Die Stromerzeugung soll nachhaltiger werden. Die Vertreter der Netze BW waren wieder im Burladinger Gemeinderat zu Gast, stellten sich vielen Fragen und auch Kritik. Foto: Rapthel-Kieser

„Die Energiewende ist die Mondlandung der heutigen Generation“, so Thomas Ruoff, von der Netze BW im Burladinger Gemeinderat.

Dass die Vertreter der Netze BW im Burladinger Gemeinderat zu Gast sind ist eine regelmäßige Einrichtung. Es nennt sich Netzdialog und war zum im Jahr 2022 schon der Fall. In der jüngsten Gemeinderatssitzung mussten sich die beiden Vertreter des Stromunternehmens, die Regionalmanager Thomas Ruoff und sein Kollege Daniel Lupfer, im Gemeinderat aber einige Kritik anhören.

 

Fehlatal: Das Electric Valley der Energiewende

Sie konnten zwar auf den großen Erfolg verweisen, dass ausgerechnet in der kleinen Stadt Burladingen nun das erste völlig digitale Umspannwerk Europas eröffnet wurde, dass das Fehlatal damit quasi zum „Electric Valley der Energiewende“ geworden sei, aber sie mussten auch einräumen: „Die Energiewende ist eine Generationenaufgabe“ – und sie werde mindestens 20 Jahre in Anspruch nehmen, denn die Energieversorgung müsse vom Kopf auf die Füße gestellt werden. Das Ziel sei dabei vom Bund vorgegeben: Die Klimaneutralität bis zum Jahr 2045.

Die Energiewende ist die Mondlandung der heutigen Generation, so Ruoff

Der Gemeinderat hörte sich einen detaillierten Bericht von den Vertretern der Netze BW an. Foto: Erika Rapthel-Kieser

Hätte man früher vor allem mit einigen wenigen Großkraftwerken – Ruoff sprach von 500 Anlagen – nuklear oder mit Kohle betrieben, den Energiehunger der Wirtschaft und der privaten Haushalte versorgt, werde jetzt auf Nachhaltigkeit und Dezentralisierung gesetzt. Viele kleine Energieproduzenten, Betreiber von Balkonkraftwerken, Photovoltaikanlagen bis hin zu den Windkraftwerken, die viele Gemeinden aufstellen, speisen Energie ins Netz ein oder nutzen sie im Idealfall gleich selber. Ruoff nannte die Zahl von 60 Millionen. Die E-Mobilität steige, es gäbe immer mehr Wärmepumpen und große Energieunternehmen müssten sich anpassen, kräftig investieren und ihre Kapazitäten ausbauen.

Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit und Klimaschutz

Die Energiewende, so Ruoff, sei die Mondlandung der heutigen Generation. Dabei seien seinem Unternehmen drei Punkte wichtig: die Versorgungssicherheit, die Bezahlbarkeit und der Klimaschutz. Die Versorgungssicherheit schon deshalb, weil großflächige Ausfälle, so wie es jüngst einen in Spanien gegeben haben, enorm teuer seien.

Bei Stromausfällen liege Burladingen deutlich über dem kreisweiten Mittelwert

Rund 1,89 Milliarden Schaden hätte dieser Riesen-Blackout für die Wirtschaft Spaniens zur Folge gehabt.

Wenn es um die Produktion der eigenen Energie geht, liege Burladingen im vorderen Drittel des Landkreises. Bei den Stromausfällen aber deutlich über dem Mittelwert, dies musste Ruoff nach einigen kritischen Nachfragen aus den Reihen des Gemeinderates einräumen.

Die Mitarbeiter der Netze BW erläuterten, wie die Stromausfälle zustande kommen und betonten, dass auch deshalb, die überirdischen Leitungen nach und nach unter die Erde verlegt werden sollen. Dort seien sie nicht nur sicherer, sondern auch für höhere Lasten geeignet.

AfD: „Wir werden niemals klimaneutral, in tausend Jahren nicht!“

„Sie haben das alles positiv verkauft, das ist alles politisch gewollt. Haben die Energieversorger die Politik beraten? Mir kommt das vor, als wenn man einen Bau beim Dach anfängt“, kritisierte der AfD-Fraktionsvorsitzende und Noch-Landtagsabgeordnete Joachim Steyer harsch. Er empfahl, eher in Speicherkapazitäten zu investieren und äußerte klar seine Meinung: „Wir werden niemals klimaneutral, in tausend Jahren nicht!“

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Michael Eisele fragte nach der Sicherheit des digitalen Umspannwerkes im Falle einer möglichen Cyberattacke. Gäbe es Notfallpläne? Die gäbe es, allerdings sei das Umspannwerk physisch gar nicht mit dem allgemeinem Internet verbunden, um eine Cyberattacke von vornherein auszuschließen, war die Antwort von Ruoff und Lupfer.