Was das Ende des Infopunkts im Stadtbahnhof für den Ort und die Mitarbeiter bedeutet, hat unsere Redaktion den Leiter der Erlacher Höhe, Wolfgang Günther, gefragt.
Freudenstadt - "Peinlich für Freudenstadt" und "einfach schade" lauten die Kommentare in den sozialen Medien auf die Nachricht, dass der Infopunkt am Stadtbahnhof schließen muss. Einige befürchten, dass die Zustände dort wieder so schlimm werden wie früher. Dazu gehört auch Wolfgang Günther, Leiter der Erlacher Höhe in Freudenstadt und Mitinitiator des Projekts.
Herr Günther, was befürchten Sie für den Stadtbahnhof?
Die Gründe, die das Projekt im Jahr 2013 notwendig gemacht haben, sind immer noch da. Es wird also wieder entsprechende Dynamiken am Bahnhof geben. Man denke nur an die großen Sicherheits- und Ordnungsdebatten in der Zeit, bevor wir mit der Stadt das Projekt auf den Weg gebracht haben. Letztlich hat die Stadt sehr vom Infopunkt profitiert, sonst hätte sie das Projekt ja nicht so lange weiterverfolgt und es wäre im Gemeinderat die ganzen Jahre nicht so unstrittig gewesen. Wir werden sehen, was die Langzeitfolgen eines "unbelebten" Bahnhofs sind.
Haben Sie die Kommentare in den sozialen Medien verfolgt?
Es waren ja Reaktionen auf den Schwabo-Artikel ohne weitere Kommentierung unsererseits. Es waren so viele Kommentare und Reaktionen, das hatten wir noch nie. Diese Wertschätzung freut mich insbesondere auch für das Team am Stadtbahnhof. Natürlich bewegt das einen. Das zeigt, welche Reichweite und Bedeutung das Projekt hat und wie viele Menschen ein Stück städtische Qualität damit verbinden. Der Infopunkt passt eben in den Stadtbahnhof wie der Deckel auf den Topf. Er bietet täglich Antworten und Lösungen für viele verschiedene Fragen, Bedürfnisse und Probleme.
Was passiert mit den Mitarbeitern?
Diese wurden direkt nach der Gemeinderatssitzung von mir informiert. Wir werden individuelle Lösungen suchen, um ihnen betriebliche Angebote zu machen. Die Verträge werden erfüllt. Wir werden uns kurzfristig betriebsintern abstimmen und organisieren. Zudem werden wir uns zeitnah mit der Bahn und weiteren Kooperationspartnern abstimmen. Sicher ist, dass ohne die Stadt und die Grundfinanzierung durch den Zuschuss der Info-Punkt nicht haltbar ist. So viel Gewinn werfen die Umsatzprovision auf die Fahrkarten und der Verkauf von Mitbringseln nicht ab. Gut 60 Prozent der Kosten müssen über einen Zuschuss abgedeckt sein.
Welche Bedeutung hat der Infopunkt im Stadtbahnhof für Sie persönlich?
Ich war von Anfang an dabei, von der Entwicklung der Idee, Erarbeitung des Konzepts, dem gemeinsamen Aufbau. Auf die Idee sind wir 2012 bei einer Reise in den Vinschgau in Italien gekommen. Dort gab es ein ähnliches Projekt wie den Infopunkt, aber mit Stadtführungen. In Freudenstadt gab es zu der Zeit zahlreiche Diskussionen rund um den Stadtbahnhof, die Situation war absolut unbefriedigend. Der Infopunkt ist für mich ein ganz gut funktionierendes gemeinwesen- und gemeinwohlorientiertes Projekt und ein Herzensanliegen. Und der Stadtbahnhof selbst ist das Tor zur Stadt, zum Nationalpark oder der Tour de Murg. Die Situation am Stadtbahnhof hat etwas mit dem Image von Freudenstadt als Hauptstadt des Schwarzwalds zu tun.
Info: Der Infopunkt
Der Infopunkt im Stadtbahnhof wurde 2013 eröffnet und ist für ankommende Bahnreisende eine erste Anlaufstelle, um sich über Freudenstadt und seine touristischen Angebote zu informieren.
Die Mitarbeiter bieten Fahrkarten, Hilfe beim Transfer zum Hotel, Auskünfte über Bus- und Bahnverbindungen und Souvenirs an. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadtverwaltung Freudenstadt und des Sozialdienstleisters Dornahof & Erlacher Höhe und wurde seinerzeit geboren, um der öden Schalterhalle im Stadtbahnhof, die oft für Trinkgelage von Jugendlichen genutzt wurde, und wo es oft Ausschreitungen gab, wieder ein freundlicheres Gesicht zu geben.
Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte die Stadt Freudenstadt zu einem Konsolidierungskurs verdonnert, dem nun der Infopunkt zum Opfer fiel.