An dem mehr als fünf Hektar großen Solarpark, der auf Langenschiltacher Gemarkung entstehen soll, scheiden sich die Geister. Nun entscheidet der Gemeinderat über das weitere Vorgehen bezüglich des Vorhabens, das bei Anwohnern auf Gegenwehr stößt.
Das Projekt sorgte bereits für Wellen, bevor die kommunalen Gremien der Stadt St. Georgen überhaupt Gelegenheit hatten, sich damit auseinandersetzen. Anwohner liefen gegen den geplanten Energiepark Weißershof auf Langenschiltacher Gemarkung Sturm.
Und auch am Freitag war die Stimmung angespannt, die Debatte teils emotional: Gemeinde- und Ortschaftsrat sahen sich zusammen mit Vertretern der Stadtverwaltung, den Gegnern der Photovoltaik-Anlage (PV-Anlage), Grundstückseigentümer Thomas Dold und einem Vertreter des Unternehmens Klarvolt, das als Investor auftritt, vor Ort um.
Das Vorhaben
Bereits seit November 2023 laufen Gespräche mit der Stadtverwaltung über das Vorhaben. Aktuell ist der Sitzungsvorlage für den Gemeinderat zufolge geplant, von den insgesamt zur Verfügung stehenden etwa zehn Hektar Fläche etwa 5,7 Hektar mit einer PV-Anlage zu überplanen. Zunächst waren sieben Hektar vorgesehen. Die Höhe der Anlage variiert von drei bis vier Meter. Sie ist auf eine Leistung von etwa 6800 Kilowatt-Peak (kWp) ausgelegt.
Gebaut werden kann die Anlage jedoch quasi nur, wenn die Stadt einen Bebauungsplan aufstellt. Und genau hier kommen die kommunalen Gremien ins Spiel. Denn der Gemeinderat muss abwägen, was an dieser Stelle Vorrang haben soll: erneuerbare Energien in Form der PV-Anlage oder der Schutz des Landschaftsbilds.
Auch die Potenzialanalyse zum Thema Freiflächen-PV, welche als Entscheidungshilfe dienen soll, sieht diese Abwägung vor. Ein Teil der Fläche, auf welcher der Energiepark entstehen soll, ist darüber hinaus – auch das ist Ergebnis der Potenzialanalyse – mit hohen Restriktionskriterien belegt.
Die Sicht der Befürworter
Thomas Dold sieht in der großflächigen PV-Anlage die einzige Möglichkeit, den Weißershof, den er geerbt hat, wirtschaftlich zu betreiben, schilderte er vor Ort. Eine Bewirtschaftung der etwa zehn Hektar Fläche mit Tieren scheide aus, denn auf die Baugenehmigung für einen entsprechenden Stall habe er keine Chance. „Da sind mir die Hände gebunden.“ Mit dem Vorhaben treibe er erneuerbare Energien voran – „genau das, was die Politik will“, argumentierte er weiter.
Eine weitere Reduktion der Fläche, die mit PV-Modulen belegt wird, sei nicht möglich. Ein erster Investor sei bereits ausgestiegen, weil das Vorhaben ihm aufgrund der kleinen Fläche zu unrentabel geworden sei. In dieses Horn stieß auch Alexander Babioch, Geschäftsführer des Unternehmens Klarvolt, mit dem Dold nun zusammenarbeitet: Die in Langenschiltach geplante PV-Anlage sei im Vergleich ein eher mittelgroßes bis kleines Vorhaben. In der Regel setzten Projektentwickler wie Klarvolt ihm zufolge Vorhaben ab 20 Hektar Fläche aufwärts um.
Die Sicht der Gegner
Den direkten Anwohnern ist die geplante PV-Anlage jedoch ein Dorn im Auge – im wahrsten Sinne des Wortes. In ihrem Empfingen rückt die Anlage nah an die umliegenden Grundstücke heran – auch wenn der vorgeschriebene Abstand von 30 Metern eingehalten wird. Zudem fürchten sie UV-Strahlung, Wärmebelastung und Reflexionen von den Modulen.
Vor allem aber argumentieren sie, dass die Anlage nicht ins Landschaftsbild passt. „Die Betonung liegt auf Schwarzwald“, sagte etwa Gisela Lehmann. „Da frage ich mich schon, wieso muss hier so eine Anlage hin, wenn es auch Stellen gibt, an denen es keinen stört?“ Stören würden die PV-Module aber nicht nur Anwohner, argumentieren diese, sondern auch die Feriengäste, die hierher kommen. „Unsere Gäste lehnen das ab – die kommen wegen der schönen Landschaft her“, argumentierte etwa Annette Lehmann. Sie etwa vermietet vier Tiny Houses – und die Anlage liegt in deren direktem Blickfeld.
Auch die Hochschwarzwald Tourismus GmbH stehe dem Bau des Energieparks aus diesem Grund skeptisch gegenüber, informierte Bürgermeister Michael Rieger.
Die Entscheidung
Wie es in Bezug auf das Vorhaben weitergeht, entscheidet der Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwoch, 22. Januar. Am Dienstag, 21. Januar, wird der Ortschaftsrat Langenschiltach über das Thema sprechen. „Ich habe auch noch keine Ahnung, wie es ausgeht am Mittwoch“, sagte Rieger am Freitag.
Letztlich hat der Gemeinderat laut Sitzungsvorlage zwei Beschlussvorschläge zur Auswahl: Entweder das Gremium beauftragt die Stadtverwaltung, mit dem Vorhabenträger und dem Eigentümer des Energieparks Weißershof einen städtebaulichen Vertrag zu verhandeln ein Ja zur Anlage. Oder der Gemeinderat entschließt sich, „schon jetzt und ohne weitere Prüfung, das Vorhaben abzulehnen“. Die Sitzung beginnt um 17.30 Uhr im Bürgersaal des Roten Löwen.