Im Energiebericht weist die Verwaltung darauf hin, dass die Stadt bei der energetischen Sanierung von Gebäuden eigentlich mehr Tempo bräuchte, wofür aber das Geld fehlt. Ginge man im bisherigen Sanierungstempo weiter voran, wäre dieses Mammutprojekt erst 2075 abgeschlossen (Archivfoto). Foto: Kristoff Meller

Die Stadt Lörrach kommt dem Ziel der Klimaneutralität ab 2040 langsam näher – zu langsam, wie sich zeigt. Dies wurde bei der Vorlage des Energieberichts für das Jahr 2024 deutlich.

Für sich gesehen nimmt sich die städtische Energiebilanz für 2024 ganz ordentlich aus. Bei der Heizenergie sanken die Werte 2024 bereits unter den für diesen Zwischenschritt als Ziel genannten Wert, bei der Wasserversorgung scheint es nach einer zwischenzeitlichen Steigerung wieder nach unten zu gehen, bei den CO2-Emissionen liegt die Stadt auf Kurs des mittelfristigen Zielwerts und auch die Einsparungen dank der energiepolitischen Anstrengungen können sich sehen lassen.

 

Ein Problem: die kommunalen Gebäude

Jedoch gibt es ein großes Aber: Ohne eine deutliche Beschleunigung bei der Sanierung der kommunalen Gebäude wird die Stadt Lörrach – gemeint ist hier die Institution – die Klimaneutralität bis 2040 nicht schaffen. Und: Erst recht ist die Stadt als Ganzes noch weit von der landesweit geforderten Klimaneutralität bis 2040 entfernt.

Energieverbrauch: Anteil städtischer Gebäude gering

Verwaltung und Kommunalpolitik können dabei ohnehin nur bedingt etwas ändern, zum Beispiel durch die Förderung von umweltfreundlichem Verkehr oder mit dem Ausbau des Fernwärmenetzes, sofern dies mit Energie aus regenerativen Quellen gespeist wird. Aber meist beschränkt sich der Einfluss nur darauf, mit gutem Beispiel voranzugehen. Der Anteil der städtischen Gebäude am gesamten Energieverbrauch liegt bei gerade einmal zwei Prozent.

Für den rein kommunalen Bereich gibt der Energiebericht 2024 einige interessante Hinweise. So zeigt sich beim Heizen der städtischen Gebäude, dass der Verbrauch kontinuierlich zurückgeht. Dabei sinkt auch der Anteil von Erdgas deutlich. Jedoch kommt die Stadt beim Einsatz von Biogas nicht recht voran.

Frühere Investitionen sparen heute Kosten

Die gute Nachricht betrifft die Kosten. Zwar muss die Stadt angesichts der gestiegenen Energiepreise wie alle Verbraucher deutlich tiefer in die Tasche greifen. Hätte man aber im zurückliegenden Vierteljahrhundert nichts unternommen, wären pro Jahr 500 000 Euro mehr fällig.

Im Energiebericht weist die Verwaltung darauf hin, dass die Stadt bei der energetischen Sanierung von Gebäuden eigentlich mehr Tempo bräuchte, wofür aber das Geld fehlt. Ginge man im bisherigen Sanierungstempo weiter voran, wäre dieses Mammutprojekt erst 2075 abgeschlossen. Besonders dringlich ist die Lage beim Rathaus, bei der Neumattschule und beim Hans-Thoma-Gymnasium.

Digitalisierung erhöht den Strombedarf

Beim Stromverbrauch gehen die Kurven nicht nach unten. Dies lässt sich unter anderem mit dem zusätzlichen Strombedarf im Zusammenhang mit der Digitalisierung erklären. In 2024 ging der Verbrauch im Vergleich zum Vorjahr um vier Prozent nach oben. Die Grünen fordern deshalb, einen Strombilanzkreis zu installieren, bei dem die Stadt den selbst produzierten Strom auch selbst nutzen kann. Wie Fachbereichsleiterin Britta Staub-Abt sagte, prüfe die Stadt bereits jetzt bei jeder Solaranlage die direkte Eigennutzung des Stroms.

Insgesamt finden es die Grünen gut, dass die Stadt ambitionierte Ziele verfolgt. „Aber wir müssen schneller werden – mit Geld, das wir nicht haben“, sagte Aaron Hohenfeld für die Fraktion. Christiane Cyperrek (SPD) sagte, es stelle sich weiter die Frage, wie Lörrach schneller vorankomme. Matthias Lindemer wies darauf hin, dass allein mit Maßnahmen wie dem Ausbau des Wärmenetzes nichts gewonnen sei. Es komme vielmehr darauf an, womit diese Energie produziert werde.

Bürgermeisterin Monika Neuhöfer-Avdic kommentierte, Lörrach sei gut unterwegs. In Zeiten knapper Kassen werde es wichtiger, „mit wenig viel zu erreichen.“