Die Stadt Bad Liebenzell macht sich Gedanken darüber, wie in den Gebäuden geheizt wird. Bei der Wärmeplanung arbeitet die Stadt mit der Mission zusammen. Wie sieht der Plan aus?
Durch das Heizen in Gebäuden wird besonders viel Kohlendioxid in die Umwelt geblasen. Viele Kommunen machen sich jetzt Gedanken, wie sie mit einer Wärmeplanung dieses Problem in den Griff bekommen können. Dazu gehört auch Bad Liebenzell.
Mission mit im Boot Mit der Liebenzeller Mission hat die Stadt auch schon einen Partner mit im Boot. Die Mission will ebenfalls ein Nahwärmenetz aufbauen.
Timo Schaal, Experte für Sanierung und Entwicklung vom Büro Christophers Projekt- und Stadtentwicklung in Stuttgart, nannte in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates die Gebiete für ein solches Wärmenetz. Demnach kommt dafür neben dem Missionsberg das Sanierungsgebiet der Stadt infrage. Dazu gehört unter anderem ein Teil der Kirchstraße. Auch das Bürgerzentrum, das Kurhaus, die Paracelsus-Therme, der Bereich bis zum Freibad und die Reuchlin-Schulen sollen an das Wärmenetz angeschlossen werden.
Externes Unternehmen würde investieren
Betreiber wäre weder die Mission noch die Stadt, sondern ein externes Unternehmen. Es würde den Betrieb und den Bau eines solchen Nahwärmenetzes übernehmen. Die Stadt hätte folglich die hohen Investitionen nicht selbst tragen.
Kosten für die Vorarbeiten Allerdings müssten die Mission und die Stadt zunächst die Kosten für eine Machbarkeitsstudie und einen Transformationsplan in Höhe von rund 300 000 Euro vorstrecken. Diese würden anhand der Leistungsdaten zwischen der Stadt und der Mission aufgeteilt. Demnach entfielen auf die Stadt rund 188 000 und auf die Mission etwa 112 000 Euro.
Förderung vom Bund
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) würde die Hälfte der förderfähigen Kosten dieser Machbarkeitsstudie bezahlen.
Schaal geht davon aus, dass ein Energiedienstleister gefunden wird, der dann auch die Kosten für die Machbarkeitsstudie übernehmen würde. Über 20 Jahre würde der Energiedienstleister seine Ausgaben durch den Wärmepreis wieder hereinbekommen.
Diskussion im Gemeinderat Katrin Heeskens (UL) wollte wissen, woher der Optimismus herkomme, einen Wärmedienstleister zu finden. Karsten Jäkel von der Jäkel Energiemanagement GmbH antwortete, dass bislang nur ein Projekt geplatzt sei – zu Beginn des Ukrainekrieges. Als Russland seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine startete, schossen die Energiepreise in die Höhe. 40 Projekte seien jedoch umgesetzt worden, betonte Jäkel.
Keine Präferenz für bestimmte Energieform
Dietmar Fischer (CDU) wollte wissen, welche Energieformen infrage kämen. Die Topografie schließe manches aus. „Ich habe keine Präferenz“, entgegnete Schaal. Er sei technologieoffen. Jäkel ergänzte, dass nach dem Gebäudeenergiegesetz mindestens 65 Prozent aus erneuerbaren Energien stammen müssten. Über die Anteile der einzelnen Energieformen könne er aber nichts sagen.
Mit dieser Antwort war Fischer nicht zufrieden. Diese Fragen müssten geklärt sein, bevor eine Viertelmillion Euro ausgegeben würden. Ihm waren die Annahmen „viel zu optimistisch“. Es sei nicht einmal geschafft worden, in der Stadt Glasfaser zu verlegen. Eine Wärmeplanung sei schwieriger. Wenn sich bei bestimmten Prozessen herausstelle, dass kein wirtschaftliches Ergebnis herauskomme, werde ein Projekt nicht gemacht, versicherte Jäkel.
Heizkosten sollen sinken
Norbert Maier (AfD) meinte, dass sich Bad Liebenzell angesichts seiner Verschuldung ein solches Projekt nicht erlauben könne. Die Stadt müsste vielmehr über den Bauhof nachdenken. Jaqueline Zimmermann, Mitarbeiterin im Bauamt der Stadt, versicherte, dass auch der Bauhof ein Thema sei. Ein Wärmenetz hänge hingegen mit der Schule, dem Freibad und der Sporthalle zusammen. Es gehe darum, dort die Kosten zu senken. Es stelle sich die Frage, ob die Heizung ausfalle oder nicht. Gerade in der Schule müssten langfristig Potenziale gesichert werden. „Die Mission hat auch Bedarf“, gab Zimmermann zu bedenken.
Es geht um Nachhaltigkeit
Daran knüpfte Dietmar Lehmann-Schaufelberger (Grüne) an. Es gehe um Nachhaltigkeit. Er zeigte sich erfreut darüber, auch die Mission mit im Boot zu haben.
Großer Rückhalt
Das Vorhaben gebe Planungssicherheit für 15 bis 20 Jahre, sagte Thomas Haid. Er ist kaufmännischer Geschäftsführer der Liebenzeller Mission. „Wir werden es auf jeden Fall angehen“, versicherte er und sprach von einer Win-Win-Situation. In den Gremien der Mission gebe es für das Projekt großen Rückhalt.
Zurückhaltend war hingegen Thomas Becker (UL). Wegen der Lage komme mitunter keine Sonnenenergie infrage: „Ich bin skeptisch.“ Marco Hofmann (ZBL) geht davon aus, dass Solar keine Rolle spiele. Maier meinte, dass die Mission und die Stadt finanziell unterschiedlich dastünden.
Geringes finanzielles Risiko
Bürgermeister-Stellvertreter Sebastian Kopp sah hingegen nur ein geringes finanzielles Risiko für die Stadt. Die Gespräche mit der Mission seien konstruktiv gewesen. Stadträtin Heeskens erinnerte wie Zimmermann vom Bauamt an die Gefahr kaputter Heizungen.
Das Klima wartet nicht
Felix Eppel (UL) regte eine Verteilung des Risikos zwischen Stadt und Mission im Verhältnis von 50 zu 50 an. Davon hielt Kopp aber nichts und sprach sich für die Beibehaltung des Schlüssels aus. Zudem müsse die Angelegenheit dann wieder zurück in die entsprechenden Gremien der Mission. „Das Klima wartet auch nicht“, gab Kopp zu bedenken.
Beschluss Letztlich beschloss der Gemeinderat mehrheitlich, den mit der Mission gefunden Schlüssel bei der Aufteilung der Kosten für Vorleistungen beizubehalten und eine Vereinbarung mit der Mission zu schließen. Das Gremium erteilte den Auftrag, einen Förderantrag an die BAFA zum Preis von 15 000 Euro netto zu erarbeiten und einzureichen. Für die juristische Beratung werden 10 000 bereitgestellt. Die anfallenden Honorare in Höhe von 25 000 Euro übernimmt zu 63 Prozent die Stadt Bad Liebenzell und zu 37 Prozent die Liebenzeller Mission.