Blockheizkraftwerke, hier ein Modell von Tognum, arbeiten besonders effizient Foto: StN

Grün-Rot will den Energieverbrauch in öffentlichen Gebäuden mit moderner Technik drosseln.

Stuttgart - Grün-Rot will den Energieverbrauch in öffentlichen Gebäuden mit dem Einbau moderner Technik innerhalb weniger Jahre drosseln. Da neue Blockheizkraftwerke, Lüftungsanlagen oder Gebäudeleittechnik eine Menge Geld kosten, hat man im Finanzministerium ein neues Finanzierungsmodell ersonnen: das sogenannte interne Contracting.

Dabei handelt es sich um eine Art verwaltungsinterne Vorfinanzierung. Das Geld stammt aus dem sogenannten Grundstock – ein Topf, aus dem das Land normalerweise Immobilienkäufe bezahlt. „Der Bestand ist so hoch, dass man etwas entnehmen kann“, sagte am Dienstag Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid (SPD).

Zurückbezahlt wird das Geld im Zug der eingesparten Betriebskosten. Dies sei in deutlich kürzerer Zeit möglich als bei Investitionen in eine konventionelle Gebäudedämmung, sagte der Minister. Mit vier Jahren rechnet Schmid zum Beispiel, bis sich der Einbau eines Blockheizkraftwerks in die Universität Konstanz amortisiert hat. Die Investition von 4,4 Millionen Euro bewirke eine jährliche Energieeinsparung von 1,2 Millionen. Die 450.000 Euro teure Energie- und Gebäudetechnik der Hochschule Mannheim soll sich nach sechs Jahren rechnen.

Neues Modell zur Finanzierung

Der Grundstock ist laut Schmid nicht zuletzt deshalb so gut gefüllt, weil das Land die Mittel für die Erweiterung der Landesvertretung in der Rue Belliard in Brüssel bereits berücksichtigt hat. Das Land will das Nachbargebäude der bestehenden Brüsseler Vertretung für drei Millionen Euro vom Auswärtigen Amt kaufen. Mittelfristig sind weitere 17 Millionen Euro an Sanierungsausgaben nötig.

Nach diesem neuen Contracting-Modell will der Bauherr Baden-Württemberg in diesem Jahr insgesamt 22 Baumaßnahmen bezahlen – zum Beispiel die neue Heizzentrale der Stuttgarter Kunstakademie, die neue Beleuchtung und Steuerungstechnik der Hochschule Furtwangen, das neue Blockheizkraftwerk sowie neue Heizungspumpen im Gefängnis Schwäbisch Gmünd und die neue Raumlufttechnik in der Uni Tübingen. Insgesamt sollen 2012 dafür 22 Millionen Euro investiert werden.

Weitere zwölf Millionen Euro will Schmid einer Sanierungsrücklage im Haushalt entnehmen und in die Dämmung von Gebäuden investieren. Auch im normalen Hochbauprogramm seien 35 Millionen Euro für energetische Maßnahmen vorgesehen, so der SPD-Politiker, so dass im Jahr 2012 insgesamt 70 Millionen Euro für diesen Zweck ausgegeben werden könnten.

Runter mit dem Kohlendioxid

Damit will Grün-Rot die Kohlendioxidemissionen des landeseigenen Gebäude bis 2020 um 40 Prozent senken – gemessen am Referenzjahr 1990. Bisher habe die Zielmarke 35 Prozent betragen, sagte Schmid. Landesgebäude tragen zwar nur knapp ein Prozent zu den Kohlendioxidemissionen im Südwesten bei. Dennoch solle das Land Vorbild sein für Bauherren.

Zur Verbesserung der Kohlendioxidbilanz soll nicht zuletzt die Umstellung auf Ökostrom beitragen. Schmid kündigte an, das Land werde bei den Stromlieferungsverträgen stärker auf den Einsatz erneuerbarer Energie achten. Außerdem sollen mehr landeseigene Dächer als bisher zur Stromerzeugung mit Fotovoltaik zur Verfügung gestellt werden.

Neben dem Wärmeverlust durch schlecht gedämmte Wände schlägt offenbar zunehmend auch der Stromverbrauch innerhalb der öffentlichen Gebäude zu Buche. Bei den Hochschulen sind dies zum Beispiel die Labors und die Datenverarbeitungsanlagen.

Die CDU begrüßte Schmids Ideen zur energetischen Sanierung von Landesgebäuden ausdrücklich. „Das zeigt, dass es in Fragen der energetischen Sanierung eine grundsätzliche politische Übereinstimmung gibt“, erklärte ihr energiepolitischer Sprecher Paul Nemeth.

Die energetische Sanierung von Gebäuden sei allerdings nicht nur für Landesgebäude notwendig. Über die wesentlichen Infrastrukturprogramme des Landes müssten zwingend auch Impulse für die Gebäudesanierung im privaten Bereich gegeben werden, so Nemeth. Er schlägt deshalb ein Sofortprogramm vor, das sowohl bei öffentlichen als auch bei privaten Gebäuden wirksame Anreize schafft.

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