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Empfingen Lärm treibt Anwohner weiter in den Wahnsinn

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Mit einem Schallmesser hat die Redaktion untersucht, wie laut es im Wohngebiet Reichenhalden wirklich ist. Das Foto mit dem abgebildeten Wert ist am Vormittag entstanden. Foto: Begemann

Empfingen - Unterschiedliche Gutachten kommen zu verschiedenen Ergebnissen im Lärm-Streit um die Shell-Tankstelle. Die Gemeinde hofft, mit rechtlichem Beistand weitere Lkw-Stellplätze zu verhindern. In der Zwischenzeit gehen verärgerte Bewohner aus Reichenhalden mit ihren Möglichkeiten gegen die Lärmbelästigung vor.

Besonders abends und nachts treibt der Lärm von an der Shell-Tankstelle parkenden Lkw manchen Anwohner der Siedlung Reichenhalden zur Weißglut. Ein Bewohner, der die Gemeinderatssitzung besucht, in der es um die Bebauungsplanänderung für das betroffene Autobahnkreuz Südost geht, sagt im Gespräch mit unserer Zeitung: "Ich habe schon die Polizei wegen Ruhestörung angerufen." Besonders störend seien die Kühlaggregate der Lkw, die die ganze Nacht über laufen. Die Polizei nehme die Anrufe ernst und schaue sich die Situation auf dem Lkw-Stellplatz an der Tankstelle an. Entsprechende Verwarnungen seien ausgestellt worden, erzählt der Reichenhaldener.

Doch die Beschwerden einzelner Empfinger sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Deshalb möchte die Gemeindeverwaltung verhindern, dass Shell die Zahl der Stellplätze für Lastwagen von 17 auf 50 erhöhen kann. In einem Gemeinderatsbeschluss hat der neu gewählte Rat die Änderung des Bebauungsplans Autobahnkreuz Südost beschlossen. Ein dringend notwendiger Schritt, wie der von der Gemeinde hinzugezogene Rechtsanwalt Reinhard Sparwasser unserer Zeitung in einem Interview sagte: "Der aktuelle Bebauungsplan wurde vom Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg für nichtig erklärt. Er muss durch einen neuen ersetzt werden. Er soll die nötige städtebauliche Ordnung gewährleisten, die planerischen Vorstellungen der Gemeinde zur Geltung bringen und die Anwohner vor weiterem Lärm schützen. Ohne Bebauungsplan ist die Erweiterung vielleicht zulässig, sobald die bis Ende Juli befristete Veränderungssperre ausgelaufen ist. Darauf wartet Shell sicher schon. Rechtzeitig vorher muss der neue Bebauungsplan in Kraft getreten sein."

Anwalt ist optimistisch

In der Gemeinderatssitzung am Dienstag, in der das Gremium die Änderung des Bebauungsplans absegnet, gibt sich Sparwasser optimistisch. Er sagt: "Wenn wir alles richtig machen, sollte nichts passieren." Große Differenzen gibt es derzeit aber noch zwischen unterschiedlichen Gutachtern. Ingenieur Gebhard Gfrörer sagt in seiner Vorstellung der Gutachterergebnisse: "Die Gutachter von Shell gehen von falschen Zahlen aus. Sie gehen von 50 Stellplätzen gemäß Bauantrag aus." Und es kommt noch dicker: Laut Shell sei Reichenhalden gar kein Wohngebiet, sondern nur ein Mischgebiet. Für die Gemeinde Empfingen ist Reichenhalden aber definitiv ein Wohngebiet. Hauptamtsleiter Theo Walz sagt: "Reichenhalden ist ein Allgemeines Wohngebiet. Dort sind Lärmwerte von 55 Dezibel am Tag und 40 in der Nacht zulässig. Der Bebauungsplan für Reichenhalden ist aus dem Jahr 1965 und damit älter als das Gewerbegebiet." Shell gehe wohl davon aus, dass nach dem Gewerbegebiet, in dem die Tankstelle steht, erst einmal ein Mischgebiet kommt. Im Mischgebiet sind 60 Dezibel tagsüber und 45 Dezibel nachts zulässig.

Gfrörer und Sparwasser bezeichnen das Shell-Gutachten als "Milchmädchenrechnung". Denn die Gutachter hätten den Verkehrslärm nur an einem bestimmten Knotenpunkt gemessen. Was die Empfinger außerdem ärgert: Schon jetzt würden mehr Lastwagen als erlaubt an der Tankstelle parken.

Ausgang ist offen

Bei der Diskussion im Gemeinderat merkt Armin Hellstern an: "Das Gewerbegebiet ist noch gar nicht voll." Weitere Betriebe könnten sich in Zukunft ansiedeln, bestehende Firmen sich entwickeln. In der Folge entstünden mehr Arbeitsplätze und damit auch wieder mehr Verkehr. Daher sei es sinnvoll, nicht schon jetzt die maximal erlaubte Lärmgrenze zu erreichen.

Empfingens stellvertretender Bürgermeister und Gemeinderat Xaver Kleindienst stellt die Frage "Wie geht es weiter?" und gibt auch gleich eine Antwort dazu. "Ich war beim ersten Mal vor Gericht dabei. Man muss das akzeptieren, was kommt. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, ob das die Lösung ist, wissen wir noch nicht."

Test mit Schallmesser

Wie hoch die Lärmbelastung für Anwohner in Reichenhalden und das Hotel Empfinger Hof ist, hat sich die Redaktion des Schwarzwälder Boten vor Ort angeschaut. Der erste Test: kurz vor der Nachtruhe, 21.30 Uhr in Reichenhalden. Zu hören ist hauptsächlich die Autobahn. Auf einem Schallmesser bewegt sich die Nadel meist um die 40 Dezibel. Mal sind es 37, dann 40, auch einmal kurz 50 Dezibel, wenn aus der Ferne ein Lkw zu hören ist. Werte, die teilweise schon mit der Geräuschkulisse in einem Büro vergleichbar sind. Entspannt auf dem Balkon zu sitzen oder bei offenem Fenster zu schlafen erscheint hier weniger angenehm. Fazit: Der für ein Allgemeines Wohngebiet vorgeschriebene Maximalwert von 40 Dezibel kann nicht eingehalten werden. Die Geräuschkulisse entspricht eher den Werten in einem Mischgebiet.

Am nächsten Morgen ist die Belastung leicht höher, da in der Nähe Bauarbeiten im Gange sind und allgemein mehr Betrieb ist.

Noch unangenehmer ist die Lärmsituation aber am Hotel Empfinger Hof. Hoteldirektor Uwe Naeter sagt im Gespräch mit unserer Zeitung: "Drei Viertel unserer Fenster sind zur Tankstelle gerichtet." Er habe schon in jedem der Zimmer übernachtet. Der zulässige Lärmpegel werde "permanent überschritten", zumal schon jetzt mehr Lastwagen als erlaubt dort parken würden. Besonders störend seien die Generatoren der Lkw, wobei die Stärke der Belastung am Hotel auch von der Windrichtung abhängig sei, sagt Naeter. Die Autobahn nehme er hingegen nur als ein Grundgeräusch und weniger störend wahr.

Der Dezibel-Test am Tag vor der Hotel zeigt: Sobald ein Lkw zur Tankstelle abbiegt, ist die Nadel des Schallmessers gleich bei 55, 60 oder gar 70 Dezibel. Für Gewerbegebiete liegt der Richtwert bei 65 Dezibel tagsüber und 50 Dezibel in der Nacht.

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