Auf dem Kraftwerksgelände in Wyhlen geht was: Die zweite, deutlich leistungsstärkere Anlage zur Erzeugung von Wasserstoff ist fast fertig.
Mit Blick auf den angepeilten Termin spricht Olaf Schäfer-Welsen, Leiter Wasserstoff-Produktion Hochrhein bei Naturenergie, zunächst von einer „kalten Inbetriebnahme“. Für Ende August, Anfang September peile man den Beginn des Probebetriebs der Elektrolyseanlage („Power-to-gas“) an. Diese soll mit einer Leistung von fünf Kilowatt (kW) deutlich mehr erzeugen als das bestehende Pendant (ein kW Leistung). Bis dato gilt es noch einige Arbeiten zu erledigen. Darunter falle zum Beispiel auch das Thema Lärmschutz, wie Schäfer-Welsen verdeutlicht.
„Zeigen, was geht“
Mit der Elektrolyse von Wasserstoff auf dem eigenen Kraftwerksgelände in Wyhlen will der deutsch-schweizerische Energieversorger sich breiter aufstellen. Auf dem „Campus“ in Wyhlen soll dabei unter anderem getestet und gezeigt werden, „was man machen kann“, wie Schäfer-Welsen sagt.
Hinzu kommen PV-Anlagen. Unter anderem sind die bestehenden Solarmodule auf dem Kraftwerk erneuert worden. Schäfer-Welsen: „Da hat uns der Denkmalschutz auch Auflagen gemacht.“ Die frühere Kohlenschütte, der gemauerte Hang unterhalb der Villa, ist ebenfalls mit PV-Modulen versehen worden. Kommenden Monat soll die neue Zufahrt zum Kraftwerksgelände dem Verkehr übergeben werden, womit die Kraftwerksiedlung entlastet wird.
Wasser statt Kalilauge
Gefragt, wie es um den Kontakt zwischen Naturenergie und der das Wasserstoff-Projekt einst sehr kritisch verfolgende Bürgerinitiative bestellt sei, sagt Schäfer-Welsen: „Es ist ruhig. Der Kontakt ist gut.“
Die bestehende Ein-Kilowatt-Anlage sei derzeit gar nicht in Betrieb. Eine Wiederinbetriebnahme des – nach einer Verpuffung mit Kaliumlauge vor fünf Jahren – beim italienischen Hersteller reparierten Elektrolyseurs stehe aber bevor. Mit diesem kann die vorhandene Anlage 18 Kilogramm Wasserstoff pro Stunde erzeugen. Ziel sei es, mit beiden Anlagen ab Ende des Jahres 90 Kilogramm pro Stunde herstellen zu können, sagt der Leiter der Wasserstoffproduktion von Naturenergie am Hochrhein.
Schäfer-Welsen zufolge dürfte sich eine Verpuffung wie im Jahr 2021 wohl kaum mehr wiederholen. Denn die neue Anlage sei technologisch anders aufgebaut. „Statt Kalilauge haben wir dort nur Wasser“, sagt er. Positiv zu bewerten sei aus Unternehmenssicht die Möglichkeit, mit der neuen Anlage beim Wasserstoff einen wesentlich höheren Reinheitsgrad zu erzielen. Naturenergie peile dafür das RFNBO-Zertifikat an. Die Abkürzung steht für „Renewable Fuel From Biological Origin“, zu deutsch: „Erneuerbarer Treibstoff biologischen Ursprungs“.
Nahwärmenetz in Betrieb
Große Fortschritte macht derweil auch ein anderes Standbein des Unternehmens. So sind erste Teile des mit Abwärme der Kraftwerksturbinen gespeisten neuen Nahwärmenetzes in Betrieb gegangen. Die Leitung dafür wurde im Zuge des Brückenbaus für die im Werden befindliche Umgehungsstraße verlegt und versorgt bereits knapp zehn Mehrfamilienhäuser im ersten Bauabschnitt des Neubaugebiets „Kapellenbach-Ost“ mit Wärme. Die Erschließung im Bauabschnitt zwei ist bereits fertig und in Abschnitt drei großteils erledigt, sagt Schäfer-Welsen. Wenn dort gebaut wird, wäre eine Anbindung ans Nahwärmenetz rasch möglich. „Für den Bauabschnitt drei braucht es dann nur noch Stichleitungen.“ Auch im Engeltal sind einige Gebäude angeschlossen.
Versorgung ist sichergestellt
Die erforderliche Heizzentrale steht auf dem Kraftwerksgelände, dazu zwei Pufferspeicher und ein Hackschnitzel-Heizkessel. Rund 60 Prozent des Bedarfs könnten mit eigener Turbinenabwärme gedeckt werden, sagt Schäfer-Welsen. Weitere 35 Prozent der Wärme wird über Hackschnitzel erzeugt, für fünf Prozent gibt es einen sogenannten Heizstab. „So ist die Versorgung immer gewährleistet“, hält der Fachmann fest.