Die Netze BW wird in den kommenden Jahren bis zu 25 Millionen Euro in den Ausbau des Mötzinger Stromnetzes und eine neue Umspannstationen investieren. Foto: Uwe Priestersbach

In Mötzingen wird kräftig in die Energiewende investiert: 37 Prozent des dort verbrauchten Stroms werden zwischenzeitlich durch Photovoltaikanlagen erzeugt.

Im sogenannten Netz-Dialog informierte die Netze BW den Mötzinger Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung über die aktuelle Situation im örtlichen Versorgungsnetz – und wohin die Reise in Sachen erneuerbarer Energien und Netzsicherheit führen soll. Zudem hatte der Gemeinderat zuvor grünes Licht für den Abschluss eines neuen Stromkonzessionsvertrag mit der Netze BW mit einer Laufzeit von 20 Jahren gegeben.

 

Wie Regionalmanager Kevin Schlund von der Netze BW mit Blick auf die Infrastrukturwende in Erinnerung rief, sollen bis zum Jahr 2045 in Baden-Württemberg rund 36 Milliarden Euro in den Netzausbau und den Bau neuer Umspannwerke investiert werden, nachdem das Stromnetz bislang nicht für den künftigen Strombedarf und die Klimaziele des Landes ausgelegt ist. Auch in Mötzingen stehen in diesem Zeitraum Investitionen in einer Größenordnung zwischen 20 und 25 Millionen Euro auf der Agenda.

Allein in den vergangenen fünf Jahren flossen mehr als zwei Millionen Euro in den Netzausbau – davon 850 000 Euro in die neuen Baugebiete Röte II und Röte III. In der Projektierungsphase befindet sich momentan der geplante Neubau eines Umspannwerkes auf dem Wolfsberg.

Mötzingen liegt „einen Riesenschritt“ vorne

Wie Kevin Schlund mit Blick auf den Zeitstrahl deutlich machte, „sind wir in Mötzingen einen Riesenschritt weiter als in anderem Kommunen, weil die Grundstücke bereits zur Verfügung stehen“. Zeitliche Unwägbarkeiten gebe es zwar noch in Sachen Genehmigungsplanung, doch wenn alles glatt läuft, soll 2028 mit dem Neubau begonnen werden. Ende 2030 sei dann die Inbetriebnahme des neue Umspannwerks denkbar, und im Jahr darauf werde mit dem Rückbau der bestehenden Anlagen begonnen.

Die Entwicklung der erneuerbaren Energien schreitet in Mötzingen voran. 37 Prozent des verbrauchten Stroms werden zwischenzeitlich selbst produziert, so der Regionalmanager. So sei die Zahl der Photovoltaikanlagen in Mötzingen von 2024 auf 2025 um 15 Prozent auf 429 Anlagen gestiegen. Auffallend sei mit Blick auf die 54 so genannten Balkonkraftwerke, dass diese Anlagen immer stärker für den Eigenverbrauch optimiert und mit Speichern ausgerüstet würden.

Selbstschutz wird zunehmend Thema

Vor dem Hintergrund des tagelangen Stromausfalls in Berlin lege die Netze BW den Fokus immer stärker auf das Notfall- und Krisenmanagement – sei es mit mobilen Stromerzeugungs- und Tankanlagen oder auch einem verstärkten Objektschutz. Täglich werde versucht, „unsere System zu hacken, und wir müssen uns da stetig verbessern“, erklärte Kevin Schlund, dass es auch Überlegungen gebe, die 280 Umspannwerke in Baden-Württemberg mit Nato-Stacheldraht und Kameras zu sichern.

Ein aktuelles Thema seien daneben Großbatteriespeicher, die im gegenwärtigen Marktumfeld äußerst rentabel seien. So lägen alleine in Baden-Württemberg zehnmal so viele Anfragen für Großspeicher vor, wie der voraussichtliche Bedarf im Netzentwicklungsplan bis 2045 ausweist. „Da gibt es momentan eine gewisse Goldgräberstimmung“, stellte Kevin Schlund fest.