Die 225 Photovoltaikanlagen in Ostelsheim haben eine installierte Leistung von 2,57 Megawatt. Foto: © tl6781 - stock.adobe.com

Neval Aras von Netze BW erklärt im Gemeinderat, wie sich Stromnetz sowie -verbrauch im Ort entwickeln – und wo die Firma investieren will. Außerdem bietet das Unternehmen der Gäugemeinde eine Beteiligung an.

5742 Megawattstunden Strom hat Ostelsheim 2023 verbraucht. Diese Zahl stellte der Regionalmanager der Netze BW im Gemeinderat vor. Der größte Anteil davon entfällt auf die privaten Haushalte, gefolgt vom Gewerbe. Auch für Elektrowärme wird Strom benötigt. Knapp 500 Megawatt brauchten Wärmepumpen 2023, wobei dieser Anteil seit 2021 rückläufig ist.

 

Verbrauch durch E-Autos steigt

Weniger Strom im Langzeitvergleich benötigt auch die Straßenbeleuchtung, was Aras in der Umstellung auf LED-Leuchten begründet sieht. 2023 verbrauchten die Laternen nur noch halb so viel Strom wie vier Jahre zuvor, als es um die 100 Megawattstunden waren. Zum Vergleich: Ein Single-Haushalt verbraucht laue Netze BW etwa eine Megawattstunde pro Jahr.

Ansteigend ist der Stromverbrauch durch E-Autos. 2019 war der noch verschwindend gering. Mittlerweile liegt er bei etwa 50 Megawattstunden. 150 E-Autos gebe es im Ort, so Aras. Dazu kämen noch 49 Plug-in-Hybride. 109 Ladestationen seien in der Gemeinde bei der Netze BW angemeldet. Der Anteil der E-Autos an allen PKW liege bei 10,6 Prozent. Das sei mehr als im Landesschnitt. „Da sind es so fünf Prozent“, erklärte Aras.

Die Ostelsheimer verbrauchen aber nicht nur Strom, sie produzieren ihn auch – und zwar über Photovoltaikanlagen. Die 225 Anlagen hätten eine installiere Leistung von 2,57 Megawatt, erklärte Aras. 1526 Megawattstunden würden so pro Jahr ins Netz eingespeist, was gut einem Viertel des in der Kommune verbrauchten Stroms entspreche.

Die Anmeldung neuer Anlagen sei mittlerweile einfach über das Internet möglich. Die installierte Leistung habe in den vergangenen zehn Jahren erheblich zugenommen und sich fast vervierfacht – und es würde doppelt so viel Strom eingespeist.

Dezentrale Stromerzeugung

Für das Netz berge das Herausforderungen, so Aras. Die Last gehe vom Übertragungsnetz ins Verteilnetz. Früher hätten wenige Kraftwerke viel Strom erzeugt, der dann durch das Übertragungsnetz ins Verteilnetz geflossen sei. Künftig entstehe der Großteil des Strom über Anlagen, die im Verteilnetz sind. Etwa 90 Prozent des Stroms nehmen laut Aras’ Prognose 2045 diesen Weg. Die Entwicklung gehe zu einer dezentralen Energieerzeugung. „Die Energiewende findet in den Kommunen statt. Hier spielt die Musik“, formulierte es Aras.

Das Mittelspannungs- und das Niederspannungsnetz in Ostelsheim seien knapp 55 Kilometer lang. Der größte Teil davon sei unterirdisch verlegt. Es gebe aber noch knapp neun Kilometer an Freileitungen. Die wolle die Netze BW schrittweise abbauen. Denn einerseits seien die Freileitungen bei starken Stürmen in Gefahr. Andererseits würden die Kabel in der Erde mehr Leistung vertragen. Die müssen die Leitungen angesichts der dezentralen Stromerzeugung abkönnnen. Und, so Aras, würden dadurch auch die Dachständer von den Wohnhäusern verschwinden.

Deshalb investiere die NetzeBW in Ostelsheim. 1,7 Millionen Euro seien es seit 2020 gewesen. Seither seien Freileitungen abgebaut, Kabel in der Erde verlegt und neue Umspannstationen gebaut worden, so zum Beispiel in der Bahnhofstraße. Auch in den nächsten beiden Jahren wolle das Unternehmen etwa 925 000 Euro im Ort investieren. 2025 stünden in der Gechinger Straße arbeiten an den Mittel- und Niederspannungsleitungen an, in der Silcherstraße würden die Niederspannungsleitungen verkabelt, im Bereich Mühlweg und Calwer Straße eine neue Umspannstation gebaut. 2026 stehe die Erneuerung der Mittelspannungsleitung in der Goethestraße an.

Beteiligung durch Kommune?

Wie Aras’ Kollege Harald Müller dem Gemeinderat darlegte, könne die Kommune von ihrem Stromnetz finanziell profitieren. Die Netze BW biete den Gemeinden eine Beteiligungsmöglichkeit. Es sei möglich, für fünf Jahre Anteile zu kaufen, die mit etwa 4,4 Prozent verzinst wären. Die Beteiligung könne nach Ablauf der fünf Jahre gekündigt, erhöht oder verringert werden. Für Ostelsheim liege die minimale Beteiligung bei 200 000 Euro, die maximale bei 633 000 Euro.

Etwa 38 Prozent der Konzessionskommunen der Netze BW machten von dem Angebot Gebrauch, darunter zum Beispiel Haiterbach, Rutesheim oder Weil der Stadt. „Wir wollen die Kommunen von Betroffenen zu beteiligten machen“, so Müller. Die Gemeinden könnten dann vom wirtschaftlichen Erfolg der Netze BW profitieren. Der Gemeinderat nahm Müllers Vortrag zur Kenntnis. Besprochen wird eine mögliche Beteiligung in einer der künftigen Sitzungen.