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Empfingen Viele künstlerische Spuren bleiben

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Der Bildhauer Josef Henger wurde in Empfingen geboren. Aus einem Schriftzug über der Scheuer seines elterlichen Hauses geht hervor, dass die Hengers eine Steinhauerdynastie waren (unten Mitte). Zu seinen Werken gehören der "Auferstandene Christus" (links oben), das Kreuz im Horber Weg (links unten) und der Grabstein für Erich Egon Brenner (unten rechts). Fotos: Kasseckert (1)/Baiker Foto: Schwarzwälder Bote

Josef Henger stammt aus einer Empfinger Steinhauerdynastie, wie der Schriftzug über der Scheuer seines elterlichen Hauses zeigt. Vor Kurzem starb der Künstler.

Empfingen. Josef Henger, Bildhauer und Künstler, ist am 2. Juni im Alter von 88 Jahren gestorben. Er wird unter anderem als "der letzte barocke Bildhauer Oberschwabens" bezeichnet. Im Nachruf von Markus Waggershauser für die Diözese Rottenburg-Stuttgart heißt es "In vielen Kirchen verewigt."

Henger ist ein Kind Empfingens. Dort wurde er am 2. November 1931 geboren. Nach einer Steinmetz-Lehre studierte er acht Jahre lang an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Professor Josef Henselmann. Seit 1963 lebte er in Ravensburg.

Seine meist religiösen Darstellungen finden sich in der näheren Umgebung, genauso wie in Herrenberg, Bietigheim-Bissingen und Tübingen oder außerhalb der Diözese in Kaiserslautern, Speyer, Heidelberg und Freiburg. Von seiner Hand stammen zahlreiche Altäre, Taufsteine, Kruzifixe, Osterleuchter, so zum Beispiel ein acht Meter hohes Kreuz in der Weingartener Marienkirche, auch Reliefs, meist in Bronze gegossen. Sein umfangreichstes Werk mit Altar, Ambo, Kreuz, Weihwasserbecken und Portal befindet sich in einer ehemaligen Zisterzienserkirche in Otterberg bei Kaiserslautern. Drei Jahre hatte er daran gearbeitet.

Kulturpreis-Gewinner

1981 gewann Henger den Kulturpreis der Städte Ravensburg und Weingarten. Ausgestellt hat der öffentlichkeitsscheue, tief religiöse Bildhauer, der zu den Stillen im Land zählte, nur selten. Bronze und Stein waren die zentralen Materialien, mit denen Henger Tabernakel, Taufbrunnen und Osterleuchter, Portale, Altäre und Heiligenfiguren schuf. Viele Kirchenneubauten, vor allem der 1970er-Jahre in der Diözese Rottenburg-Stuttgart und weit darüber hinaus, tragen seine Handschrift.

Auch 1983 erhielt Henger den Kulturpreis der Städte Ravensburg und Weingarten. Dass seine Werke bei neueren Renovierungen teilweise wieder weichen mussten, habe den Künstler sehr ­geschmerzt, wie Siegfried Kasseckert, ein Kenner von Josef Henger, erzählt.

Typisch waren für Henger filigrane Figuren mit markanten Gesichtern, "die oft tänzerisch daherkommen und sich nicht selten in einem barocken Schau- und Bühnenraum in ekstatischer Verzückung präsentieren", beschreibt ­Kasseckert. Aus seiner tiefen Religiosität heraus interpretierte Henger aber auch klassische Darstellungen neu.

Bei dem acht Meter hohen Kreuz in der Weingartener Kirche St. Maria löst sich eine Hand Jesu vom Balken. Der Gekreuzigte wendet sich ganz den Menschen zu. Auch das Blut Christi, das in Weingarten besonders verehrt wird, fließt in Bronze gegossen aus seiner Seitenwunde.

Wie schon gesagt, war Josef Henger ein Kind Empfingens. Henger hat auch in Empfingen künstlerische Spuren hinterlassen, so bei der Kirchenrenovation 1961 bis 1963. Im Jubiläumsbuch zu 150 Jahre Pfarrkirche Sankt Georg heißt es: "Der Hoch­altar wurde aus rotem Marmor aus Verona geschaffen." Weiter ist in diesem Jubiläumsbuch zu lesen: "Bei der Kirchenrenovation 1999 bis 2001 wurde dieser Hochaltar entfernt und durch den neuen Volksaltar aus Maulbronner Sandstein ersetzt."

Grabstein gefertigt

Dieter Reich, ein Ur-Empfinger, erinnert an eine Begebenheit, aus der heraus ein Grabstein aus der Hand von Josef Henger entstand, der noch heute im Heimatmuseum zu sehen ist. Da heißt es: "An der Fasnet 1954 hat die Kameradschaft Jahrgang 1931 auf den Lkw von Otto Kleindienst die ›Alt Weiber Mühle‹ geladen und wollte zum Fasnetsumzug nach Ergenzingen. Unter der Bahnunterführung in Eutingen hat Egon Brenner oben aus dem Trichter rausgeschaut, dabei hat er sich am Brückenunterbau den Kopf angeschlagen und sich tödlich verletzt. Sein Kamerad Josef Henger hat dann ihm diesen Grabstein anfertigt." Nach vielen Jahren ist dieser Grabstein auf dem damaligen Schuttplatz Hochgericht entsorgt worden. Vor rund 30 Jahren haben Dieter Reich und sein Bruder Günther diesen Grabstein geholt, aufbewahrt und später ins Heimatmuseum gebracht. Ist dieser Grabstein doch auch ein Teil der Empfinger Heimatgeschichte.

In Empfingen gibt es noch weitere Spuren des Schaffens von Josef Henger, so ein Kreuz zwischen zwei Linden auf dem Horber Weg. Auf der Tafel ist zu lesen: Gestiftet von Katharina und Hildegard Gaus, dies 1991.

Im Friedhof steht der "auferstandene Christus", gestiftet von Julius Bauer, 1975 gefertigt aus Rot-Lava von Bildhauer Josef Henger, Ravensburg. In der St. Georgs-Kirche gibt es noch das Taufbecken.

Um den Ehemann, Vater und Opa trauern seine Ehefrau Ans, vier Kinder Karl, Cäcilia, Raphaela und Tobias mit Familien, darunter elf Enkel.

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