Wohnen mit Blick auf den Zollerberg – wo früher die Maute-Fabrik war, sollen Wohnungen entstehen (das Foto entstand kurz nach Beginn der Abrissarbeiten im April 2023). Foto: Kauffmann

Die Ziellinie war so nah, dann teilt die EnBW mit: Es bestehe kein Interesse mehr, das Maute-Energiekonzept gemeinsam mit der Gemeinde umzusetzen – das sind die Folgen.

Das zentrale Wärmenetz auf dem Maute-Areal könnte zum zentralen Problem bei der Entwicklung des Bereichs werden. Ursprünglich vorgesehen war dort die Energieversorgung mit einem Mix aus Geothermie, Aerothermie und Photovoltaik. Der Plan war einfach, die Kostenverteilung war geregelt, Studien und Probebohrungen zeigten: Ein zentrales Wärmenetz funktioniert wirtschaftlich. Als Betreiber war bisher die EnBW vorgesehen.

 

Zeitplan doch zu eng

Überraschend macht der Energieversorger einen Rückzieher: Wegen einer konzerninternen Umstrukturierung habe die EnBW „kein Interesse mehr, das Energiekonzept mit der Gemeinde Bisingen umzusetzen“. So geht es wörtlich aus den Unterlagen für die Sitzung des Gemeinderats am Dienstag hervor (siehe Info). Demnach soll die Gemeinde darüber erst Ende November informiert worden sein. EnBW begründe den Ausstieg mit fehlenden Kapazitäten, neuer wirtschaftlicher Bewertung und engem Zeitplan.

Alternative nicht in Sicht

Denkbar ungünstig ist der Zeitpunkt aus der Sicht der Gemeinde, denn das künftige Vorgehen für die Erschließung des Maute-Areals ist in der Tat ambitioniert: Einzelne Bereiche sollten bereits bis Ende 2026 bezugsfertig sein. Könnte ein anderer Energieversorger für die EnBW einspringen? „Die Kontaktaufnahme mit räumlich nahen Unternehmen im Energie- und Wärmesektor war leider erfolglos“, heißt es in der Sitzungsvorlage dazu – enges Zeitbudget und Komplexität des Großprojekts verbessern die Aussichten auf eine Alternative nicht.

Kein Anlass zum Zweifel

Die EnBW hatte zuvor keineswegs den Eindruck vermittelt, sich zurückziehen zu wollen. Im ganzen Gegenteil: Das Energiekonzept ist sowohl technisch, ökologisch und langfristig betrachtet auch wirtschaftlich sinnvoll, teilten Vertreter der EnBW über das von ihnen selbst entworfene Konzept in der Mai-Sitzung des Gemeinderats noch mit. Die EnBW stellte hierfür eine Planung mit einer frei stehenden Energiezentrale vor, für die die Gemeinde bereits eine Fläche an der Bahnhofstraße gekauft hatte.

Die EnBW-Vertreter: Langfristig ist die Quartierslösung günstiger als Einzellösungen. Die EnBW sollte es einschätzen können, zumal bereits Probebohrungen für künftige Erdsonden und Studien mögliche Potenziale untersuchten. Es wirkte folgerichtig, dass die EnBW das Wärmenetz betreibt – eine vertragliche Grundlage hatte die künftige Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und EnBW im Mai gleichwohl noch nicht.

Plötzliche 180-Grad-Wende

Deshalb war der Gemeinderat guter Dinge, als er im Juli die Verwaltung beauftragte, die Zusammenarbeit mit dem Energiekonzern als Wärmenetz-Betreiber vertraglich zu fixieren. Wie mit der Sitzungsvorlage nun bekannt wird, hat die EnBW die Verhandlungen darüber mit Verweis auf eine „interne rechtliche Prüfung“ verzögert. Im September kommt demnach die Antwort: Die zuständige Abteilung wird aufgelöst, „alle laufenden Projekte gehen auf eine andere Abteilung über“. Gehört das Maute-Areal nun zu diesen „laufenden Projekten“? Mehrfach habe die Gemeinde diese Frage gestellt. Eine eindeutige Rückmeldung gab es demnach erst beim finalen Abstimmungsgespräch Ende November. Darin wurde den Vertretern aus Bisingen eröffnet, dass der Konzern kein Interesse am Projekt mehr hat.

Vom Regen in die Traufe

Um den Zeitplan nicht zu verzögern, stellt die Verwaltung nun in den Raum, das Wärmenetz nicht weiter zu verfolgen. Stattdessen sollen Einzellösungen durch die Investoren realisiert werden – obwohl die Vertreter der EnBW im Mai die Vorteile der gemeinsamen Quartierslösung betont hatten. Vorteil: Das Projekt bleibt im Zeitplan, der bereits an die Investoren kommuniziert wurde.

Zweite Möglichkeit: Doch noch einen anderen Betreiber mit einer Ausschreibung finden. Aber dies würde die Erschließung des Maute-Areals um bis zu ein Jahr verzögern, könnte jedoch die aufwendig ausgewählten Investoren vor den Kopf stoßen – und in dieser Hinsicht nicht absehbare Folgen haben. Vorteil: Die Planungen fürs Wärmenetz und die hohen Kosten dafür wären nicht umsonst gewesen.

Es dürfte keine einfache Entscheidung werden, denn das Gremium wird in diesem Fall das geringste Übel beschließen müssen – welches immer das sein wird.

Sitzung am Dienstag, 9. Dezember

Termin
 Die nächste Sitzung des Bisinger Gemeinderats findet am Dienstag, 9. Dezember, von 19 Uhr an im Sitzungssaal des Feuerwehrhauses statt.

Tagesordnung
 Auf der Tagesordnung steht neben dem Wärmenetz auch eine Bürgerfragestunde, die Beratung über den Haushalt und die Kostenersatz-Satzung für die Feuerwehr.