Nach Ansicht von Haus & Grund würden viele Immobilienbesitzer lieber heute als morgen energetisch sanieren. Foto: Mierendorf

Haus & Grund Württemberg beklagt die Rechtsunsicherheit bei der energetischen Sanierung.

Stuttgart - Die zahlreichen Gesetzesinitiativen auf Landes-, Bundes- und Europaebene zum Thema Energieeinsparung verunsichern zunehmend die Hausbesitzer in Baden-Württemberg. "Der Beratungsbedarf ist enorm", so der Vorsitzende der württembergischen Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus & Grund, der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Hennrich, beim Redaktionsbesuch.

E-Wärmegesetz Baden-Württemberg, EEWärmegesetz des Bundes, Energiekonzept der Bundesregierung, EU-Energieeffizienzrichtlinie, Gebäudeenergieausweis ... "Die Leute wissen mittlerweile nicht mehr, was gilt und Gesetz ist oder was nur eine Ankündigung sein soll. Uns irritiert vor allem, dass alle Ebenen, von der Kommune über das Land, den Bund bis hin zum Europaparlament, mitmischen wollen," stellt Verbandsgeschäftsführer Ottmar H. Wernicke fest.

Michael Hennrich stört sich dabei gegenwärtig besonders an der zunehmenden Tendenz der Politik, das Thema massiv gesetzlich regeln zu wollen. Aber er betont auch: "Wir stehen dem Thema durchaus aufgeschlossen gegenüber." Der Bundestagsabgeordnete weiß, dass in Zukunft neben der Lage und dem Zustand der Immobilie auch die Höhe der Nebenkosten immer wichtiger im Wettbewerb um den Mieter sein wird. Haus & Grund würde hier aber lieber auf Motivation - in Form von Steuererleichterungen oder Zuschüssen - als auf gesetzliche Regelungen setzen. Denn viele Hausbesitzer in Württemberg - so die Erfahrung von Haus & Grund - würden schon wegen dem Werterhalt ihrer Immobilie eine energetische Sanierung in Betracht ziehen.

 

Ab 60 nicht mehr kreditwürdig

Zwar gibt es dafür auch Fördergelder in Form von zinsgünstigen Krediten, die sind aber wiederum an eine positive Zusage der Hausbank gekoppelt. Und das wird mit zunehmendem Alter der Hausbesitzer schwierig, ist die Erfahrung von Haus & Grund. Gerade deren Mitglieder sind im Durchschnitt über 60 Jahre alt. Und ab diesem Alter gilt man bei vielen Banken nicht mehr als kreditwürdig. Und das, obwohl die meisten der infrage kommenden Objekte schuldenfrei seien, kritisiert Wernicke.

Vor allem, wenn der Hausbesitzer selbst im Haus wohne und mit den Mieteinnahmen das Auskommen bestritten werden müsse, winken die Banken gerade bei energetischen Sanierungen ab. Der Mieter kann nämlich nach der aktuellen Rechtsprechung für die Dauer der Sanierung die Miete erheblich kürzen. Dieser Umstand ist der württembergischen Hauseigentümerschutz-Gemeinschaft schon lange ein Dorn im Auge. Da aber die Forderung des Verbandes nach einer Novellierung des aktuellen Mietrechts in diesem Punkt bislang auch wegen des heftigen Widerstandes der Mietervereine auf wenig fruchtbaren Boden stieß, wollen Wernicke und Hennrich das Land davon überzeugen, den betroffenen Hauseigentümern mit einer Landesbürgschaft beizuspringen. Das sei für das Land aufgrund der hinterlegten Immobilienwerte auch kein Risiko, ist sich der Vorsitzende sicher.

Wernicke sieht aber noch ein ganz anderes Problem: Durch die gesetzlich erzwungenen energetischen Sanierungen würde Wohnraum teilweise so teuer, dass sich die sanierten Wohnungen viele der vorwiegend älteren Mieter gar nicht mehr von ihrer Rente leisten könnten. "Hier geht die Schere zwischen energetischer Sanierung und preiswertem Wohnraum immer weiter auseinander", befürchtet der Haus-&-Grund-Geschäftsführer. Die Politik treibe zwar die energetische Sanierung im Eiltempo voran, nehme den Nutzer dabei aber nicht mit. Umso erfreulicher sei es, dass der Sanierungszwang im Bestand auf Bundesebene auf Betreiben von Haus & Grund wieder zurückgenommen wurde. "Wäre dieses Gesetz durchgekommen, hätte es mittel- bis langfristig bei uns keinen preisgünstigen Wohnraum mehr gegeben", ist sich Wernicke sicher.

"Wer fordert, muss auch fördern"

Hennrich kritisiert in der ganzen Debatte um die verschiedenen energetischen Konzepte vor allem das Land und sein E-Wärmegesetz. "Wer fordert, muss auch fördern." Das Land - so der Bundestagsabgeordnete - habe es unterlassen, seine Bürger über die mit dem E-Wärmegesetz verbundenen Folgen zu informieren. Das habe zu einer massiven Verunsicherung bei Hauseigentümern und Handwerkern geführt. "Jeder weiß ein bisschen, aber keiner weiß so recht, wie es überhaupt geht", ist die Erfahrung von Hennrich.

Dass die energetische Sanierung insgesamt derzeit ein großes Thema bei den Haus- und Grundbesitzern in Württemberg ist, stellt der Verein auch immer wieder bei der Beratung seiner rund 92 000 Mitglieder fest. "Gerade bei höherwertigen Wohnungen ist das Thema Energiekosten ein wichtiges Vermarktungsthema. Die Mieter wollen sehr genau wissen, mit welchen Nebenkosten sie rechnen müssen", ist die Erfahrung von Hennrich und Wernicke. Begünstigt werde die energetische Sanierung des Wohnungsbestandes derzeit aber vor allem durch die niedrigen Zinsen auf dem Anlagemarkt. "Viele Hausbesitzer, die bis vor der Finanzkrise ihr Geld an der Börse anlegten, investieren jetzt vermehrt in die Sanierung ihrer Immobilien", ist die Erfahrung von Ottmar H. Wernicke.

"Von einer Begeisterung für die Immobilie als Geldanlage sei man aber noch weit entfernt", dämpft der Haus-&-Grund-Geschäftsführer etwas die Euphorie. Durch die Erfahrung der jüngsten Finanzkrise würden jetzt auch die Erben, die früher die Immobilie gegen eine Anlage in den neuen Märkten getauscht hätten, diese Objekte wieder schätzen. Von dieser Entwicklung profitierten insbesondere die Städte durch den Zuzug junger Menschen, während auf dem Land teilweise schon Krisenstimmung wie in den östlichen Bundesländern herrsche, beschreibt Wernicke die Situation in einigen Landesteilen. Andererseits ziehe es immer mehr Menschen in die Metropolen. "Wir stellen eine klare Umkehr der Verhältnisse aus den 60er Jahren fest", sagt Michael Hennrich. Während früher die Menschen raus aufs Land ins Grüne wollten, zöge es heute die Menschen in die urbanen Städte.

Manche Kommunen agieren ungeschickt

Die Eigentümerschutz-Gemeinschaft hat deshalb auch wenig Verständnis dafür, dass die Kommunen im Land zur Aufbesserung ihrer desolaten Stadtfinanzen wieder die Erhöhung der Grundsteuer entdeckt hätten. Diese Steuerschraube würde im Endeffekt auch den Mieter treffen, sofern es sich um ein vermietetes Objekt handele.

Nach Ansicht von Ottmar H. Wernicke sei dies ebenso eine ungeschickte Standortpolitik, wie auch ein anderes Beispiel zeige: so arbeite eine Kommune derzeit an einem ökologischen Preisspiegel, bei dem nicht die Lage der Immobilie für den Mietpreis entscheidend sein soll, sondern wie leicht oder schwer die Immobilie mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad zu erreichen sei. "Das ist die Quadratur des Kreises", kritisiert Hennrich. "Manch eine Kommune darf sich dann aber auch nicht wundern, wenn sie eines Tages unattraktiv wird", konstatiert der Haus-&-Grund-Geschäftsführer.

Mehr Infos gibt's beim Landesverband Haus & Grund Württemberg.