Die Netze BW hat in Althengstett seit 2020 fast fünf Millionen ins Stromnetz investiert. Und es geht weiter. Anders als erwartet ist eine Entwicklung bei den Gasanschlüssen.
Mitarbeiter der Netze BW informierten in der jüngsten Sitzung des Althengstetter Gemeinderats über das Gas- und Stromnetz in Althengstett mit seinen Ortsteilen sowie über bisherige und künftig notwendige Investitionen und kommende Herausforderungen.
Der Regionalmanager Neval Aras unterbreitete den Räten zunächst die Kennzahlen des 170 Kilometer langen Stromnetzes sowie des knapp 39 Kilometer langen Gasnetzes.
„Beim Gas hat mich überrascht, dass hier von 2022 bis 2024 zweieinhalb Kilometer Netz und zwölf neue Anschlüsse zugebaut wurden“, sagte Aras, obwohl in der Zeit schon vom Ende der Gasheizungen gesprochen wurde.
Netze BW: Versorgung mit Strom und Gas ist sicher
Die Versorgungssicherheit in beiden Netzen sei gewährleistet. Sicher überraschend für die Zuhörer sei, dass es bei 41 Prozent der Störungen im Stromnetz keine erkennbare Ursache gebe, 16 Prozent sind atmosphärischen Störungen zuzuordnen und 13 Prozent werden bei Erdarbeiten und durch Bagger verursacht.
Deutschland habe eine sichere Stromversorgung, so Aras. „Mit durchschnittlich 12,8 Minuten Ausfallzeit im Jahr liegen wir deutlich unter Werten von Nachbarstaaten wie Österreich mit 32,3 Minuten oder Frankreich mit 56 Minuten.“ Von Unterbrechungen beim Gas merke der Kunde so gut wie gar nichts.
Netze BW hat Millionen ins Stromnetz investiert
Von 2020 bis 2024 hat der Netzbetreiber Netze BW 4,906 Millionen Euro ins Stromnetz im gesamten Ort investiert. Neben Erneuerungsmaßnahmen wurde das Baugebiet Brunnenstraße erschlossen.
Sogenannte FFU-Umspannstationen, die fernsteuerbar und fernwirkbar sind, helfen das Netz sichtbarer zu machen und erlauben Zugriffe der Leitstelle, wodurch Störungen schneller behoben werden können.
Bis 2027 sind weitere Investitionen für 2,78 Millionen Euro bereits angelaufen und noch geplant. Auch ins Gasnetz wurde investiert, von 2020 bis 2024 rund zwei Millionen Euro. Einen Blick nach vorne gebe es hier nicht, man reagiere auf Anfragen. Der Gasverbrauch ist rückläufig, 2024 wurden 17 665 MWh verbraucht.
So viele reine E-Autos waren im Juli in Althengstett angemeldet
Etwas Statistik zu erneuerbarer Energie hatte Aras auch dabei. Stand 2024 waren im Ort 886 Anlagen installiert, davon 812 PV-Anlagen, mit einer Gesamtleistung von 10,74 Megawatt (MW), die knapp 7050 Megawattstunden (MWh) ins Stromnetz einspeisten, das sind 32,3 Prozent des Gesamtverbrauchs von 21 823 MWh.
Im Juli 2025 waren 350 reine E-Autos und 159 Hybridfahrzeuge im Ortsgebiet angemeldet und 255 Ladestationen mit einer Gesamtleistung von 3204 Kilowatt kW installiert.
Die Energie- und Infrastrukturwende findet in jeder Kommune, in jedem Unternehmen und in jedem Haushalt statt, blickte Aras auf die Herausforderungen in der Zukunft. Ein hoher Investitionsbedarf bis 2045 betreffe alle Gemeinden und Netzbetreiber.
Baden-Württemberg will bis 2040 klimaneutral sein. Ab diesem Zeitpunkt soll die Erdgasversorgung auf die flächendeckende Versorgung mit Wasserstoff umgestellt werden. Aras berichtete von einem Pilotprojekt in Öhringen, das im vergangenen Winter mit 100 Prozent Wasserstoff störungsfrei funktioniert habe.
Was, wenn immer mehr Wärmepumpen kommen?
Wenn sich immer mehr Gaskunden für eine Wärmepumpe (WP) entscheiden, gehen sie vom Gasnetz. Welche Auswirkungen das für Netze BW, für die übrigen Gaskunden und für die Gemeinden im Verwaltungsverband hat, wollte Lothar Kante (SPD) von Aras wissen.
Für die verbleibenden Kunden werde es dadurch teurer, so der Regionalmanager, aber es sei eine Spekulation in die Zukunft, zu der er nicht viel sagen könne, nur so viel: Der Netzbetreiber sollte in die kommunale Wärmeplanung, die bis Mitte 2028 erstellt werden muss, einbezogen werden. Harald Müller, bei Netze BW zuständig für die Kommunalen Beziehungen, war in der Sitzung ebenfalls anwesend. Er sagte: „Wir sind mit der Verwaltung schon im Austausch dafür.“
Immer mehr Wallboxen: Was sind die Folgen?
Martin Wünsche (CDU) thematisierte den Zuwachs von E-Autos und Wallboxen sowie Eingriffe des Versorgers und dadurch temporäre Reduzierungen der Ladeleistung. Er fragte, wie der Versorger sicherstelle, „dass wir auch in zehn oder 15 Jahren noch die Versorgungssicherheit wie heute haben?“
In der alten Welt musste eine Netzprüfung stattfinden, sagte Aras, erst dann gab es das Ok für die Wallbox. Jetzt schreibe der Gesetzgeber vor, dass Anlagen sofort ans Netz gehen dürfen, wenn sie regelbar sind. Bei Neubaugebieten gibt es Quoten, da werde das Netz größer ausgelegt. „Im vorhandenen Netz dürfen wir nicht im vorauseilenden Gehorsam ausbauen, verstärken dürfen wir erst bei konkretem Bedarf.“
Bis 2050 werde sich das Netz verdoppeln, machte er deutlich, und es werde intelligenter, Autobatterien würden als Speicher genutzt. Es gebe eine Flut an Anfragen für Speicher, sie sollten jedoch auch netzdienlich sein, „die meisten sind es nicht. Bei Speicheranfragen müssen wir immer doppelt rechnen, die Einspeisung und das Abziehen von Leistung.“
„Mich freuen besonders Ihre Aussagen zu den Ausfallzeiten und der Versorgungssicherheit beim Strom“, sagte Philipp Jourdan (Grüne). Er fühle sich bei Netze BW gut versorgt. Er warb bei den Kollegen für die „echt interessanten großen Kommunaltage“ der GmbH, der nächste findet im Oktober 2026 statt.