Lokale Investoren wollen auf einer Fläche von sechs Hektar einen Solarpark nördlich von Lombach errichten. (Symbolfoto) Foto: Stephan Leyk – stock.adobe.com

Nördlich von Lombach gedenkt eine Investorfamilie einen sechs Hektar großen Solarpark zu bauen. Jüngst beschäftigte sich auch der Loßburger Gemeinderat mit dem Thema. Eine strittige Debatte entwickelte sich um die Pro- und Kontraargumente.

Loßburg - Kernkraft wird in Deutschland gerade abgeschafft, Braunkohle- und Gaskraftwerke in den nächsten Jahren ebenfalls. Damit werden ein bis zwei Drittel der aktuellen Energiegewinnungsmöglichkeiten wegfallen. "Aber die Energie muss ja irgendwo herkommen", gibt Wolfgang Vetter von Vesofast zu bedenken. Sein Unternehmen beschäftigt sich mit der Planung und Umsetzung von Photovoltaikanlagen. "Es ist absehbar, dass wir durch den Ausbau des 5-G-Netzes und durch die Elektromobilität zukünftig deutlich mehr Strom brauchen. Aber in Deutschland wurde 2020 schon weniger produziert als verbraucht. Wir sind beim Strom noch immer Importeure." Es bleibe also nichts als die Energiewende schleunigst voranzubringen.

Einen Schritt in diese Richtung will die Investorfamilie Burkhardt aus Loßburg tun. Ihr gehören landwirtschaftliche Flächen nördlich von Lombach, auf der sie nun einen Solarpark errichten will. Auf insgesamt sechs Hektar großen Flächen – das ist in etwa so viel wie acht Fußballfelder – könnten mithilfe der Sonnenenergie jährlich etwa 6,6 Millionen Kilowatt Strom produziert und damit rund 1650 Haushalte versorgt werden. "Bisher haben wir auf den Flächen Getreide, Mais und Früchte angebaut", erklärt Stefan Burkhardt. "Aber weil wir diese Flächen nicht dringend für die Landwirtschaft brauchen, haben wir uns überlegt, was wir damit sonst noch sinnvolles anfangen könnten."

Module fangen Licht von beiden Seiten auf

Die Suche nach dem richtigen Platz habe sich unterdessen nicht einfach gestaltet. Es müsse ein Netzpunkt in der Nähe sein, außerdem müsse die Sonneneinstrahlung stimmen und es dürfe aus Naturschutzgründen keine ökologisch wertvolle Fläche sein. In Frage kamen am Ende die Flurstücke nördlich von Lombach.

Prognosen zeigen, dass die Solarkraft bis 2050 der am stärksten wachsende Energieträger sei, so Vetter. Außerdem gehöre der Solarstrom zu den günstigsten Stromarten. Solaranlagen seien – einmal aufgebaut – kostengünstig in Unterhaltung und Wartung.

Der Solarpark in Lombach soll mit knapp 14 000 Doppelglasmodulen bestückt werden. Das Besondere ist, dass die Module zwischen zwei Glasscheiben angeordnet sind. Auf eine Folie auf der Unterseite wird verzichtet. Diese Solarmodule fangen die Sonnenenergie von beiden Seiten auf, indem sie das Streulicht nutzen. "Streulicht ist immer überall", erklärt Vetter. "Da ist es sogar besser, wenn es keine direkte Sonneneinstrahlung gibt. Besonders effektiv sind sie, wenn zum Beispiel Schnee liegt, der von unten noch reflektiert." Ein weiterer Vorteil sei die Langlebigkeit dieser Solarzellen. 30 Jahre halten sie laut Vetter mindestens.

Das wichtigste Pro-Argument für das Vorhaben sei der Beitrag zur Klimaneutralität der Gemeinde. "Die Stromwende muss kommen", richtet Bürgermeister Enderle das Wort an den Rat. "Andere Kommunen sagen: ›Ja, Solarparks müssen gebaut werden, aber bitte nicht bei uns.‹ Heute wollen wir ein Stimmungsbild einfangen, ob sich der Loßburger Gemeinderat dieser gesellschaftlichen Aufgabe stellen will oder ob er den einfachen Weg nimmt." Wenn sich das Gremium dafür ausspreche, müssen Kriterien festgelegt werden, wie viel Ausbau vertretbar sei, wo und auf welchen Böden.

Schafe sollen weiden und Insekten summen

Diesen Aspekt greift Gottlob Huß (BL) auf. "Wir müssen nicht nur Strom produzieren, sondern auch Lebensmittel. Wenn wir landwirtschaftlichen Boden für die Stromproduktion opfern, müssen die Landwirte die übrigen Flächen umso intensiver bewirtschaften. Sie müssen mehr Dünger und Pflanzenschutz betreiben, was alles andere als klimafreundlich ist. Wir erreichen damit genau das Gegenteil von dem, was wir wollen. Unsere Landwirtschaft kann das nicht vertragen."

Die Investoren bewirtschaften die Flächen aktuell selbst, wirft der Bürgermeister ein. Es werde also niemandem etwas weggenommen. "Wir fangen ja jetzt nicht an, alle Flächen der Landwirtschaft zu entziehen."

Auch sei es nicht so, dass die Fläche auf keine Weise mehr nutzbar sei, so Vetter. "Dort ist eine Schafbeweidung angedacht und es könnten Blumenwiesen für Insekten angelegt werden." Ein Blick ins energiepolitische Gutachten von Wilhelm Stein von "Stein Engineering & Consulting" verrät außerdem: "Momentan werden auf 7,5 Prozent der Fläche von Deutschland und damit 15 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen keine Lebensmittel, sondern Energiepflanzen angebaut (Raps, Biomais). Diese werden in sogenannten Biokraftstoff- oder in Biogasanlagen verwertet. Die Energieeffizienz bei diesen Verfahren ist aber extrem niedrig. So würde eine PV-Freiflächenanlage auf der gleichen Fläche 30 Mal mehr Energie erzeugen."

"Wir sollten schauen, dass die Landwirte hier bleiben", gibt Beate Beilharz (SPD/Grüne) zu bedenken. "Und das können sie nur, wenn Flächen zur Bewirtschaftung zur Verfügung stehen." Sie erinnert daran, dass es in Betzweiler bereits eine Solaranlage gibt, die sehr umstritten gewesen sei. "Kann man die nicht einfach erweitern?"

Vetter verneint. Der Betreiber dürfe gesetzlich über 20 Jahre nichts an der Anlage verändern.

Eine blaue, blendende Fläche?

Es gebe aber noch andere Punkte zu bedenken. "Wir haben dann natürlich diese blaue Fläche", meint Bürgermeister Enderle. Die könne man als optische Beeinträchtigung empfinden. "Aber von Hausdächern kennt man den Anblick ja schon. Es kommt immer darauf an, woran man sich gewöhnen kann." Natürlich führe ein Solarpark zu einer optischen Veränderung, so Burkhardt auf Nachfrage. Aber andererseits wolle auch niemand Kernenergie. "Wenn wir die Energiewende wollen, müssen wir uns auch mit anderen Veränderungen anfreunden."

In der anschließenden Abstimmung spricht sich der Rat mehrheitlich für die Solaranlage aus. Mit einer Enthaltung beauftragt das Gremium die Verwaltung, die Flächenphotovotaik auf der Gemeindegemarkung weiter voranzubringen. Die Einleitung des Verfahrens zur Realisierung der Anlage in Lombach auf Kosten der Investoren befürwortet das Gremium.

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