Der Kindergarten in Mariazell verbraucht viel Energie, weil er schlecht gedämmt und mit Strom beheizt ist. Foto: Herzog

Das ist happig: Die Gemeinde wird 2023 rund 112 000 Euro mehr für Energie bezahlen müssen als dieses Jahr. Statt circa 80 000 Euro sind dann rund 192 000 Euro fällig. Eine richtige "Energieschleuder" ist der Kindergarten Mariazell.

Eschbronn - Bürgermeister Franz Moser hat dem Gemeinderat jetzt ein Energiespar-Konzept vorgelegt. Der erwartete Energieverbrauch wurde mit aktuellen Preisen berechnet. Denn derzeit sei noch nicht klar, wie Preisbremsen sich für Gemeinden auswirken.

Er erwarte, dass kommunale Einrichtungen ähnlich stark genutzt werden wie vor Corona. Die Gemeinde gehe daher von Mehrkosten in Höhe von rund 74 000 Euro beim Strom, 14 000 Euro beim Gas und knapp 16 000 Euro beim Heizöl aus. Teurer werden auch die Pellets für die Heizung der sanierten Grundschule in Mariazell. Dort habe sich der Preis von 220 Euro pro Tonne in 2020 auf 715 Euro "drastisch erhöht". Dort erwartet Moser Mehrausgaben von 8100 Euro. Unterm Strich stehe somit eine Summe von 112 000 Euro für das nächste Jahr, die die Gemeinde zusätzlich zu den bisherigen 80 000 Euro an Energiekosten schultern müsse.

Straßenlampen leuchten weniger

Die Energiekrise sorge nicht nur für Probleme bei der Verfügbarkeit, "sondern erschwert auch die Finanzierbarkeit unseres kommunalen Haushalts", beklagte der Bürgermeister. Deshalb müsse das Energiesparen "oberste Priorität" haben. Obwohl die Straßenbeleuchtung in Eschbronn seit 2015 auf LED umgestellt wurde, könnten rund 5000 Euro (rund 20 Prozent) gespart werden, wenn die Leuchten täglich eine Stunde weniger brennen. Nur jede zweite Lampe oder ganze Straßenzüge auszuschalten, sei technisch nicht möglich. Der Kirchturm Mariazell sei seit September nicht mehr beleuchtet. Die Weihnachtsbäume in Locherhof und Mariazell sollen nur an Wochenenden, Feiertagen und zu besonderen Anlässen wie dem Weihnachtsmarkt erstrahlen.

Im Rathaus würden die gesetzlichen Vorgaben umgesetzt. Rainer Scheck forderte, die geplante Schließung ab Heiligabend bis Dreikönig auszuweiten.

Sporthallen bleiben kühl

In den Turn- und Sporthallen sollen je nach Veranstaltung Temperaturen zwischen 16 und 18 Grad Celsius herrschen. Die Warmwassertemperatur der Duschen wird so weit gesenkt, dass keine Legionellen-Gefahr besteht. Sollte sich die Energiekrise weiter verschärfen, werden die Duschen gesperrt, kündigte Moser an.

Kindergarten als Energiefresser

Großes Einsparpotenzial sieht Moser beim Kindergartengebäude in Mariazell. Dort werde mit Elektro-Speicheröfen geheizt, die überalterte Technik funktioniere kaum noch und eine Dämmung sei nicht vorhanden. Eine Umrüstung auf Gas wäre "ein immensen Aufwand". Andererseits werde in absehbarer Zeit beabsichtigt, das Gebäude aufzugeben. Die Kinderbetreuung der Gemeinde soll in Locherhof konzentriert werden. Weil die Stromkosten vermutlich von 8600 Euro auf 26 400 Euro im Jahr stiegen, überprüfe ein Fachbüro, wie kurzfristig Abhilfe geschaffen werden könne. Dafür sei eine Förderung beantragt worden, informierte Moser. Ulrich Lägelers Vorschlag, den Kindergartenbetrieb ins Gemeindezentrum zu verlegen, erteilte Moser eine Absage: "Die Räume sind dafür zu klein, und es braucht eine Betriebserlaubnis. Das kann ein halbes Jahr dauern."

Stufenplan für Krise

Der Eschbronner Krisenbewältigungsplan enthält drei Aktionsstufen, stellte Moser vor. In Stufe 1 werden bei Außentemperaturen von mehr als fünf Grad Celsius unter anderem Wärmeerzeuger in Räumen ohne Daueraufenthalt ausgeschaltet. Sie ist bereits umgesetzt. In Stufe 2 darf es in Büros maximal 18 Grad warm werden, Homeoffice soll umgesetzt werden, wenn die Bundesregierung die Notfallstufe Gas ausruft. Wird die Gasversorgung eingestellt, tritt Stufe 3 in Kraft, bei der nicht lebenswichtige Liegenschaften auf Frostschutz gestellt werden.

Sämtliche vorgeschlagenen Energiesparmaßnahmen sowie der Krisenbewältigungsplan befürwortete der Gemeinderat einstimmig.