Die Sporthalle in Würzbach zur Veranstaltung über die Windkraft war voll besetzt. Foto: Wallburg

Das Thema Windkraft in Oberreichenbach geht in seine nächste Runde. Die geplante Projektierung von bis zu sieben Windrädern wird in einer Einwohnerversammlung vorgestellt.

Nachdem am 9. Mai der Gemeinderat von Oberreichenbach in einer nicht öffentlichen Sitzung die Pachtvergabe der gemeindlichen Flächen im Vorranggebiet WC7 des Teilregionalplans Windenergie (Gewann Zimmer, Naislach) an den Projektentwickler Qualitas Energy beschlossen hatte, informierte die Gemeindeverwaltung zuerst die Öffentlichkeit über das Vorhaben auf ihrer Internetseite. Danach lud sie zu einer Einwohnerversammlung mit Informationsmarktplatz in die Sport- und Mehrzweckhalle Würzbach mit Live-Übertragung über den Youtube-Kanal der Gemeinde Oberreichenbach ein. Die 180 Personen fassende Halle war voll besetzt.

 

Bürgermeister rechtfertigt Projekt Transparenz ist mir sehr wichtig. Jeder soll seine Meinung sagen dürfen und keiner mit seinen Fragen auf der Strecke bleiben“, gab Oberreichenbachs Bürgermeister Johannes Schaible den interessierten Bürgern mit auf den Weg. Im gleichem Atemzug rechtfertigte er den jüngsten Gemeinderatsbeschluss, trug die Beweggründe zur Entscheidung vor und warb ebenso intensiv für das Vorhaben, letztendlich auch, um langfristig Geld in die Kassen der Kommune zu spielen.

Oberreichenbachs Bürgermeister Johannes Schaible rechtfertigt den geplanten Windpark in Oberreichenbach. Foto: Günther Wallburg

Der Pachtvertrag wurde am 13. Juni unterzeichnet. Dieser greift die Interessen der Gemeinde aus deren Sicht in wichtigen zentralen Punkten auf. Dazu gehören etwa ein Mindestabstand von 1500 Metern zwischen Windrädern und Wohnbebauung, eine „verlässliche vertragliche Rückbausicherung“, eine klare Regelung zur Absicherung bei möglichen Eigentümerwechseln sowie ein überdurchschnittliches finanzielles Nutzungsentgelt, wie Schaible bestätigte. Die jährliche kommunale Beteiligung, also die Zahlungen an die Gemeinde, wurden in einem Diagramm mit rund 120 000 Euro veranschlagt.

Kommunale und private Flächen Laut der Gemeinde Oberreichenbach umfasst das Vorranggebiet WC7 Flächen, die zu 55 Prozent der Gemeinde gehören. 45 Prozent der Flächen befinden sich in Privatbesitz. Auf den Flächen im Gebiet WC7 – sollten die Privatflächen auch tatsächlich verpachtet werden – könnten bis zu sieben Windkraftanlagen gebaut werden.

Vorgeschichte Bereits vor 25 Jahren sei das Gebiet WC7 für ein derartiges Vorhaben privilegiert ausgewiesen und diskutiert worden, erläuterte Schaible in seiner Einführung all jene Schritte, die letztendlich ein Vierteljahrhundert später zum Gemeinderatsbeschluss geführt hätten.

Vorranggebiete Sascha Klein, Verbandsdirektor im Regionalverband Nordschwarzwald, gab einen Überblick über den Teilregionalplan Windenergie und das Vorranggebiet WC7. Wenn der Regionalverband Nordschwarzwald die vorgesehenen Flächenziele zu den jeweiligen Stichtagen nicht erreiche, trete die „Super-Privilegierung“ ein.

Ausschluss von Flächen

Dann dürften überall Windkraftanlagen gebaut werden, wo sie nicht verboten seien, ohne Rücksicht auf das Landschaftsbild, die Umzingelung von Gemeinden und Schutzgütern. Mit der Ausweisung der Vorranggebiete, sagte Klein, werde der Ausbau innerhalb dieser erleichtert, während der Ausbau in allen Bereichen außerhalb der Vorranggebiete ausgeschlossen werde. Die Eignungskriterien lägen über 215 Watt pro Quadratmeter in 160 Metern Höhe, also jene Leistung, die der Wind in 160 Metern Höhe und pro Quadratmeter Rotorfläche liefern solle.

Gegner des Projekts Ewald Lehmann trug die Stellungnahme seiner Bürgerinitiative „Gegen Windkraft in Würzbach für Mensch und Natur“ vor. Im Rückblick erläuterte er die früheren Aktivitäten der BI. Er forderte den Regionalverband auf, windschwache Vorranggebiete wie zum Beispiel WC11 nochmals zu überprüfen und die ausgewiesenen Gesamtflächen von 2,9 Prozent auf 2,2 Prozent abzusenken.

Standpunkt des Projektierers Johannes Spielvogel, Projektleiter beim Projektentwickler Qualitas Energy, stellte den aktuellen Projekt- und Planungsstand sowie die Technik vor.

Grenzwerte eingehalten

Er sicherte einen minimalen Waldeingriff, eine “just-in-time“ Baustelle und eine maximale Verschneidung mit bestehenden Wegen zu. Ein Schattenwurfmodul sei laut Prognose nicht nötig. Grenzwerte in Wohn- und Erholungsräumen würden eingehalten. Störend blinkendes Warnlicht werde nur bei Bedarf aktiviert.

Möglicher Ertrag Im Gemeindegebiet OBE I würden gemäß heutigem Projektierungsstand drei Anlagen 38,2  Millionen Kilowattstunden pro Jahr erzeugen und mindestens 11 300 Haushalte versorgen, im Gemeinde- und Privatgebiet OBE II mit vier Anlagen 53,6 Millionen Kilowattstunden und mehr als 16 400 Haushalte, sagte Spielvogel.

Zeitplan Vorbehaltlich aller Genehmigungen und rechtlicher Voraussetzungen könnten Windpark OBE I Ende 2028 und OBE II Mitte 2029 laut Spielvogel in Betrieb gehen.