Dornstettens Energiemanager Thomas Silberhorn berichtete im Gemeinderat über Energiefresser und Einsparpotenziale. Die AfD hätte lieber ganz auf ihn verzichtet.
Vor einem Jahr ist Thomas Silberhorn als Energiemanager bei der Stadt Dornstetten gestartet, jetzt hat er im Gemeinderat berichtet und die Energieleitlinie vorgestellt.
Silberhorns Stelle wird für drei Jahre vom Bund mit 70 Prozent gefördert. Fördergelder gibt es zudem unter anderem für die Messtechnik und Energiemanagementsoftware in der Größenordnung von insgesamt 220 631 Euro.
Er sei Ansprechpartner für die Ingenieure, die Handwerker und die Hausmeister, sagte Silberhorn. Zu seinen Aufgaben gehöre das Riesenprojekt Nahwärme, darüber hinaus seien bisher Themen wie die Trinkwasserhygiene oder die erforderliche Behebung einiger regelungstechnischer und hydraulischer Mängel bei ihm aufgeschlagen. Technische Defekte und Ausfälle habe er ebenfalls analysiert, Energie- und Zählerstrukturen optimiert.
Viele alte Heizungen
Es gehöre auch zu seinen Aufgaben, beispielsweise Verbräuche statistisch zu ermitteln und dem Gemeinderat als Entscheidungsgrundlage zur Verfügung zu stellen. Bei Um- und Neubauten wie der Stadthalle werde er frühzeitig eingebunden, um kosteneffiziente Lösungen zu realisieren.
Anhand einer Übersicht präsentierte Silberhorn die Vielzahl an Heizungen in seinem Zuständigkeitsbereich, von denen der Großteil fossil und älter als 30 Jahre ist. Anhand zahlreicher konkreter Beispiele informierte er über festgestellte Mängel und die konkrete Behebung derselben. Auf Projekte wie eine erforderliche neue Regelungstechnik in der alten Volksbank habe man wegen der Kosten in Anbetracht der kommenden Nahwärme aber auch verzichtet.
Daten der Zähler falsch interpretiert
In einigen Fällen hat der Energiemanager auch den Grund für – vermeintlich – unrealistisch niedrige Stromverbräuche ermittelt. Die Daten der Zähler wurden in diesen Fällen schlichtweg falsch interpretiert. Die Energieverbräuche am Fasnetswochenende in Aach lagen deshalb um ein Vielfaches über dem, was man ursprünglich anhand des falsch interpretierten Zählers vermutet hatte. „Aus 10,08 Euro sind 1076 Euro geworden“, bilanzierte Silberhorn nüchtern.
Bei der Nahwärme können aufgrund der von Silberhorn errechneten Einsparung von 545 kW gegenüber der Ursprungsplanung und der dadurch verringerten Anschlusskosten satte 74 000 Euro – plus 15 000 Euro jährlich an Grundgebühr – gespart werden.
Kritik aus Reihen der AfD
Diese und zahlreiche weitere Beispiele sorgten für viel Lob im Gremium, bewahrten Silberhorn aber nicht vor Kritik aus Reihen der AfD. Eberhard Brett (AfD) war der Meinung, dass sich das ganze Energiemanagement nicht lohnt, wenn es nicht zumindest Einsparungen in der Größenordnung des stattlichen Gehalts bringe, das Silberhorn bezahlt werde. Der solle erst einmal anhand der konkreten Zahlen nachweisen, dass dies auch künftig der Fall sei. „Dieses erste Jahr war in erster Linie auch kein Energieeinsparjahr, sondern eine erste Bestandsaufnahme“, sprang Kämmerer Jochen Köhler dem Energiemanager zur Seite.
Richtig ungehalten wurde Brett nach dem Hinweis von Karlheinz Raisch (Freie Wähler/CDU) auf die dreijährige Förderung von Silberhorns Stelle, die die Kosten für ihn ja auch relativiere. „Ich finde das unverantwortlich und beschämend, dass ein Mann mit Ihrer politischen Erfahrung und ihrem Fachwissen auf diese Förderung verweist, das ist nämlich Geld vom Steuerzahler.“ Das Geld sei rausgeworfen, wenn es an anderer Stelle nicht wieder reinkomme, so Brett.
Leitlinie vorgestellt
Raisch konterte und bat Brett darum zu überlegen, weshalb es diese Fördergelder überhaupt gibt: „Sicher nicht, weil Bund und Land der Meinung sind, sie hätten zu viel Geld übrig.“
Vorgestellt wurde abschließend auch die Leitlinie, die als Arbeitsgrundlage für das Energiemanagement der Stadt Dornstetten dient und im Zertifizierungsprozess gefordert wird.
Beide AfD-Stadträte stimmten gegen den Energiebericht und enthielten sich bei der Abstimmung über die Leitlinie, alle anderen Ratsmitglieder stimmten dafür.