Walter Saar, Technischer Leiter bei den Stadtwerken Nagold, in einem der Rohre, die im Zuge des Gesamtprojekts verlegt werden. Foto: Bernklau

Es ist nach der Zellerschule aufwendigste Projekt in Nagold: das zukunftsweisende Wasser- und Energieprojekt rund um den Stadtpark im Kleb. Doch was passiert dort ganz konkret?

Da haben sich die Stadt und die Stadtwerke Nagold schon was vorgenommen, darüber ist sich Walter Saar, Technischer Leiter bei den Stadtwerken, schon im Klaren. „In der Komplexität macht das sonst nur noch Stuttgart“, weiß der Mann von den Stadtwerken. Denn das, was als ein einziges Projekt daher kommt, besteht eigentlich aus drei ambitionierten Einzelvorhaben.

 

Das erste Vorhaben trägt den Namen Düker, was erst einmal nichts anderes bedeutet als „Taucher“. Vereinfacht gesprochen ist das eine Unterführung unter der Nagold hindurch. Der Tunnel, der die Nagold unterqueren soll, wird einen Durchmesser von 3,2 Metern haben. In dem Tunnel sollen unterschiedlichste Leitungen verbaut werden, darunter auch Abwasserleitungen mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern und 80 Zentimetern. Das schmalere Rohr wird im Betrieb immer komplett mit Abwasser gefüllt sein, das breitere nur im Fall von Starkregen. In dem gefüllten Rohr, das ein Gefälle von zwei Prozent haben soll, baut sich ein Druck auf, der Richtung Kleb wirkt und so stark ist, dass das Wasser bis zum Nagolder Klärwerk fließen kann.

Auf Klebseite entsteht erst einmal ein riesiges Loch

Doch der Düker kann noch viel mehr. Denn die Kanalrohre sind doppelwandig und mit einem Wärmetauscher ausgestattet. Und mit dem wird dem Abwasser aus Häusern und aus der Kanalisation Wärme entzogen, die man nutzbar machen kann.

Die Baustelle zieht sich vom Spielplatz im Kleb (rechts unten) bis zum Krautbühl auf der anderen Nagoldseite. Foto: Florian Schmidt

Für den Düker sind allerdings umfangreiche Erdbewegungen und Bauarbeiten nötig: Auf Klebseite wird zunächst einmal ein riesiges Loch entstehen: zehn Meter tief, sechs Meter breit und 20 Meter lang, dazu noch die eigentliche ca. 40 Meter lange Nagold-Unterquerung.

Wärmezentrale und der Düker müssen besonders beschützt werden

Auf der Klebseite entsteht dann auch noch die Schaltzentrale für das ganze Projekt, die so genannte „Wärmezentrale“, die über ein Schachtbauwerk zugänglich sein wird, und in der die in dem Gesamtprojekt gewonnene Energie gesammelt und dann auch verteilt wird. Und die Wärmezentrale und der Düker müssen besonders beschützt werden: „Die müssen trocken bleiben und müssen deshalb hochwassersicher sein“, erklärt Walter Saar.

Zweites Energiestandbein wird die Geothermie (Erdwärme) sein, da habe man in Nagold ein wirklich großes Potenzial, weiß der Experte. So wird die komplette Klebwiese für Geothermie genutzt. In einer Tiefe von etwa einem Meter unter der Oberfläche werden Geothermiematten verlegt, die dem Boden seine Wärmeenergie entziehen sollen, die dann auch in die „Wärmezentrale“ fließen soll.

Primärer Abnehmer der Energie soll der Nagolder Badepark werden

Aber es wird auch fast schon klassische „Tiefbohrungen“ für die Nutzung von Erdwärme geben. So soll es vor allem auf der Krautbühl-Seite der Nagold im Abstand von etwa acht Metern Bohrungen bis in eine Tiefe von 200 Metern geben, so Saar im Gespräch mit der Redaktion.

Auch am Spielplatzhügel entstanden bereits Bauwerke für das Düker-Projekt. Foto: Bernklau

Auch die Erträge aus diesen Tiefbohrungen werden dann zu der noch zu bauenden Wärmezentrale transportiert und von dort aus zu den Abnehmern weitergeleitet. Primärer Abnehmer der Energie soll der Nagolder Badepark werden, aber auch das Martha-Maria-Heim ist als Abnehmer im Gespräch. „Doch fix ist da noch gar nichts“, betont Walter Saar. Bei dem Projekt sei einiges im Fluss, auch was die Nutzer der Wärme angeht.

2027 soll der Gesamtkomplex voraussichtlich in Betrieb gehen

Einen groben Zeitplan gibt es für das anspruchsvolle Projekt – und bis dato ist man gut im Plan. Nach der Sommerpause, in der der Stadtpark Kleb genutzt werden soll, ist im Herbst der Bau des Dükers an der Reihe, gefolgt von der Wärmezentrale im Kleb und der Flussunterquerung.

All das soll im Frühjahr 2026 fertig sein. Dann folgen im Jahr 2026 noch die Tiefbohrungen auf der Krautbühlseite. Einen genauen Fertigstellungstermin zu nennen, fällt Walter Saar in diesem recht frühen Stadium des Projekts noch schwer. Aber er rechnet mit einem Start der Wärmenutzung rund um den Kleb im Jahr 2027 – vorausgesetzt, alle Arbeiten laufen, wie bisher, reibungslos und im Plan.