Beatrice Mayle ist Jugendreferentin in Empfingen.Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Interview: Empfingens neue Jugendreferentin Beatrice Mayle stellt ihre Pläne vor / Ferienprogramm soll ausgeweitet werden

Beatrice Mayle ist seit Oktober des vergangenen Jahres die neue Jugendreferentin der Gemeinde Empfingen und bringt viele neue Ideen mit. Wir haben mit ihr über ihre Pläne gesprochen.

Frau Mayle, gegenüber dem Gemeinderat haben Sie angekündigt, das bestehende Streitschlichtungsprogramm auszuweiten. Was muss man sich darunter vorstellen?

Das Programm ist vor allem für ältere Schüler gedacht. Sie werden so geschult, dass sie auf dem Pausenhof als Ansprechpartner für andere, meist jüngere Schüler auftreten können. Wenn es Streit gibt, müssen die Kindern nicht gleich zum Lehrer gehen, sondern können sich an ihre Mitschüler wenden, die dann vermitteln.

Das Programm gab es ja schon unter Ihrer Vorgängerin...

Genau. Bisher wurden die Kinder immer an einem Vormittag zu Beginn des Schuljahres zu Streitschlichtern ausgebildet. Ich möchte nun mehrere Termine über einen Zeitraum von zwei Monaten anbieten.

Wozu wollen Sie die zusätzliche Zeit nutzen?

Der Fokus soll künftig nicht mehr nur allein auf Streit und Konflikt liegen, sondern auf ein gutes Miteinander erweitert werden.

Was hat man sich darunter vorzustellen?

Damit soll erreicht werden, dass es möglichst erst gar nicht zum Streit kommt. Die älteren Schüler sollen einen Blick darauf haben, wer sich nicht gut fühlt und dann auf diese Mitschüler eingehen, bevor es Streit und Konflikte gibt.

Sollen diese Schüler dann als Aufpasser die Lehrer unterstützen?

Nein, das ist nicht die Absicht, ganz im Gegenteil. Wir wollen bei den Kursen den Streitschlichtern bewusst machen, dass sie nicht wie Lehrer oder Pausenhof-Polizisten auftreten sollen. Sie sollen sich nicht wertend oder sanktionierend verhalten.

Sie wollen auch die Mitarbeiter der Ganztagsschule fortbilden.

Ja, bereits letztes Jahr habe ich in Kooperation mit der Schule schon einen Termin mit allen Mitarbeitern gehabt, von den Lehrkräften bis hin zum Küchenpersonal. Wir haben darüber reflektiert, was läuft gut und was läuft nicht so gut. Und wir haben uns dazu entschieden, so ein Treffen zweimal im Jahr zu machen.

Wozu ist denn das nötig? Gibt es wirklich pädagogische Aspekte bei der Arbeit in der Schulküche?

Auch das Küchenpersonal steht im Kontakt mit den Kindern. So gab es das Problem, dass wenn einige Kinder an der Essensausgabe anstehen, das mit einer großen Lautstärke verbunden ist. Wir haben darüber gesprochen, was man ändern kann, damit der Lärm nicht ganz so groß ist.

In den letzten Monaten scheint es in Empfingen ja ein gewisses Problem mit Graffiti auf öffentlichen Gebäuden zu geben. Auf Facebook finden sich immer wieder wütende Beiträge von Bürgermeister Ferdinand Truffner, in denen er die Fälle dokumentiert. Können Sie als Jugendreferentin etwas dagegen unternehmen?

Bei der sogenannten aufsuchenden Jugendarbeit versuche ich Kontakte mit den Jugendlichen zu knüpfen. Durch Corona ist das allerdings schwierig. Aber steht derzeit auch noch nicht fest, ob der oder die Täter überhaupt Jugendliche sind.

Wäre es auch denkbar, die Kreativität der Jugendlichen in andere und damit legale Bahnen zu lenken?

Durchaus. Man könnte versuchen, in Absprache mit der Gemeinde den Jugendlichen die Möglichkeit zu geben, legal zu sprayen. Das wäre eine Möglichkeit, Sachbeschädigungen zu verhindern.

Ausweiten wollen Sie ja auch das Sommerferienprogramm. Was haben Sie da geplant?

Bisher wurden in den Sommerferien von Vereinen und Institutionen verschiedene Tagesprogramme angeboten. Diese soll es auch weiterhin geben. Zusätzlich wollen wir einen Ferienspaß anbieten, der eine Woche lang von Montag bis Freitags von morgens bis nachmittags geht. Dadurch sollen auch berufstätige Eltern entlastet werden.

Das klingt nach viel Arbeit. Wie wollen Sie das personell stemmen?

Noch steht das nicht ganz fest, wir planen noch. Auf jeden Fall werde ich selbst mithelfen und auch die derzeitigen Auszubildenden vom Rathaus werden mit dabei sein. Ich hoffe aber auch auf ehrenamtliche Helfer, dazu will ich auch Jugendliche mit ins Bot holen.

Derzeit befinden sich ja alle Schüler wieder im Homeschooling. Über die Nachteile hinsichtlich der Lernfortschritte wurde ja schon viel berichtet. Doch welche psychischen Auswirkungen hat das auf die Kinder?

Das ist von Schüler zu Schüler unterschiedlich. Als Anfang Oktober die Schule wieder losging, ist mir in einer Klasse der Grundschule aufgefallen, dass es den Schülern schwerfällt, 45 Minuten am Stück still zu sitzen. Das sind die Kinder nicht mehr gewohnt. Der Weg zurück in den Alltag ist schwer.

Was sind denn derzeit die neuesten Entwicklungen im Jugendreferat?

Seit kurzem sind wir nicht mehr nur auf Facebook, sondern nun auch auf Instagram unterwegs – in der Hoffnung, dass wir so einen besseren Draht zu den Jugendlichen finden.

Aber ist das nicht auch problematisch? Schließlich wird immer mehr vor dem Suchtpotenzial und den schädlichen Auswirkungen der sozialen Medien gewarnt.

Ich bin der Meinung, dass soziale Medien zu unserer Gesellschaft dazugehören. Ich glaube, es ist wichtig, Kinder und Jugendliche langsam und behutsam an soziale Medien heranzuführen. Man muss dabei aber sehr viel Aufklärung betreiben und der Suchtfaktor muss thematisiert werden.

Werden Sie als Jugendreferentin ist dieser Richtung etwas unternehmen?

Ich möchte einen Eltern-Infoabend zum Thema Sucht und soziale Medien anbieten. Ein Termin dafür steht aber noch nicht fest.

nDie Fragen stellte Timo Beyer.

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