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Empfingen Viel schwäbischer Humor und Selbstironie

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Die "Schrillen Fehlaperlen" als "Village People" mit ihrem Hit "YMCA". Fotos: Schwind Foto: Schwarzwälder Bote

Man nehme einen Gitarrenspielenden Mann, dazu vier Grazien, die der schwäbischen Sprache singend mächtig sind, spitze die Ohren für Geschichten, die das Leben so schreibt und mixe diese mit bekannten Songs. So machen es die "Schrillen Fehlaperlen".

Empfingen. So etwa muss es vor rund 24 Jahren gewesen sein. Eigentlich sollten die heutigen "Schrillen Fehlaperlen", damals allerdings noch zu siebt mit choreigenen Pianisten als Gast bei der Weihnachtsfeier ihre Chores "imPuls" aus Neufra auftreten. Aber dabei blieb es nicht. So traten sie bei Privatfeiern, Firmenfeiern oder als kurze Einlagen beim Fasching auf. Ihr Pianist forderte aber mehr Gage, die sie nicht zahlen konnten. Deshalb brauchten sie einen Ersatz. Da lag es natürlich kostengünstig nahe, dass Tine Daikeler als Ledige in der Gruppe den Chorgitarristen Ferdi Riester im September 1999 heiraten musste. Damals wusste noch niemand, dass ihre Karriere ein Selbstläufer werden soll und durch die Decke geht. Besonders in den Jahren 2017/2018/2019 überschlugen sich die Ereignisse, plötzlich wurde das Radio auf die inzwischen nur noch fünf aufmerksam und recht bald ging es ins Fernsehen zum SWR. Heute touren sie Hallen füllend durch das Land und erfreuen nicht nur ihre eignen Anhänger.

Die "Schrillen Fehlaperlen" bezeichnen sich aber heute noch selber als "Laienchor" und "Hobbygruppe". Die Basis ihrer musischen Darbietungen erklären sie so: "Wir wollen unterhalten, keine politischen Spitzfindigkeiten unters Volk bringen – dafür sind wir nicht intelligent genug" – und das im breitesten schwäbisch und zu Songs mit Ohrwurmcharakter. Woher die Truppe kommt, erklärt schon ihr Name: Fehla ist ein Fluss, welcher durch Burladingen, Gauselfingen und Neufra fließt. Ferdi Riester rät zum googeln, hinfahren lohne sich nicht.

Gleich zu Beginn des Programms in der Empfinger Täleseehalle, noch bevor die Künstler auf die Bühne kamen, gab es eine kleine Kostprobe von Selbstironie. "Meine Damen und Herren, aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Künstler ließ auch ihr Gehör nach – wir bitten sie daher, immer besonders laut zu applaudieren", so eine Aufforderung aus dem Saal-Lautsprecher. Und entsprechend stürmisch war dann auch der Auftakt. Da gab es kein warm klatschen, nein das Publikum ging gleich von null auf hundert und das auch noch Textsicher. Mitgebracht hatten die "Perlen" ihr neuestes Programm "Sapperlot" mit dem gleichlautenden Eröffnungslied "Sapperlot, Jesses Gott, Stugart Heidenei – geh komm, verzähl und lass me gau."

Immer wieder verschwindet der weibliche Teil der "Fehlperlen" zum Umziehen hinter die Bühne. Ihr Kleiderschrank reichte von bieder, volkstümlich mit Dirndl bis schrill und glitzernd im Pailletten-Abendkleid. Dazwischen zeigte der Gitarrist Ferdi Riester sein Talent als Gitarren- und Gesangsvirtuose. Spätestens mit ihrem eigenen Knallerlied, "mir roichts, dass i woiß, dass i keet, wenn i wed", gab es kein Halten mehr bei den Zuschauern.

Männer zum Bestellen

Das Publikum durfte auch erfahren, dass schwäbisch und eine afrikanische Sprache gar nicht so unterschiedlich sind, vor allem nicht mehr nach drei Viertele Trollinger. Das Gesangsquartett aus dem Fehlatal wünschte sich Männer zum Bestellen über Amazon oder Zalando, also schlicht einen "Traum von Mann, der nicht nur will, sondern kann". Vor dem weiblichen Teil der "Fehlaperlen" musste aber auch gewarnt werden, besonders wenn man mit ihnen verheiratet ist. Im Quartett in Trauerkleidern singen sie über die Todesarten, die ihre Männer ereilt hatten. Wurstsalat mit Zyankali, defekte Bremsleitungen wegen Fremdgehens, ins Küchenmesser gefallen, weil die Mutter anscheinend besser kocht, und als Strafe für die Jagdleidenschaft wurde er zur abgeschossenen Wildsau. Aber die Trauer der Frauen hielt nicht lange an und so signalisierten sie bald wieder mit ihrem Lied "Wieder mal sind wir zu haben" durchaus wieder ein Interesse an Männern.

Große Klasse war das, was Karin Daikeler, Bianca Henkel, "Babs Rock" und das Ehepaar Tine und Ferdi Riester in zweieinhalb unterhaltsamen Stunden präsentieren. Von Anfang an ging das Publikum bei den Vorträgen der vier Sängerinnen mit, es wurde applaudiert, gelacht, geklatscht und lauthals Zugaben gefordert. Die Fünf vom Fehlatal freuten sich sichtlich, das erste mal seit Februar wieder auf der Bühne zu stehen.

Für die Empfinger Kleintierzüchter war es keine Frage, die schon lange geplante Veranstaltung von der Feuerwehr zu übernehmen. Ein Veranstaltungsverbot für die Feuerwehren, von der Landesregierung erlassen, zwang die Empfinger Feuerwehr zu diesem Schritt. Leider durften aus Gründen von Corona und dem Abstandsgebot nur 220 Besucher in die Täleseehalle.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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