Die Gartenschau hat einen spürbaren Effekt auf die Gastronomie am Freudenstädter Marktplatz. Foto: Carolin Schöffler

Die Gartenschau bringt der Gastronomie am Marktplatz nicht nur mehr Gäste,sondern auch mehr Herausforderungen. Welche das sind und wieso nicht jeder Gastronom von ihr profitiert.

„Wir hatten schon befürchtet, dass die Gartenschau an Freudenstadt vorbei geht, da sich ja alles im Tal abspielt. Aber wir wurden Gott sei Dank eines Besseren belehrt“, erklärt Harald „Harry“ Kläger, Inhaber des Speckwirt am unteren Marktplatz. Sein Umsatz habe sich durch die Gartenschau deutlich erhöht.

 

Auch Oliver Widmann, Inhaber der Marktwirtschaft, zeigt sich froh, über die Gartenschau. Zwar laufe sein Geschäft im Sommer eigentlich immer recht gut, doch die Gartenschau setze definitiv noch einen drauf.

Auch am oberen Marktplatz geht die Gartenschau nicht spurlos vorbei. Das Café Pause ist seit 29 Jahren fester Bestandteil der Stadt. In dieser Zeit hätten sie auch schon „echt magere Jahre erlebt“, erklärt Inhaberin Tanja Wetzel. Doch in diesem Jahr sei es „wie in den 70ern“.

Mehr Gäste erfordern mehr Personal

Mehr Gäste erfordern natürlich auch mehr Personal. Kläger hat hierfür, befristet bis Oktober, fünf Mann mehr an Bord geholt, die sich um das leibliche Wohl der Gäste kümmern – der absolute Topseller: traditionell schwäbische Maultaschen.

Die Mitarbeiter der Marktwirtschaft sind laut Widmann an der Belastungsgrenze. Auch räumlich seien die Kapazitäten ausgeschöpft. Daher habe auch er personell aufstocken müssen und nehme für die Zeit der Gartenschau auf der Terrasse keine Reservierungen entgegen.

Cafés passen Angebot an Gartenschau an

Da das Café Pause zudem das Backhäußle im Tal X bewirtet, musste auch Inhaberin Wetzel um ganze zwölf Mitarbeiter aufstocken. Sechs davon hat sie aus dem Ausland einfliegen lassen. Zudem hat die Gastronomin ihr Angebot an die Gartenschau angepasst – etwa durch Tal X-Törtchen und Pralinen.

Auch Carlo Saup, Inhaber des Café Fontaine, hat sein Angebot durch Pralinen und X-förmige Schokoladen in 14 Variationen erweitert. Selbst Salz- und Pfefferstreuer wurden mit einem X verziert.

Saup hat im Café Fontaine gleich ein ganzes Regal mit Gartenschau-Angeboten eingerichtet. Foto: Carolin Schöffler

Saup bewerte den Einfluss der Gartenschau insgesamt zwar positiv, jedoch sei er auch nicht all zu traurig, wenn diese am 12. Oktober wieder vorbei ist. Er und seine Mitarbeiter hätten sehr zu kämpfen. Für logistische Probleme sorge besonders die Zulieferung, da er nun nicht mehr auf den Marktplatz fahren könne.

Mehr Gäste bedeuten nicht automatisch mehr Gewinn

Zwar habe er viele Besucher der Gartenschau zu Gast, seine Stammkundschaft bliebe, auf Grund der fehlenden Parkplätze und der längeren Wartezeiten, jedoch oft aus, oder verlagere sich nach oben, in sein anderes Café, das Café Müller in der Martin-Luther-Straße.

Hinzu kommen der schnellere Verschleiß seiner Maschinen und Investitionen in zusätzliches Personal und Geschirr. Auf letzterem bleibe er nach der Gartenschau vermutlich sitzen. Daher habe sich zwar sein Umsatz durch die Gartenschau erhöht, der Gewinn bleibe jedoch der selbe.

Gespräche mit der Stadt geplant

Doch zumindest manche Gastronomen wünschen sich, dass der aktuelle Schwung anhält. Widmann spricht sich daher für eine Gesprächsrunde zwischen der Stadt und den Gastronomen aus.

In dieser könnten sie gemeinsam rekapitulieren, was alles gut lief, wo es Herausforderungen gab und was man aus der Gartenschau-Zeit vielleicht auch mit in die Zukunft nehmen könnte.

Auf Anfrage unserer Redaktion, teilte ein Sprecher der Stadt Freudenstadt mit, dass bereits eine Reihe von Gesprächen im Nachgang der Gartenschau vorgesehen sei.