Ganz in der Nähe des Heiligkreuz-Friedhofs soll auf Gemarkung des Hechinger Stadtteils Stetten ein 3,6 Hektar großer Solarpark entstehen. Der Standort darf als umstritten gelten.
An diesem Montagabend (13.04.2026) befasst sich der Ortschaftsrat von Stetten in öffentlicher Sitzung mit zwei geplanten Freiflächen-Solarparks.
Einer der beiden Standorte darf als umstritten gelten. Zu der 3,6 Hektar großen Fläche „Rohrach“ südlich der Turn- und Festhalle im Dreieck zwischen Erlenstraße, Bahnlinie und Heiligkreuz-Friedhof haben der Ortschaftsrat und mit ihm der Bauausschuss des Hechinger Gemeinderates schon einmal mehrheitlich „Nein“ gesagt – als es um die im Regionalplan auszuweisenden Vorrangflächen ging.
„Nicht so nah am Ort“
Damals, im April 2025, erklärte Stettens Ortsvorsteher Otto Pflumm, dass sein Ortschaftsrat das Gebiet mit 2:3 Stimmen abgelehnt habe, weil es zum einen „ziemlich nah“ an der Turn- und Festhalle und dem Bauplatz für die künftige Stettener Kiga liege; zum anderen bereite ein möglicher Solarpark auch wegen des auf der anderen Seite der Erlenstraße geplanten Baugebietes „Hilb“ Bauchschmerzen. Pflumm stellte klar: „Wir haben nichts gegen Freiflächen-PV, aber nicht so nah am Ort.“
„Da gibt es bessere Flächen“
Bunte-Liste-Fraktionssprecherin Almut Petersen unterstützte die ablehnende Haltung: Die Stettener Fläche sei unpassend: „Direkt am Friedhof, direkt am Neubaugebiet – da gibt es bessere Flächen.“ Bei der Abstimmung lehnte eine knappe Mehrheit (vor allem mit Stimmen der Bunten Liste, der SPD, der Freien Wähler und der AfD) den Standort ab.
Jetzt wieder Thema in den Gremien
Jetzt kommt die Fläche doch wieder aus der Versenkung hervor – in Gestalt eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes mit Namen „Sondergebiet Solarpark Rohrach“. Nach dem Ortschaftsrat wird sich in der kommenden Woche der Bauausschuss mit dem Projekt zu befassen haben – und anschließend der Gemeinderat.
Berliner Unternehmen will bauen
Wer da am Stettener Ortsrand einen 3,6 Hektar großen Solarpark errichten will, ist kein Unternehmen mit regionalem Bezug (wie es einst vom Gemeinderat als wichtiges Kriterium formuliert worden war), sondern das Berliner Solarenergie-Unternehmen Low Carbon GmbH. Diese Firma hat das Planungsbüro Fritz & Grossmann aus Balingen mit der Erstellung des erforderlichen Bebauungsplanes beauftragt.
Stadt: „Sehr gut geeignet“
In der Drucksache, die den Gremien vorliegt, heißt es seitens der Stadtverwaltung: „Aufgrund der südexponierten Lage ist das Plangebiet für die Nutzung für Photovoltaik sehr gut geeignet. Die Fläche ist im Teilregionalplan 2025 des Regionalverbandes Neckar-Alb enthalten.“ Begrenzt wird das Plangebiet im Süden durch die Bahnlinie, im Westen durch den Kreuzwiesbach und im Osten durch die Erlenstraße, die Gemeindeverbindungsstraße zwischen Stetten und Boll. Abgesehen von der Bahnlinien-Seite soll das Gebiet auch in Zukunft von Bepflanzung eingefasst werden, weshalb die PV-Module von der Straße aus „kaum wahrnehmbar“ sein werden.
Maximal vier Meter hohe Module
Die maximale Höhe der einzelnen Module soll auf vier Meter beschränkt werden, sodass eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes stark reduziert werden könne. Am Nordrand des Plangebietes (Richtung Dorf) sei ein fünf Meter breiter Rad- und Fußweg geplant, um eine Verbindung zwischen dem zukünftigen Baugebiet „Hilb“ und der geplanten Kita sowie der Turn- und Festhalle herzustellen.
Sofern die kommunalen Gremien grünes Licht für den Aufstellungsbeschluss geben, folgt als nächster Schritt die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Behörden.
Zweite Fläche entlang der B 27
Weniger umstritten ist ein zweiter Standort auf Stettener Gemarkung, an dem die Firma Low Carbon GmbH einen weiteren Solarpark plant. Hier geht es um einen 3,8 Hektar großen, langgezogenen Streifen entlang der B 27 im Süden der Straße, etwa auf Höhe des Hechinger Wohngebiets an der Kärntner Straße. Im „Sondergebiet Solarpark Gewand“ sind bis zu 4,50 Meter hohe PV-Module in Kombination mit extensiver Grünlandbewirtschaftung geplant. Dieser Fläche hatten Ortschaftsrat und Gemeinderat im vergangenen Jahr zugestimmt. Jetzt geht es ebenfalls um die Aufstellung eines Bebauungsplanes.