Matthias Dobbrunz und Jochen Hörer sind die Gründer von comi energy. Foto: Benjamin Roth

Im ehemaligen Amalon-Gebäude in Ebingen ist die technische Inbetriebnahme des ersten Albstädter Großbatteriespeichers gefeiert worden.

Mit der technischen Inbetriebnahme ihres Großbatteriespeichers hat die comi energy GmbH einen weiteren Meilenstein erreicht. Die Gründer und Geschäftsführer Matthias Dobbrunz und Jochen Hörer haben in der Rekordzeit von rund zehn Monaten einen Stromspeicher mit einer Speicherkapazität von 6,2 Megawattstunden und einer Leistung von zwei Megawatt im ehemaligen Amalon-Gebäude in der Ebinger Schmiecha-Straße aufgebaut.

 

Dieser, so die Vision der Gründer, soll seinen dazu beitragen, die Stromversorgung in Zeiten der Spitzenauslastung stabiler zu machen. Mit ihrem ersten Großprojekt wollen Hörer und Dobbrunz zeigen, wie die Weichen für eine erfolgreiche Energiewende gestellt werden. Denn: Bekanntlich ist eine Schwäche der Erneuerbaren Energien, dass diese nicht stetig Strom erzeugen. Nachts werden beispielsweise Photovoltaikanlagen nicht von der Sonne gefüttert; während einer Windflaute stehen Windräder still.

Der erste Großbatteriespeicher Albstadts ließ die geladenen Gäste um OB Roland Tralmer (Mitte) und Landrat Günther-Martin Pauli (rechts) applaudieren. Foto: Roth

Diese Volatilität in der Stromerzeugung führt zu Netzengpässen beziehungsweise Überlastungen; Netzbetreiber müssen in der Folge Gas- und Kohlekraftwerke zum Ausgleich häufig hoch- und runterfahren, was wiederum ineffizient und teuer ist. Eine Lösung: Den produzierten Strom in Batteriespeichern parken und dann abrufen, sobald er benötigt wird. Dieses System funktioniert jedoch nur, wenn genügend Speicher zur Verfügung stehen.

Nach diesem Prinzip arbeitet auch die comi energy GmbH im ehemaligen Amalon-Gebäude. Wirtschaftlich rechnet sich das Konzept, weil der Strom zu Tageszeiten eingekauft wird, wenn er günstig ist und wieder verkauft wird, sobald die Nachfrage steigt. Ein- und Verkauf werden von einem Algorithmus gesteuert. Zwei Mal pro Tag wird der Speicher aufgeladen und wieder entladen.

„Ihre Investition beweist Mut und Weitsicht zugleich“

Die Technik hinter den 312 Speicherblöcken samt Wechselrichtern, Transformator und Einspeisung ins Albstädter Stromnetz haben Matthias Dobbrunz und Jochen Hörer am Mittwoch geladenen Gästen erklärt. Auch Albstadts Oberbürgermeister Roland Tralmer und Landrat Günther-Martin Pauli zeigten sich von dem Vorzeigeprojekt beeindruckt. „Ihre Investition beweist Mut und Weitsicht zugleich“, lobte Tralmer. Er sprach von „einem Meilenstein“ auf dem Weg in die Zukunft. Besonders freue ihn, dass die Initiative für den Großspeicher aus einem Albstädter Handwerksbetrieb hervorgehe.

Denn: Dobbrunz ist nicht nur Geschäftsführer der comi energy GmbH sondern auch Geschäftsführer der Albstädter HET Haus- und Energietechnik GmbH. Auch Hörer, wohnhaft in Rottenburg, hat neben dem Aufbau des Batteriespeichers Vollzeit gearbeitet. Die Familie habe in den vergangenen Monaten zurückstecken müssen. Daher galt bei den jüngsten Feierlichkeiten auch Frau und Kindern ein Dank für deren Rückhalt.

Blick auf die Speicherelemente im ehemaligen Amalon-Gebäude Foto: Roth

Dass bei der Installation des Großspeichers durchaus Hürden zu bewältigen waren, machten die Gründer in ihren einführenden Worten deutlich. Erste Herausforderung: ein passender Standort. Batteriespeicher sind schwer; Vorbehalte hinsichtlich des Brandschutzes halten sich hartnäckig. Doch: Bei der Firma Karl Conzelmann, der das Gebäude gehört, habe man mit der Idee offene Türen eingerannt. Die Win-Win-Situation: Ein leerstehender Gebäudeteil wurde reaktiviert; gleichzeitig war die Infrastruktur an Stromtrassen für den Speicher in der ehemaligen Färberei weitgehend vorhanden. Sprich: keine weitere Flächenversiegelung nötig und dazu hochgradig netzdienlich, was die ökologische Note des Projekts zusätzlich glänzen lässt.

Vor-Ort-Termine hätten zudem Stadtbrandmeister und Feuerwehr überzeugt; Experten für die Mittelspannungstechnik waren mit dem Reutlinger Betrieb EET mit an Bord. Auch die Stadt und ihre Einrichtungen hätten geholfen, wo es nur möglich war.

Bleibt noch die Frage, wo eine solch große Batterie gekauft werden kann? Im hiesigen Baumarkt jedenfalls nicht, wie Hörer schmunzelnd erklärte. Stattdessen haben sich die Gründer auf die Reise nach China begeben und dort einen Lieferanten ausfindig gemacht. An Dreikönig sei schließlich ein großer Container vor dem Gebäude abgeladen worden.

Doch damit nicht genug: Schließlich müssen die Daten zu Temperatur und Speicherstand der Batterieelemente rund um die Uhr überwacht werden. Diese Daten werden in einer von den Gründern entwickelten Cloud gespeichert. Heißt: Niemand hat Zugriff auf die Daten, bis auf Hörer und Dobbrunz selbst. Nicht zuletzt mussten die Geschäftsführer von comi energy eine Vielzahl an Versicherungen abschließen. Nun stehen noch einzelne Zertifizierungen aus, ehe comi energy mit dem Stromhandel im Amalon-Gebäude vollends durchstarten kann.