Der Ausbau der Heliosarena in Schwenningen geht weiter. Dadurch soll sich die finanzielle Situation der Kunsteisbahn GmbH schrittweise verbessern. Wie ist das möglich?
Es gab Zeiten, da wollten die Grünen im Gemeinderat nichts lieber, als das Schwenninger Eisstadion am Bauchenberg dicht machen: zu teuer im Unterhalt, zu hohe Energieverbrauch. Doch das ist endgültig vorbei, seit die Helios-Arena zum Kraftwerk werden soll.
Im Aufsichtsrat der Kunsteisbahn GmbH (KEB), der städtischen Tochter, die Sportstätte betreibt, sind Streitereien im Angesicht roter Zahlen seit Jahrzehnten an der Tagesordnung. Im Hintergrund stand stets die Frage, was der Stadt erstklassiger Eissport wert ist; ohne kommunale Zuschüsse lässt sich ein solches Stadion eben nicht betreiben.
Finanzen konsolidiert
Nachdem die Finanzwirtschaft noch in der Ära Gebauer aus dem Ruder gelaufen war – man hatte Ausgaben über teure Kontokorrentkredite zwischenfinanziert – ist die KEB längst in eine Phase der Konsolidierung eingetreten, wobei ein dickes jährliches Minus in der Bilanz freilich zur Normalität geworden ist. Man hat akzeptieren gelernt, dass die Kunsteisbahn am Tropf der Stadt hängt.
Seit geraumer Zeit allerdings weiß man: Aus dem Eisstadion lässt sich was machen – ein Kraftwerk, das mit seiner Abwärme ein weit reichendes Versorgungsnetz speist und in der Umgebung bis zu 1200 Gebäude versorgen kann, vor allem im Bereich Dickenhardt.
In einem Fünf-Jahres-Plan zeigt Professor Hardy Pfeiffer, der langjährige wirtschaftliche Berater der KEB, dem Gemeinderat auf, wie sich die Einnahmensituation der Stadion-Gesellschaft Schritt für Schritt verbessern soll. Wo im Vorjahr noch ein Minus von über 1,1 Millionen Euro stand, soll dieses in fünf Jahren bei nur noch 370 000 Euro liegen. Weil die Kunsteisbahn GmbH zum Energieerzeuger wird und ihre Produktion gegen Bares an die Stadtwerke abgeben wird.
Auf dem Weg dahin
Auf dem Weg dahin ist man übrigens schon. Die teuren Pumpen der Anlage sind bereits durch neue Modelle ersetzt worden, als nächsten sind die Schaltschränke dran. Ausgebaut werden außerdem die Photovoltaikanlage und die Taugrube; später will man große Eisspeicher installieren.
Dank ihrer lässt sich mit Eis tatsächlich heizen. Was nach Magie klingt, funktioniert wirklich und wird seit geraumer Zeit auch bei privaten Gebäuden angewandt, und mit einer Eisspeicherheizung kann ein ganzes Einfamilienhaus beheizt werden.
Physikalisches Prinzip
Dabei kommt ein physikalisches Prinzip zum Tragen: Bei null Grad Celsius kristallisiert Wasser und wird zu Eis. Mit der Veränderung des Aggregatzustands von Flüssig zu Fest wird Energie freigesetzt – die sogenannte Kristallisationswärme. Die entstehende Wärmeenergie entspricht der Energie, die man braucht, um Wasser von null Grad Celsius auf 80 Grad Celsius zu erhitzen. Genau dieser Übergang eignet sich daher hervorragend zur Speicherung von Energie in Form von latenter Wärme. Ein Eisspeichersystem mit zehn Kubikmeter Volumen kann die gleiche Menge an Energie erzeugen wie circa 110 Liter Heizöl.
Abwärme durchs Auftauen
Wichtigste Voraussetzung für das System ist der namensgebende Eisspeicher. Eine nicht isolierte Betonzisterne mit etwa 10 000 Litern Speichervolumen dient als Energiespeicher. Sie wird unterhalb der Frostgrenze ins Erdreich eingebaut und mit Wasser gefüllt. Innerhalb dieses Eisspeichers befinden sich zwei spiralförmige Leitungen: eine ist der Entzugswärmetauscher, die andere der Regenerationswärmetauscher. Sie ermöglichen es, das Wasser in der Zisterne ständig einzufrieden und wieder aufzutauen.
Größerer Maßstab
Die dabei entstehende Abwärme wird zur Aufbereitung von Warmwasser und zum Heizen verwendet. Im Eisstadion können diese Prozesse in wesentlich größerem Maßstab ablaufen. Immerhin werden hier zwei Eisflächen mit 3,5 Zentimeter Dicke und von der Größe eines Fußballfeldes betrieben.
Im laufenden Wirtschaftsjahr und im Jahr darauf soll die KEB rund 2,2 Millionen Umsätze verbuchen, wobei die städtischen Sportfördermittel eingerechnet sind.
Professor Pfeiffer hat die Wirtschaftspläne für die beiden kommenden Geschäftsjahre auf der Basis der heutigen Energiepreise kalkuliert; hier , meint er, könne es in Zukunft infolge geopolitischer Ereignisse natürlich noch zu unvorhergesehenen Änderungen kommen. Der Jahresverbrauch der Kunsteishalle entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch von 225 Vier-Personen-Haushalten. Auf normalem Preisniveau liegen die Gas- und Stromkosten für den Eisbahnbetrieb bei 500 000 Euro jährlich, haben sich im Zuge des russischen Ukraine-Kriegs aber zwischenzeitlich verdoppelt.
Dennoch soll sich die finanzielle Situation der Kunsteisbahn GmbH schnell verbessern; so könnte die KEB im Wirtschaftsjahr 2025/26 erstmals liquide Mittel zur Verfügung haben; veranschlagt sind hier immerhin 200 000 Euro.