Der Gasthof schließt am 30. Juni. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet der langjährige Inhaber Martin Grimm, warum es nicht weitergeht.
„Alles hat seine Zeit und alles hat ein Ende!“ Mit diesem Spruch verabschiedet sich die Familie Grimm von ihren Gästen. Die Botschaft auf der Eingangstür des Restaurants verkündet, dass Ende Juni der Betrieb des Gasthofs Engel eingestellt wird.
Beim Besuch unserer Redaktion ist das nahende Ende zunächst kein Thema. Vielmehr spricht Inhaber Martin Grimm über die lange Historie des „Engels“: Er selbst sei 1980 beim Gasthof eingestiegen und habe 45 Jahre lang die Geschicke geleitet. Seit 1883 – so besagt es die Hauschronik – ist das Haus in Familienbesitz. „Mittlerweile befinden wir uns in der fünften Generation“, stellt Grimm klar.
Der 67-Jährige erzählt einige Anekdoten: So habe einst eine Seelbacher Ärztin im Gasthaus Menschen bei gesundheitlichen Problemen geholfen. Zudem gab es ein Bühne im hinteren Bereich des Gasthauses, auf der Vereine Theater spielten. Dies habe sich immer während der Weihnachtszeit abgespielt, erinnert sich Grimm. Das ging so bis 1983. Danach wurden die Veranstaltungen in die örtliche Halle verlegt, bedauert der 67-Jährige im Gespräch.
Auch der Stammtisch in den 1980er-Jahren sei etwas Besonderes gewesen. Es saßen bis zu 25 Gäste an einem Tisch und diskutierten über Gott und die Welt. Selbst der Verkauf von Autos sei besprochen worden. Es wurde Karten gespielt und viel geraucht. Das sei heute nicht mehr denkbar, es „hat einen wahnsinnigen Wandel gegeben“, findet Grimm. Die Corona-Pandemie habe den Stammtisch endgültig zerstört, davon ist der Wirt überzeugt. Mittlerweile sei der „Engel“ eine reine Speisegaststätte.
Personalprobleme sind mitverantwortlich für die Schließung
Warum geht es nun nicht mehr weiter? Familiäre Gründe spielen eine Rolle, dazu kommen große Personalprobleme. Servicekräfte seien nicht mehr so verfügbar wie früher, erklärt Grimm. Seiner Beobachtung nach möchten auch viele nicht mehr in einem Wirtshaus arbeiten.
Der Personalmangel mache sich auch bei Kollegen in der Gastronomie bemerkbar. Angesprochen auf die Zukunft des „Engels“ betont Grimm ausdrücklich: „Es kommt kein anderer Betreiber rein.“ Die Räumlichkeiten werden bestehen bleiben. Die Schließung seines Gasthofs „tut ihm schon weh“, er hätte das Gasthaus gerne noch ein paar Jahre geführt. Es sei sein Lebenswerk, denn „alles, was ich habe, steckt da drin“. Daher sei die Abmeldung der Gewerbes auf dem Rathaus auch emotional für ihn gewesen.
Gemeinschaft hat den „Engel“ ausgezeichnet
Die badisch-alemannische Küche sowie der Familienbetrieb seien von den Gästen geschätzt worden, freut sich Grimm. Die Gemeinschaft habe den „Engel“ ausgezeichnet, fasst er zusammen. Es habe sich angefühlt wie eine Großfamilie im Dorf. Zudem seien manche Gäste schon seit Jahrzehnten dabei. Dies veranschaulicht Grimm mit einem Beispiel: Er kenne ein Paar, das sowohl seine Hochzeit als auch seine goldene Hochzeit im „Engel“ gefeiert habe.
Von Gästen habe es viele Nachfragen zur Schließung gegeben, „einige haben gesagt, dass sie gerne noch weitere Feste mit uns feiern würden“, erzählt der Inhaber. Viele können die Entscheidung nachvollziehen und waren auch nicht überrascht.
Die Arbeit im „Engel“ führte dazu, dass private Angelegenheiten auf der Strecke blieben, man habe dafür keine Zeit im stressigen Alltag gehabt. „Wir mussten auf vieles verzichten“, betont der 67-jährige Inhaber. Der Abschied vom „Engel“ falle schwer, dennoch sei die Schließung notwendig.
Die Abschiedsworte
Mit diesem Aushang verabschieden sich Martin und Monika Grimm: „Alles hat seine Zeit und alles hat sein Ende! Das Traditionsgasthaus Engel in Dörlinbach wird am 30. Juni den Betrieb einstellen! Wir möchten uns von Herzen bei all unseren treuen Gästen bedanken, die uns über Jahrzehnte hinweg unterstützt, begleitet und unser Gasthaus mit Leben gefüllt haben. Wir blicken mit vielen schönen Erinnerungen auf die Zeit zurück und wünschen allen Gästen und Freunden des Hauses aus nah und fern nur das Beste für die Zukunft.“