Die Stadt Albstadt plant, im Zuge der Gebäudebestandsoptimierung die Schiller-Werkrealschule zu schließen. Der Ortschaftsrat lief am Montag Sturm gegen das Vorhaben und verweigerte seine Zustimmung.
Gut möglich, dass es vom September 2028 an nur noch eine Grund-, aber keine Werkrealschule mehr in Onstmettingen gibt. Die Ortschaftsräte machten aus ihrer Empörung und Enttäuschung kein Hehl und votierten einstimmig gegen die Pläne der Stadt, über die am Donnerstag der Gemeinderat entscheidet.
Die Empörung war groß: „So geht man nicht mit Leuten, mit dem Ehrenamt, mit dem Ortschaftsrat und dem Ortsvorsteher um“, erklärte ein hörbar aufgebrachter Uli Metzger und formulierte damit, was wohl auch die 30 Zaungäste im proppenvollen Ratssaal – etliche mussten stehen – dachten.
Zu Beginn erläuterte Kerstin Götz vom Amt für Bauen und Service die fünf Planungsvarianten, welche die Gebäudeoptimierungsgruppe (GBO) für die Schiller-Werkrealschule zur Debatte gestellt hatte. Der Hintergrund: Das Schulgebäude ist in keinem guten Zustand, und weder Erdbebensicherheit noch Brandschutz entsprechen den Standards. Sie zu sanieren – Variante eins – würde 14,5 Millionen Euro, plus minus 30 Prozent, kosten.
221 Schüler sind es derzeit
Alternative zwei wäre die Verteilung der betroffenen Schüler – derzeit 221 an der Zahl – auf vergleichbare Albstädter Schulen, und zwar im Schuljahr 2028/29, wenn die neue Lammerberg-Realschule in Tailfingen fertig ist.
Alternative drei: eine provisorische Containerschule am Lammerberg, Kostenpunkt 805 000 Euro. Alternative vier: die Teilaufstockung der neuen Lammerbergschule – vier Klassenzimmer würden 4,6 Millionen Euro kosten. Die fünfte Option wäre ein Schulcampus Raichberg mit einer zusätzlichen Mensa – bisher gibt es keine – für 47 Millionen Euro.
„Ein Hammer!“, hieß es in der Debatte
Welche dieser Varianten favorisiert die GBO? Ganz klar Variante zwei, die Umverteilung der Schüler. Die Schiller-Werkrealschule würde zum Ende des Schuljahres 2027/28 geschlossen; 2030 soll das Konzept Werkrealschule in ganz Baden-Württemberg abgeschafft werden.
Die Umverteilung ist vorerst ein Rechenexempel; wer wohin wechselt, darüber entscheiden letztlich die Eltern – Markus Münch, Leiter des Amtes für Familie, Bildung, Sport und Soziales, versprach, alle Beteiligten – samt Schulamt – mit ins Boot holen.
Seit wann kennt der Ortschaftsrat diese Pläne? Seit dem 26. März – „ein Hammer!“, hieß es in der Debatte. Ulrike Münster, die stellvertretende Ortsvorsteherin, verlas eine zweiseitige persönliche Stellungnahme, in der sie erklärte, man würde vielleicht anders reagieren, „hätte man uns früher mitgenommen“.
Nichtöffentlich ist bereits beraten worden
Das Thema sei nichtöffentlich in den einschlägigen Ausschüssen und Gremien beraten worden und hätte eigentlich auch im Ortschaftsrat nichtöffentlich bleiben sollen – „noch ein Hammer!“.
Indes habe sich die Verwaltung umstimmen lassen; andernfalls hätten die Onstmettinger erstmals aus dem Gemeinderat offiziell erfahren, was die Stadt mit „ihrer“ Schule im Sinn habe. „Viel zu kurz, viel zu spät“, lautete der Tenor.
Was, wollte Ulrike Münster wissen, werde aus der dreiteiligen Sporthalle und dem renovierten Schwimmbecken? Beides werde man zwingend weiter brauchen, versicherte Markus Münch. Noch im Herbst, erinnerte sich Dieter Boss, habe man am Ortschaftstag über einen „Cluster Raichberg“ – Variante fünf – gesprochen; dabei habe man die Gebäude über die Jahre „vergammeln“ lassen.
Mpouras: „Wir sind eine Leuchtturmschule“
Uli Metzger erklärte, der Ortschaftsrat wisse wohl, dass man sparen müsse; er habe in der Vergangenheit immer wieder Eigenverfügungsmittel in Projekte gesteckt, die eigentlich Sache der Stadt gewesen wären.
Völlig konsterniert war Schulleiter Georgios Mpouras. „Wir sind eine Leuchtturmschule der Region – und wir haben Schüler, die anderswo untergehen werden, wenn man sie aus ihrer vertrauten Umgebung herausholt“.
Eine Mutter, selbst Lehrerin an einer Albstädter Schule, berichtete, sie habe an der Schillerschule einen familiären Rahmen und ein Zuhause für ihre beiden Kinder gefunden. Der Beschlussvorschlag der Stadt wurde am Ende einstimmig abgelehnt.