Laut Gemeindeverwaltung handele es sich bei den Arbeiten in Reichenhalden um „Verjüngungsschnitte“. Eine Anwohnerin beklagt hingegen das Ausmaß des Heckenrückschnitts. Foto: Jürgen Baiker

Eine Anwohnerin klagt, dass Hecken in Reichenhalden „niedergemacht“ worden seien. Hat die Aktion etwas mit dem geplanten Kauf der Siedlung zu tun? Der Bürgermeister widerspricht.

In einer E-Mail an die Gemeindeverwaltung, die unserer Redaktion vorliegt, schlägt Marianne Plicht, eine Anwohnerin der Empfinger Siedlung Reichenhalden, am Freitag Alarm: „Gestern und heute wütet ein Fahrzeug in der Siedlung Reichenhalden in Empfingen – hier wird der Naturschutz brutal mit Füßen getreten.“ Sämtliche Hecken würden „auf rabiateste Art niedergemacht“ – kein Tier finde hier mehr Unterschlupf. Es werde nicht einmal mehr ein kleiner Streifen als Rückzugsort stehen gelassen.

 

Ihre Sorge: „Wird hier schon im Vorfeld dafür gesorgt, dass man beim großen Bauprojekt ,Siedlung Reichenhalden’ den Naturschutz nicht mehr beachten muss?“ Sie fragt außerdem, warum die Arbeit ein Gemeindemitarbeiter erledige – das Gelände sei doch noch im Eigentum des Bundes.

Die Antwort von Bürgermeister Ferdinand Truffner liegt unserer Redaktion ebenfalls vor. Er schreibt: Bei den aktuell durchgeführten Arbeiten handele es sich um regelmäßig stattfindende Verjüngungsschnitte, die in Abstimmung mit der BImA (Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, Anm. d. Red.) erfolgten – auch wenn die Gemeinde hier „noch“ nicht Eigentümer sei, sie aber dort Mieter von Wohnungen für die Unterbringung von Flüchtlingen und auch noch vom Gelände des ehemaligen Kindergarten inklusive angrenzender Grünstruktur sei.

Truffners Antwort

Truffner erklärt: „Diese Maßnahmen dienen der Pflege der vorhandenen Gehölzstrukturen. Selbstverständlich kommt es im Anschluss wieder zu neuem Aufwuchs, so dass langfristig weiterhin Rückzugsräume für Tiere entstehen.“

Im Zuge der Arbeiten werde zudem das Gelände von vorhandenem Müll befreit, da sich dort in der Vergangenheit immer wieder Ablagerungen – insbesondere von Bewohnern der Wohnsiedlung – angesammelt hätten und die Gemeinde dort auch den Schutz der Umwelt im Auge habe. Die Arbeiten erfolgten in Abstimmung mit der Eigentümerseite, gibt Truffner bekannt.

Anwohnerin widerspricht

Doch Plicht widerspricht Truffners Aussagen. Sie antwortet: „Es handelt sich eben nicht um regelmäßig stattfindende Verjüngungsschnitte. Rückschnitte von Hecken und so weiter sind von Zeit zu Zeit notwendig, aber nicht in diesem Ausmaß. Ein Rückschnitt kann auch in mehreren Etappen erfolgen.“ Ihre Meinung ist: Es handele sich um eine gezielte Maßnahme der Gemeinde Empfingen als Vorbereitung zum „günstigen Kauf“ von Reichenhalden. Plicht schreibt: „Es werden Fakten geschaffen, um Ausgleichsmaßnahmen im Bereich Naturschutz zu vermeiden, bei der Umwandlung in ein neues Wohnbaugebiet.“

Truffner: „So dreist bin ich nicht“

Bürgermeister Truffner widerspricht auf Nachfrage unserer Redaktion den Vorwürfen. Er schreibt in einem Statement: „Quatsch – man kann mir viel unterstellen, aber so dreist bin ich (noch) nicht. Wir haben die Pflegerückschnitte schon seit ein paar Jahren mit der BimA besprochen und durchgeführt. Es ist nicht das erste Mal, und nach einer Vegetationsphase sieht es ja wieder anders aus. Zudem müssen für die Verkaufsverhandlungen noch Bodenproben erfolgen, die auch in den Rückschnittbereichen stattfinden werden. Rückschnitte und Rodungen sind ja bis Ende Februar möglich, also müssen wir hier auch was tun.“

Die Wohnsiedlung Reichenhalden ist geprägt durch ihre Vegetation. (Archivfoto Dezember 2025) Foto: Daniel Begemann

Das Müllproblem

Truffners Aussage zu den Müllablagerungen nimmt Plicht ebenfalls nicht hin. Sie schreibt: „Der Müll ist sicherlich ein Problem, aber nicht ,im Besonderen von Bewohnern’ der Wohnsiedlung. Wilde Müllablagerungen finden wir überall. Die Müll-, Glas- und Kleidercontainer in Reichenhalden werden auch von Leuten angefahren, die nicht in Reichenhalden wohnen, nur um den Müll und Abfall zu entsorgen, egal ob die Container voll sind. Hauptsache hingeschmissen und entsorgt.“

Pläne für Reichenhalden

Konzept steht
Im Dezember hatte der Empfinger Gemeinderat das städtebauliche Konzept für eine neue Wohnsiedlung Reichenhalden beschlossen. Zur Umsetzung der „Quartiersidee“ mit Wohnstraße und Wohnhöfen möchte die Gemeinde das Areal vom aktuellen Eigentümer, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BimA) erwerben. Bürgermeister Truffner hatte die Neugestaltung von Reichenhalden im Dezember als „das Jahrhundertprojekt der Gemeinde“ bezeichnet.