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Empfingen Wer nicht archiviert, muss bohren

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Durch eine Bohrung wird die Zusammensetzung des Damms ermittelt. Foto: Schwarzwälder Bote

Auf dem Damm des Empfinger Tälesees wurden am Donnerstag Bohrungen durchgeführt. Die Arbeiten sind Teil einer vertieften Sicherheitsüberprüfung des Stausees und des darunter liegenden Hochwasser-Rückhaltebeckens.

Empfingen. Bis in acht Meter Tiefe drangen die Bohrer der Firma Geotec Kaiser vor. Die zutage geförderten Bohrkerne geben Aufschluss über die Zusammensetzung des Staudammes, welcher das Wasser im Tälesee hält. Wie ein Querschnitt zeigen die Bohrkerne, dass unter der Grasnarbe zunächst eine Befestigung aus Kies und Steinen liegt, bevor darunter eine Schicht aus sandig-tonigem Schluffboden folgt, aus dem der Kern des Damms geformt ist. Ab viereinhalb Metern Tiefe beginnt dann der natürliche Boden, der aus einem tonartigem Lehm besteht. Insgesamt wurden fünf Bohrungen durchgeführt. Zwei große und drei kleine.

Die Maßnahmen sind Teil einer sogenannten vertieften Überprüfung, die circa alle 20 Jahre durchgeführt werden muss. "Dabei wird ähnlich intensiv geprüft, wie bei der Planung", erklärt Markus Heberle, dessen Ingenieurbüro mit der Prüfung des Tälesees und des Rückhaltebeckens beauftragt wurde.

Ein wichtiges Thema sei dabei die Standsicherheit. Ausschlaggebend für diese sei neben der Form des Dammes auch das verwendete Material, daher die Bohrung.

Doch hätte man die Informationen nicht auch den Bauplänen entnehmen können? Leichter gesagt als getan. Denn bei der Recherche im Archiv erwiesen sich die Pläne als unauffindbar. "Daher haben wir keine Informationen, wie der Damm gebaut wurde", so Heberle. Dementsprechend lässt sich auch nicht mehr sagen, ob bei der damaligen Planung jene Kriterien erfüllt wurden, die es jetzt zu überprüfen gilt.

Auch sei der Damm bisher keiner vertieften Überprüfung unterzogen worden, vermutlich weil das Bauwerk vor 20 Jahren noch anders eingestuft worden sei. "Damals hat man das noch nicht als Dammanlage gesehen", erläutert Ortsbaumeister Jochen Seibold.

Doch mittlerweile identifiziere das Land Anlagen, die noch der entsprechenden DIN-Norm zugeordnet werden müssten. Der Grund sei die Häufung von "Starkregenereignissen". Als Teil dieser Politik werde die Überprüfung daher auch vom Land gefördert, informiert Seibold.

Für die Überprüfung des Rückhaltebeckens sind hingegen keine Bohrungen nötig. Denn die Anlage ist erst 15 Jahre alt, so dass es über die Zusammensetzung des Damms Aufzeichnungen gibt, die als Grundlage für die Überprüfung herangezogen werden können.

Kontrolliertes Überlaufen

Überprüft wird bei beiden Anlagen aber nicht nur die Standfestigkeit, sondern auch, ob der Damm im Falle eines Hochwassers hoch genug ist und ob die vorhandenen sogenannten Hochwasserentlastungsanlagen ausreichen, um im Ernstfall eine Überspülung zu verhindern.

Beispielsweise hat der Damm des Rückhaltebeckens an einer Stelle der Krone eine befestigte Mulde, die ein kontrolliertes Überlaufen ermöglichen soll. Denn fließt das Wasser unkontrolliert über die Dammkrone, könnte sich nach und nach Material lösen, ein Dammbruch wäre die Folge. "Das darf nicht passieren", mahnt Heberle.

Ob der Damm des Tälesees ebenso wie das Rückhaltebecken gegen einen solchen Gau gefeit ist, ist fraglich. Eine befestigte Mulde wie beim Rückhaltebecken gibt es hier nicht. Doch das muss noch nichts heißen. Denn der See verfügt über einen Überlauf aus Beton, einen sogenannten Mönch.

Ob dieser im Katastrophenfall ausreichen würde, "hängt von der Berechnung ab, wie viel Wasser reinfließt", so Heberle. Daher könne er noch nicht mit Sicherheit sagen, ob eine Hochwasserentlastungsanlage gebaut werden müsse. Doch Heberle vermutet: "Wahrscheinlich kommen wir dahin, dass man das machen muss."

Nach Abschluss der Untersuchungen werde der Bericht zusammen mit Maßnahmenempfehlungen dem Gemeinderat vorgelegt. Doch bis dahin könne es noch dauern. "Wir sind noch ganz am Anfang der Arbeiten", so Heberle. Doch spätestens Ende 2021 werde das Gutachten fertiggestellt sein.

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