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Empfingen Kameraden tricksen Gendarm aus

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Werner Baiker berichtet im Empfinger Narrenheim aus der Fasnetsgeschichte. Foto: Baiker Foto: Schwarzwälder Bote

Thomas Joachim, Vorsitzender der Kulturgemeinschaft Empfingen, konnte zu einem Vortrag von Fasnetsprofessor Werner Baiker im Zunftheim viele Zuhörer, darunter viele ausgewiesene Fasnetskenner, begrüßen.

Empfingen. Dass die Empfinger Fasnet schon sehr alt ist, eine sehr lange Tradition hat, zeigt sich immer wieder durch auch zufällige Funde in Archiven. So entdeckte Fasnetsforscher Werner Baiker, auch bekannt als Fasnetsprofessor, wenige Tage vor Weihnachten 2014, im Stadtarchiv in Marbach eine Geschichte, die ihm zunächst die Sprache verschlagen habe. Erzählte sie doch vom Fastnachtstreiben im Empfinger Flecken in den Jahren 1894 und 1904. Handschriftliche geschrieben wurde sie von Wilhelm Schenk. Er wurde 1879 in Empfingen geboren, starb 1953 in Ludwigsburg. Da er in der SPD war, wurde er im Dritten Reich im Konzentrationslager auf dem Heuberg in Schutzhaft genommen. Nach dem Krieg wurde er in Marbach Bürgermeister, dies von 1946 bis 1948. Einen Monat vor seinem Tod erhielt er noch das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um den Wiederaufbau der Stadtverwaltung nach dem Zusammenbruch. In Schramberg lernte er den Beruf des Bildhauers. "Die Vergeltung" – eine Empfinger Fasnetsgeschichte ist eine Jugenderinnerung von Wilhelm Schenk, die er um die Zeit des Erster Weltkriegs niedergeschrieben hat und die 1894 und 1904 spielt. Diese Erinnerung wurde nicht im Stil eines Historikers geschrieben, sondern als Beteiligter in der damaligen Fasnetszeit, also mit viel Herzblut.

Für Werner Baiker wurde damit auch vieles bestätigt, was er im Buch "Oh Latschaboo-oh Schaluschee – ein bunter Streifzug durch die historische Empfinger Fasnet" (Herausgeber ist die Narrenzunft und Trachtengruppe Empfingen und Heimatkreis Empfingen im Dezember 2000) nach mündlichen Überlieferungen festgehalten hat.

Schwieriges Verhältnis

In der Fasnetsgeschichte von Wilhelm Schenk wird das Leben in dieser Zeit präzise widergespiegelt, auch das schwierige Verhältnis Obrigkeit und Fasnet. Auch die Fleckenfasnet wurde beschrieben, insbesondere für die schon damals existierenden Kameradschaften ein wichtiger Zeitabschnitt. Wilhelm Schenk selbst gehörte der Kameradschaft Matrosen an.

Übrigens, der Alltag von 1894 sah so aus: Das Wasser für den Haushalt muss vom Brunnen geholt werden. Kühe treibt man dreimal am Tag zum Trinken an den Brunnen.

Kurz zum Inhalt: Wilhelm Schenk war schon als Jugendlicher ein Experte im Peitschenknallen. Dazu fehlte nur eine eigene Peitsche. Um diese käuflich zu erwerben, hatte er alle möglichen Einfälle, um an das notwendige Geld zu kommen, die aber nicht zum Erfolg führten.

Über das Verhältnis zwischen Fasnet und Obrigkeit ist zu lesen: "Die Fasnetszeit war in Empfingen seit jeher ein bewegtes, mit viel Geräusch verbundenes Leben. Die Fastnachtsbräuche waren seit altersher genau geregelt und wurden jedes Jahr wiederkehrend eingehalten. Die männliche Jugend vom fünfzehnten bis zum zwanzigsten Lebensjahr beteiligte sich, in einzelne Jahrgangskameradschaften zusammengezogen am sogenannten Butzenspringen. Am Donnerstag vor dem Fastnachtssonntag, dem "ruaßiga" oder auch "schmotziga Dauschtig" genannt, begann die Fastnacht." Weiter ist festgehalten: "Einer unserer Lehrer, Paul Gauggel, hatte eine Nordstetterin geheiratet. Es war eine reiche Bauerstochter. Diese Lehrersfrau brachte auch empfindliche Nerven mit in die Ehe. Das Peitschenknallen verursachte ihr Migräne. Sie beschwerte sich beim Bürgermeister (Max Gaus, Bürgermeister von 1877 bis 1898). Und es gab am Samstag der Amtsbote, der gleichzeitig Polizeidiener war, mit klingender Schelle und überlautem Ausruf den horchenden Bürgern kund und zu wissen: ›Das abscheuliche Butzenspringen, Peitschenknallen und ruaßig machen ist verboten und wird ab jetzt mit drei Mark bestraft.‹ Dieses Verbot galt auch noch 1904, als Schenk einen Besuch in der Heimat machte." Diese Bekanntmachung habe einen Aufruhr im Dorf ausgelöst. Und so habe es Überlegungen und Aktionen gegeben, bei denen die Kameradschaften engagiert beteiligt waren, dieses Verbot zu kontern – daher auch der Titel der Geschichte "Die Vergeltung".

Vergeltung 1904

Weiter heißt es: "Der Gendarm wollte also 1894 die Fasnet unterbinden und untersagte, mit Peitschen zu knallen und im Ort herumzuziehen. Das ließen sich jedoch die Empfinger Kameradschaften nicht gefallen. 1904 kam es zur Vergeltung. Die Kameradschaften tricksten am Fastnachtsmontag den Gendarmen aus: Sie liefen in einzelnen Gruppen und mit einigen Zeitabständen aus verschiedenen Richtungen am Rathaus vorbei, knellten und suchten danach im Laufschritt in verschiedene Richtungen das Weite – so dass der Gendarm keinen von ihnen erwischen und zur Rechenschaft ziehen konnte."

Plätze und Gebäude aus dieser Fasnetsgeschichte waren das Wohnhaus von Vinzenz Schenk, in dem heute Thai-Massage angeboten wird, die Lehrerwohnung, Gasthaus Adler, Poststelle Bürkle, heute eine Fahrschule, Gasthaus Rößle, heute die Volksbank), Pfarrscheuer, heute Parkplatz bei der Kirche, Gasthaus Hirsch, heute Kreissparkasse, Nopel-Haus, Adlerbrunnen, heute eine Versicherung, Weihergasse (Mühlheimer Straße), Damperloch (Haigerlocher Straße), Dorf (Dettenseer Straße), Ziegelhütte (Horber Straße), Hurengässle (Gartenstraße). In einer Powerpoint-Präsentation zeigte Werner Baiker auf, wo welche Häuser von damals standen beziehungsweise, was an diesen Plätzen heute steht.

Im Blick auf die Schwäbisch-Alemannische Fasnet hat der Inhalt der Geschichte ebenfalls seinen Wert, denn neben dem peitschenknallenden "Butz" (Kneller) und dem Schwarzmachen der Frauen mit Pfannenruß durch die Hexen am "Ruaßiga Dauschtig", wird auch das Auftreten der "Hexe mit Ofengabel" und dem Bäuerle beschrieben, so Werner Baiker.

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