allem im Gebiet der Grundschule und des Rathauses. Eine Informationskampagne zu lokalen Umweltquellen in allen Städten und Gemeinden den Konvois ist die dritte Maßnahme.

Alle Mitglieder des Konvois stimmten den Maßnahmen zu

Auch alle anderen Konvoimitglieder stimmten zu, sich um kommunale Förderungen passend zur Wärmewende zu bewerben. Außerdem kommt als fünfte Maßnahme eine PV- und Solarberatung im Konvoi dazu. Alle Maßnahmen sowie der Bericht sind auf der Website der Gemeinde Rust einsehbar.

Klare fasste im Anschluss aber knapp zusammen: „Es gibt Stand heute keinen Energieversorger, der dieses Netz baut.“ Man sehe also die Verantwortung zum Bau bei der Kommune, die es aber nicht umsetzen werde, so Klare. Er fasste zusammen: „Was wir zu diesem Thema getan haben, war gut, auch wenn das Ergebnis ernüchternd ist. Aber jetzt wissen wir es.“

Auch die Mitglieder des Gemeinderats zeigten sich nicht überzeugt von den Ergebnissen des Berichts. Andreas Bachmann (CDU) ergänzte aber: „Bei einem neuen Baugebiet macht es sicher Sinn, sich über ein Wärmenetz Gedanken zu machen.“ Auch Herrmann bestätigte die Idee und erklärte, dass es bei neuen Baugebieten mit einem vorgeplanten Netz eine sehr hohe Anschlussquote der privaten Haushalte gebe.

Bürgerinformation

Eine Informationsveranstaltung zur interkommunalen Wärmeplanung im Konvoi findet am Montag, 27. Januar, von 19 bis 21 Uhr in der Festhalle in Kenzingen statt.