Eckhardt Huber erklärte dem Gemeinderat seine Vorschläge zur Beteiligung an der lokalen Energiewende. Foto: Frey

Wie kann die Gemeinde Loßburg von der Energiewende profitieren, auch wenn die öffentlichen Kassen derzeit kaum Investitionen zulassen? Mit dieser Frage befasste sich der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung.

Eine Antwort darauf hatte Eckhardt Huber, der Sprecher der Bürgerenergie Loßburg, mitgebracht. Huber war bis 2023 Chef der Stadtwerke Horb und hat die dortige Energieagentur gegründet. Er gilt als „Urgestein“, wenn es um die Themen Klimaschutz und erneuerbare Energien geht. Und er wohnt in Betzweiler-Wälde – also ein Glücksfall für Loßburg.

 

Bevor Huber dem Gremium seine Vorschläge für die Nutzung kommunaler Dächer mit PV-Anlagen präsentierte, erläuterte er noch kurz die jüngste Entwicklung der Bürgerenergie Loßburg. „Aus dieser Initiative wird nun die Bürgerenergie Nordschwarzwald-Gäu eG“, sagte Huber. Sie werde sich am kommunalen Windkraftprojekt der Gemeinde Loßburg beteiligen. Details dazu würden in einer Informationsveranstaltung am 7. Mai vorgestellt.

Die Bürgerenergie hat aber mit dem Ausbau von Photovoltaik ein zweites Standbein. In Loßburg sieht Eckhardt Huber noch ein enormes Potenzial auf den Dächern der Gemeinde: genauer bis zu 1,5 Millionen Watt Peak.

Nicht jedes Dach geeignet

„Dieses Potenzial verteilt sich auf viele kleine Dächer, dabei sind aber Kleinanlagen für die Kommune in der Regel betriebswirtschaftlich nicht interessant“, erklärte Huber.

Auf dem Dach des Rathauses und dem des Kinzighauses seien die Photovoltaik-Anlagen rentabel, da sie viel Strom für den Eigenverbrauch erzeugten. Beim Kinderhaus sehe die Rechnung schon ganz anders aus. Der Eigenstromverbrauch sei gering, daher ergebe sich eine Kapitalrendite von maximal 1,35 Prozent. „Und da darf kein Wechselrichter ausfallen und ersetzt werden müssen“, so Huber.

Genauer angeschaut habe er sich deshalb zum Beispiel die Dächer der Laiberghalle in Wittendorf, der Grundschule in Lombach und des Kindergartens in Betzweiler-Wälde. Keines dieser drei Dächer würde sich nach Ansicht von Huber für die Kommune rechnen.

Kommune soll verpachten

Sein Vorschlag deshalb: Die Kommune verpachtet diese Dachflächen an die Bürgerenergie, die nutzt sie zur Erzeugung von Solarstrom. Die Pachterträge seien überschaubar, eher ein symbolischer Preis, aber die Kommune könne auch ihren Eigenbedarf an Strom auf diese Weise günstig decken. Das Modell der Bürgerenergie sehe eine Aufteilung mit separater Abrechnung vor.

Die Bürger in Loßburg könnten sich zudem über Mitgliedsanteile an der Genossenschaft der Bürgerenergie beteiligen. Ein Anteil sei bereits für 500 Euro zu zeichnen, bis maximal 100 Anteile könne ein einzelner Anleger erwerben.

„Mir ist es wichtig, dass sich die Bürger an der Energiewende auch lokal beteiligen können“, betonte Bürgermeister Christoph Enderle.

Zustimmung im Gemeinderat

Werner Faulhaber (FWV) erinnerte an die Veranstaltung im Kinzighaus im November. „Ich finde es gut, dass die Bürgerenergie das Thema Windkraft in die Genossenschaft einbringt. Und wir haben auch das Potenzial für Photovoltaik, aber keinen Zugzwang. Daher finde ich auch den Weg, sich an Dach-PV-Anlagen über die Genossenschaft zu beteiligen, gut.“ Thomas Gisonni (Grüne Liste) sagte: „Es ist alles gut durchdacht, es sind starke Partner, wir befürworten dieses Vorgehen.“

Der Rathauschef sah im Angebot der Bürgerenergie keinerlei Nachteile für die Gemeinde und stellte den Vorschlag der Verwaltung, die Bürgerenergie mit einem Vertragsentwurf zu beauftragen, zur Abstimmung. Dafür gab es ein einstimmiges Votum.