Stadtbrandmeister Frank Müller war beim ersten Brand eines größeren Energiespeichers im Kreis Rottweil als leitender Kommandant dabei und berichtet, was es beim Einsatz alles zu beachten gab. Foto: Cornelius Rück

Es gibt immer mehr private Photovoltaik-Anlagen, E-Autos werden immer beliebter. Doch was, wenn ein solcher Akku mal brennt? Stadtbrandmeister Frank Müller erklärt im Interview die Herausforderungen bei Energiespeicherbränden.

Es war eine „Premiere“ der besonderen Art für die Feuerwehr: Vor einigen Wochen brannte der erste Energiespeicher einer Photovoltaikanlage (PV-Anlage) im Kreis. Bis spät in die Nacht waren 65 Feuerwehrkräfte und 14 Fahrzeuge bei diesem besonderen Einsatz in der Breslauer Straße damit beschäftigt den Speicher zuerst zu löschen und dann herunterzukühlen, was eine enorme Rauchentwicklung im Gebäude und der Umgebung zu Folge hatte. Und dieser ist alles andere als harmlos.

 

Wir haben bei Rottweils Stadtbrandmeister Frank Müller nachgefragt, wie sich die Feuerwehr auf solche Brände vorbereitet und was beim Löschen alles zu beachten ist.

Der Brand in der Breslauer Straße war selbst unter Elektrobränden ein besonderer. Warum?

Der Energiespeicher der PV-Anlage war ein sogenannter Lithium-Eisenphosphat-Speicher. Man kennt aus dem Privatbereich die Lithium-Ionen-Akkus, den sie ja in sämtlichen Gerätschaften haben – Handy Laptop, überall – aber dieser jetzt betroffene Speicher ist ein neueres Produkt. Die Familie hat ihn seit März letzten Jahres bei sich verbaut. Diese Bauart galt bisher in der Fachwelt als unproblematisch.

Fachfirma für Reinigung

Als ich nach dem Brand vor Ort war, war eine Schadensbeseitigungsfirma da, die alle Fensterrahmen aus Kunststoff mehrfach abgewaschen hat. Die Rückstände aus diesem Brandrauch bleiben haften und dringen in den Kunststoff ein. Alleine an diesen Maßnahmen sieht man, dass das nicht gesund sein kann. Das sind Atemgifte, die da entstehen. Deswegen werden bei solchen Einsätzen alle Kräfte, die ins Gebäude gehen, immer mit Atemschutz ausgestattet.

Mit dieser speziellen Waschmaschine werden die Atemschutzmasken nach jedem Einsatz gereinigt. Foto: Cornelius Rück

Wie oft ist es bisher zu vergleichbaren Bränden in ihrem Einsatzgebiet gekommen?

Noch nie. Wir hatten noch keinen Brand eines Energiespeichers, zumindest noch nicht in dieser Kompaktheit mit einer PV-Anlage. Vor vielen Jahren hatten wir leider wir im Wohngebiet Siedlung in Rottweil einen Brand von einem Laptop ausgehend. Dieser war über die Nacht zum Laden angeschlossen, damals gab es die Rauchmelderpflicht auch noch nicht. Im Stockwerk darüber waren drei Jungen, zwei sind verstorben, nur einer hat überlebt. Das ist schon ein einschneidender Einsatz gewesen.

Wie empfehlen Sie, technische Geräte mit Akkus im Haushalt zu lagern?

Ich mache es zu Hause so: Da wo ich die Geräte lade, habe ich auch einen Rauchmelder. Dann ist für eine Früherkennung gesorgt. Gegen technische Fehler kann man sich nicht wappnen. Die Feuerwehr empfiehlt außerdem Elektroroller und E-Bike-Akkus nicht im Wohnungsflur oder an der Wohnungstür zu lagern oder zu laden, weil sonst der Rettungsweg sofort blockiert ist.

Müssen die Einsatzkräfte beim Selbstschutz anderes beachten, als bei beispielsweise einem Holzbrand?

Etwas anderes erstmal nicht. Die Leute haben ihre Brandschutzkleidung an, da gibt es eine Norm in Europa, die die Kleidung erfüllen muss. Und natürlich der Atemschutz, wegen der Gefahr der Atemgifte. In unserem Fall haben wir die Einsatzleitung und die Kräfte, die vor dem Haus standen, ein stückweit die Straße herunterbeordert, da es auch um das Gebäude herum diesen typischen, stechenden Geruch gegeben hat.

So viele Atemschutzmasken muss der Gerätewart nach Turmlauf und Brandeinsatz überprüfen. Foto: Cornelius Rück

Außerdem haben wir parallel Einsatzkräfte losgeschickt, um die Nachbarn ringsum darauf hinzuweisen Fenster und Türen zu schließen. Im Sommer, wo jeder seine Fenster aufhat, hatten wir einen Einsatz, bei dem in einer Firma Metallspäne mit starker Rauchentwicklung brannten, da haben wir eine Bevölkerungswarnung über die Warnapps veranlasst. Das geht direkt über die Feuerwehrleitstelle in Reutlingen und über die NINA-App raus.

Was unsere Einsatzkräfte zudem machen müssen, ist die Stromleitungen zu trennen, vom Wechselrichter zum Energiemodul. Da schicken wir aber nur Kräfte rein, die Elektrofachkräfte sind, die sich damit wirklich auskennen. Ich kann nicht jeder Einsatzkraft diese Aufgabe geben.

Ist ein spezielles Training nötig?

Nein. Training nur in dem Sinne, als dass man Fachleute, die sich in der Thematik auskennen, braucht. Da bin ich sehr dankbar, und das ist auch das Gute an der freiwilligen Feuerwehr, dass wir Einsatzkräfte aus unterschiedlichsten beruflichen Bereichen haben und so aus unseren Reihen Fachleute mit entsprechender Qualifikation haben.

Kontakt mit Feuerwehr Freiburg

Unsere Einsatzleitung hat beim Brand in der Breslauer Straße auch Kontakt aufgenommen mit der Berufsfeuerwehr Freiburg, die einen Fachberater für Energiespeicher hat. Und die Feuerwehrwelt ist zum Glück so gut vernetzt, dass wir im Prinzip zu jedem Problem irgendwann eine Lösung kriegen. Und sei es nachts um drei.

Sie sagen es entstehen Gifte beim Brand von Energiespeichern. Diese sind auch im Löschwasser, das abfließt. Wie geht die Feuerwehr damit um?

War wir frühzeitig gemacht haben, war: Wir haben die Kläranlage verständigt. Weil bei herkömmlichen Energiespeichern, also Lithium-Ionen, ist es so, dass sich bei der Vermischung mit dem Löschwasser ein alkalisches Gemisch ergibt, sogenannte Flusssäure. Wir teilen in der Kläranlage mit, welche Wassermengen wir einsetzen, damit dort ankommendes Wasser für eine gewisse Zeit separiert wird.

Mit diesem Gerät prüft der Gerätewart die Atemschutzmasken auf Lecks. Foto: Cornelius Rück

Sie haben jetzt die ganze Zeit vom Löschen mit Wasser geredet. Gibt es auch andere Methoden solche Brände zu löschen und wie sinnvoll sind diese?

Erstmal nicht. Das am besten verfügbare Mittel, ist nun mal das Wasser. Wir müssen damit versuchen, den thermischen Prozess innerhalb des Speichers zum Stehen zu bringen. Und wenn dieser Prozess einmal angelaufen ist, dann geht er weiter, ungehindert. Bei diversen Elektrofahrzeugen ist es ganz extrem. Und wenn die einzelnen Lithium-Ionen-Zellen hochgehen, ist zu hören, dass eine nach der anderen Zelle knallt. Das klingt dann wie Gewehrsalven. So etwas haben wir in Rottweil aber noch nicht erlebt.

Zur Person

Frank Müller
trat mit seinem zwölften Lebensjahr der Jugendfeuerwehr bei. Seit Ende 2014 ist er bei der Stadt Rottweil als hauptamtlicher Kommandant tätig. Zuvor war er 18 Jahre Kommandant der Werkfeuerwehr des Vinzenz-von-Paul-Hospitals, zeitgleich aber immer Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr (FF) Rottweil. Mittlerweile blickt er auf 28 Jahre in Kommandantenverantwortung zurück, die er für die 450 Mitglieder der FF trägt.