Daimler blickt in die Zukunft und will emissions- und unfallfreies Fahren. Entwickelt werden sollen diese Fahrzeuge in einem neuen Prüfzentrum. Wo wird dieses aber stehen? Foto: Weißbrod

Am Mittwoch informiert Daimler in der Empfinger Tälesee-Halle über sein Prüfzentrum.

Empfingen - Am Mittwoch, 26. März, ist es soweit: Daimler informiert die Empfinger Bürger. Nicht nur vom Autobauer werden Antworten erwartet. Bürgermeister Albert Schindler hofft auch auf klare Aussagen der Bevölkerung zu dem Prüfzentrum mit Testgelände. Alles andere wäre für ihn enttäuschend.

Dabei ist es für den Schultes egal, ob die Stimmen dagegen oder dafür sind. Schließlich, so Schindler, gehe es auch darum, dass diejenigen, die über das Projekt entscheiden müssen (die meisten des Gemeinderates sind ja befangen), einen Eindruck davon bekommen, wie die Bevölkerung denkt.

Schindler vermutet, dass Daimler etwas konkreter wird, was die Beschäftigungszahlen und die genaue Größe und Lage des Prüfzentrums angeht. Bei Infoveranstaltungen in Nellingen und Merklingen (bei Ulm an der A 8), wo neben Sulz und Empfingen der dritte mögliche Standort liegt, wurde angekündigt, dass 300 Arbeitsplätze "vertraglich garantiert" werden. Dort soll, falls die Entscheidung für Nellingen und Merklingen fällt, das Prüfzentrum mit einem interkommunalen Gewerbegebiet gekoppelt werden, sodass insgesamt rund 1000 Arbeitsplätze entstehen können.

Dass eine Ansiedlung ebenfalls Bedingungen seitens Empfingens nach sich zieht, kann sich Schindler durchaus vorstellen. Die Kopplung des Daimler-Baus mit der Ansiedlung von Zulieferbetrieben im Empfinger Gewerbegebiet hält Schindler aber nicht für verwirklichbar, da man einen Betrieb schließlich nicht zwingen könnte, sich an einem bestimmten Ort anzusiedeln. Und das Ganze an die Realisierung der Nordumfahrung zu koppeln? Theoretisch denkbar wäre es. Hierzu will der Bürgermeister sich allerdings nicht näher äußern, schließlich gehört er ja ebenfalls zu den Waldbesitzern im möglichen Prüfzentrum-Gebiet und ist deswegen befangen.

Er hält fest, dass eine Ansiedlung von Daimler sowohl Chance als auch Risiko sein könne. Denn wer wisse schon, was in zehn oder 20 Jahren sein wird – wieviele Gewerbesteuern fallen wirklich ab? Siedelt sich im Zuge dessen neues Gewerbe an? Eines sei auf jeden Fall sicher: Sollte sich ein Boom entwickeln, so könne sich die Gemeinde glücklich schätzen, in der Daimler angesiedelt sein wird. Sollte das Prüfzentrum nach Empfingen oder Sulz kommen, so ist Bürgermeister Albert Schindler überzeugt, dass auch für die jeweilige Nachbargemeinde einige Brosamen abfallen. Immerhin lägen die beiden möglichen Standorte per Luftlinie gerade einmal rund drei Kilometer auseinander.

Übrigens: Einen moralischen Druck seitens des Regierungspräsidiums (RP) Karlsruhe, sich intensiver um Daimler zu bemühen, gebe es nicht, so Schindler im Hinblick darauf, dass das RP den Autobauer als Prestigeobjekt ausgemacht hat. Zumal Sulz dem Regierungspräsidium Freiburg zugeordnet ist: "Es ist unsere ureigenste Entscheidung."

Nach der Bürgerversammlung gelte es, das Gehörte zu sortieren, meint der Bürgermeister weiter im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Auch müsse mit dem Freudenstädter Landratsamt geklärt werden, wann die Befangenheit der Räte greift. Darf das Gremium noch gemeinsam über das Ergebnis der Bürgerversammlung diskutieren? Falls nicht, müsste in Zukunft ein sechsköpfiges Gremium (acht Räte und der Bürgermeister sind ja befangen) unter dem Vorsitz des zweiten stellvertretenden Bürgermeister Elmar Schmitt die Entscheidung weiter vorantreiben.

Um die Entscheidung auf einen möglichst breite Basis zu stellen, wäre auch ein Bürgerentscheid eine Option. Dies sei zulässig, falls eine wichtige Entscheidung für eine Gemeinde ansteht. Laut Landratsamt sei im Falle einer Ansiedlung von Daimler diese Voraussetzung erfüllt.

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