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Empfingen Kein Urteil, aber historische Einblicke

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Empfingen/Horb. Das war damals ein Krimi um den Verkauf des Hotels Empfinger Hof vor gut zwei Jahren. Mittendrin: Der Immobilienvermittler Peter G. (47, Name geändert). Er versuchte damals, Investoren zu finden. Jetzt steht er vor Gericht, weil er den Ex-Besitzer des Hotels betrogen haben soll.

Peter G. kommt in Handschellen in das Amtsgericht Horb. Gerade sitzt er in der JVA Rottenburg, weil ihn das Amtsgericht Hechingen zu neun Monaten wegen Betrugs verurteilt hat.

Und jetzt noch mal eine Betrugsanklage: Weil der Immobilienvermittler Darlehen vom Ex-Besitzer des Empfinger Hofs in Höhe von 5350 Euro nicht zurückbezahlt hat. Auch die Hotelrechnung in Höhe von 3821 Euro – noch offen. Ist er auch hier ein Betrüger?

Fakt ist: Peter G. war einer der zentralen Figuren beim Verkauf des Empfinger Hofes. Das bestätigen sowohl der ehemalige Hotelbesitzer und G. Der Ex-Hotelbesitzer: "Eigentlich wollte ich das Hotel damals nicht verkaufen, sondern meinen Kindern geben. Als sich mein Sohn allerdings dagegen entschieden hat, weil ihm Empfingen zu eng war, war das der ausschlaggebende Grund, doch zu verkaufen!"

Im Empfinger Hof war damals Peter G. zu Gast. Immer wieder auch mit Gästen, mit denen er Deals machte. Grundstücke für Supermärkte zu entwickeln war unter anderem sein Geschäft.

Ende Dezember 2016 hatte ihn seine Frau zu Hause rausgeschmissen, wie Peter G. erzählt. Der Ex-Hotelbesitzer sagte: "Ich helf Dir, bei uns kannst Du unterkommen", wie G. erzählt. Und weil G. damals ein Grundstücksgeschäft mit den Kuranyis (Fußballerfamilie aus Stuttgart, prominentestes Mitglied: Kevin Kuranyi) laufen hatte und nicht an das Geld herankam, pumpte ihm der Ex-Hotelbesitzer gleich mal 2500 Euro.

Richter Trick bestätigt, dass es laut "Inso-Akten" ein Grundstücksgeschäft mit einer Summe von 800 000 Euro gibt. Im Zusammenhang mit dem Namen Kuranyi scheint G. also kein Hochstapler zu sein.

Verhandlungen geführt

Peter G.: "Ich wurde dann vom Ex-Besitzer damit beauftragt, mögliche Käufer für das Hotel zu finden. Ich habe die wesentlichen Themen verhandelt – mit Fachfirmen das durchprojektiert. Mit der Gemeinde verhandelt wegen der Genehmigungen. Und mit den Banken." Peter G.: "Dazu habe ich im Empfinger Hof immer mit angepackt. Draußen mähen, Autos tanken, Stühle und Tische für Veranstaltungen am Wochenende auf- und wieder abbauen."

Im Juli 2017 unterzeichnet der Immobilienvermittler einen Darlehensvertrag mit dem damaligen Hotelbesitzer. Richter Albrecht Trick: "Im Darlehensvertrag ist keine Rückzahlungsfrist genannt." Peter G.: "Mir war immer klar, ich werde das regulieren." Sein Verteidiger Michael Noll: "Mein Mandant ist ein Stehaufmännchen. Mal hat er Geld, mal hat er keins. Er hat sich von vielen Geld geliehen, aber auch wieder zurückgezahlt!"

Investoren besorgt

Insgesamt besorgt Peter G. mehrere Investoren für den Empfinger Hof. Der ehemalige Hotelbesitzer erinnert sich: "Zwischen Peter und mir gab es keine Geheimnisse. Zum Schluss habe ich ihm gesagt: Ich vertraue Dir nicht mehr. Du bringst mir keine guten Investoren. Entweder lieferst Du mir zu einem bestimmen Termin einen guten oder das war es!"

Der Immobilienvermittler schafft auch das. Der ehemalige Hotelbesitzer: "Der hat mir gar nicht gepasst. Das war ein Lebemann. Unten waren seine Frau und Kinder einquartiert, oben hatte er ein Zimmer für sich und seine Freundin. Er wollte mir auch Bargeld geben unter der Hand!"

Richter Trick wollte noch wissen, ob Peter G. mit ihm eine Provision vereinbart hat bei einem erfolgreichen Verkauf. Der Ex-Besitzer: "Nein. Falls es die gibt, muss Peter sie von seinen Käufern holen."

Nach dem geplatzten Deal mit dem "Lebemann-Investor" verschwand Peter G. Auch die Hotelrechnung blieb offen.

Richter Trick: "Haben Sie versucht, mit Peter G. Kontakt aufzunehmen?" Der Ex-Besitzer: "Ich habe das meinem Steuerberater übergeben. Der hat über einen Rechtsanwalt herausgefunden, dass Peter nicht mehr auffindbar war für eine amtliche Zustellung."

Richter Trick: "Haben Sie selbst Strafanzeige gestellt?" Der Ex-Besitzer: "Nein. Die Polizei kam auf mich zu."

Peter G. bekam das Schreiben dann im Gefängnis. Er sagt: "Da war ich sprachlos. Das war eine Enttäuschung für mich!"

Doch ist das jetzt Betrug oder nicht? Richter Trick stellt klar: "Hier geht es im Moment nur um den strafrechtlichen Aspekt. Das hat nichts damit zu tun, dass G. vor einem Zivilgericht sich mit der Forderung auseinanderzusetzen hat."

Dann treffen sich Verteidiger und die Staatsanwältin mit Trick zum Verständigungsgespräch. Um 11.07 Uhr verkündet der Direktor des Amtsgerichts Horb das Ergebnis: Das Strafverfahren wird eingestellt. Grund: Peter G. wurde in Hechingen wegen Betrugs schon zu neun Monaten Freiheitsstrafe verurteilt, die er auch vollständig absitzt.

Da ein Urteil des Amtsgerichts Horb noch mit der Strafe aus Hechingen zusammen bewertet werden müsste und einige Zeugen noch gehört werden müssen, mache es eher wenig Sinn, anhand der bisherigen Beweisaufnahme, das Verfahren weiter zu verfolgen. Nach Rücksprache mit Oberstaatsanwalt Christoph Kalkschmid stimmt die Staatsanwältin zu. Peter G. sagt noch: "Vielen Dank" und hebt den Daumen.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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