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Empfingen Gentleman statt kantiger Jungbauer

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Schauspieler Peter Schell bestach bei einer Matinee im Café Deko Zudrell von Sandra Glitzenhirn im Luftkurort Lützenhardt mit seiner Erzählkunst und seinem Humor und ließ hinter die Kulissen der SWR-Schwarzwaldserie "Die Fallers" blicken. Fotos: Maier Foto: Schwarzwälder Bote

Schauspieler Peter Schell, bekannt aus "Die Fallers – eine Schwarzwaldfamilie" mit einer Zuschauerzahl von einer Million pro Folge hat in Waldachtal und im Kreis Freudenstadt neue Fans gewonnen. Bei einer Matinee begeisterte Schell sein aufmerksames und interessiertes Publikum.

Waldachtal-Lützenhardt. Viele Erwartungen geweckt – Herzen gewonnen: In der TV-Schwarzwaldsaga verkörpert er den kantigen Jungbauern Karl Faller, im realen Leben gibt er sich als eleganter und charmanter Gentleman mit humorvoller Attitüde. Gespickt mit Anekdoten aus seinem facettenreichen Leben plauderte der freundliche Schauspieler aus dem Nähkästchen, aus seinem reichen filmischen Erfahrungsschatz, und garnierte den Künstler-Nachmittag mit Erzählungen, Gedichten und Balladen. Ein amüsantes und kurzweiliges Vergnügen.

Das Café Deko Zudrell im Luftkurort Lützenhardt mit seiner heimeligen Atmosphäre und einer Herzdame als Gastgeberin (Sandra Glitzenhirn) erwies sich als ideale Location. Schauspieler Peter Schell bekannte sich als Kaffeehausgänger: "Das ist eines der ganz tollsten Cafés, das ich kenne!" Und im gleichen Atemzug schwärmte er über das Landhaus am Schellenberg, wo er mit seiner Frau Claudia Nora zum dritten Mal eine Fastenwoche verbringt. "Fasten bei Hildegard Blum finde ich jedes Mal großartig", erklärte der gebürtige Schweizer. Die Fastenwoche im Landhaus am Schellenberg ist der eigentliche Grund, warum der Schauspieler nach Waldachtal kommt. Bürgermeisterin Annick Grassi freute sich über diese Künstler-Veranstaltung in ihrer Gemeinde. Überdies fand sie wie der Promi Gefallen am schnuckeligen Café: "Kleine Locations haben das gewisse Etwas. Die Leute kommen auch wegen der besonderen Atmosphäre."

Schell zählt zum Urgestein der SWR-Kultserie "Die Fallers": Er ist von Anfang an dabei. Heuer kann die Erfolgsstory 25-jähriges Jubiläum feiern. Ursprünglich war er mal Schullehrer in der Schweiz. Im Kurort an der Waldach meinte er: "Wer schauspielerisch auf sich etwas hält, spielt nicht in einer Serie, aber mir macht es Spaß!" Klappe, Ton ab und Ruhe bitte: "Wir drehen." Sehr lebendig ließ er hinter die Kulissen der Faller-Drehs blicken. "Wir drehen immer ein volles Jahr im Voraus." Die meisten Szenen der maximal 70 Drehtage pro Jahr werden im Studio des Südwestrundfunks in Baden-Baden gespielt und aufgezeichnet. Ein Beispiel: Vormittags in der Küche, nachmittags in der Stube.

Ein kleines Wagnis

Eine Serie nur auf dem Bauernhof spielen zu lassen, sei ein kleines Wagnis. "Mein Lieblingsort ist ja der Brunnengang." Auf dem Hof im Schwarzwald werden eigentlich nur die Stallszenen gedreht. "Im Sommer mussten wir immer den Winter darstellen und umgekehrt", erzählte er. Dazu seien die Dächer weiß abgedeckt worden. Als Karl habe er bei gefühlt 35 Grad in die Kamera sagen müssen: "Verdammt kalt heute." Und ein Anderer antwortete: "Es soll noch kälter werden." In einer Staffel werden meist bis zu neun Folgen eingetütet. Eine Folge nehme etwa drei Tage in Anspruch. "Siebenmal am Tag müssen wir uns am Dreh umziehen", verriet er. "Kann Karl Faller auch Schnitzen?", fragte Gretel Bohnet. Seine Antwort: "Früher konnte ich gut zeichnen." Das Darstellende liege ihm weniger. Hier bekomme er fachliche Unterstützung. Seinen jungen und beliebten Schauspielerkollegen Alessio, der bei "Die Fallers" in die Rolle von Albert schlüpft, wollte Schell als Überraschungsgast zu seiner Matinee mitbringen. Aber der war an diesem Tag mit Familie zum Wandern unterwegs. Bekanntlich hat Alessio Hirschkorn familiäre Wurzeln in die benachbarte Waldachtalgemeinde geschlagen: Seine Freundin stammt aus Salzstetten. "Unter uns Schauspielern sind wir immer gut befreundet", teilte Schell mit, der inzwischen seinen Hauptwohnsitz von Berlin nach Baden-Baden verlegt hat, um näher an den SWR-Filmstudios zu sein. Der 61-Jährige bekannte, noch möglichst lange Jungbauer in der TV-Serie "Die Fallers" sein zu wollen. Denn: "Im 25. Jubiläumsjahr 2019 haben wir ein unglaublich treues und tolles Publikum." Dabei habe eine Zeitung anfänglich nach nur drei Folgen getitelt: "100 Folgen – ein Graus?" Im Februar wurde schon die 1000. Folge ausgestrahlt. Wie lange er noch den schuftenden Jungbauer Karl Faller spielen könne, hänge von der Treue des Publikums ab. Mit seiner Rolle könne er sich gut identifizieren. Seine Großeltern seien Bauern gewesen und das bäuerliche Leben habe er im Aargau bei Verwandten kennengelernt. Schon vor den Fallers habe er ein paar Tropfen Kuhmilch melken können. In der TV-Serie erledigt ein Melkroboter diesen Job.

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Hans Bohnet von der Lützenhardter Mühle merkte an, dass es ihm als Landwirt imponiere, dass die Fallers mit der Zeit gehen und aktuelle Landwirtschafts- und EU-Politik zum Tragen komme. "Wie viel Karl steckt in Ihnen?", wollte die junge Lisa Glitzenhirn wissen, die den Schauspieler im Café ihrer Mutter Sandra Glitzenhirn komplett anders erlebte. "Mir ist der Karl sehr sympathisch als Rolle", antwortete Schell. Landwirten sei die Natur immer wichtig und sie mussten immer schon in Generationen denken. "Allein, dass ich den bekannten Lukas Ammann (Titelrolle in ›Graf Yoster‹) kennengelernt habe, hat es sich gelohnt, dass ich in die Faller-Falle getappt bin", ließ Schell tief blicken.

Der Schauspieler brillierte im Café Deko Zudrell mit der hinreißenden Rezitation ein langes deutschen Lyrik-Stücks, seiner Lieblingsballade von Bertold Brecht. Der hervorragende künstlerische Vortrag fand tosenden Beifall. Auch mit einer alemannischen Mundart-Ballade des Schwarzwälder Heimatdichters August Ganther (1862-1938), einer Pfarrer-Geschichte aus dem Markgräfler Land, wo seine Frau herkommt, regte zum Schmunzeln an. Er überzeugte auch in sächsischer Mundart. Und als Bonbon verdiente sich das Publikum das Gedicht "Der Pflaumenbaum", den der frei nach Bertold Brecht ebenso faszinierend rezitierte.

Schell informierte über sein Herzens-Projekt, die Nachsorge-Klinik Tannheim in Villingen-Schwenningen, wo schwer chronisch kranke Kinder und ihre Familie wieder Kraft und Hoffnung tanken können. Er berichtete von 70 Prozent Heilungschancen der Krebs-, Herz- und Mukoviszidose-Erkrankten. "Ich besuche die Klinik öfters, weil ich im Kuratorium bin", sagte er. Da die Klinik sehr stark auf Spenden angewiesen ist, ließ er bei der Matinee seinen Hut reihum gehen. Den beachtlichen Spendenbetrag von 500 Euro möchte er an die schwerkranken Kinder weitergeben.

Bürgermeisterin Annick Grassi und Ortsvorsteher Ludwig Blum zeigten sich wie die Gäste sehr beeindruckt von der kreativ gestalteten Matinee. Gern schrieb der Schauspieler Autogramme. Schell hat angekündigt, noch in diesem Jahr oder im Jahr 2020 wieder in Lützenhardt gastieren zu wollen. Dann mit künstlerischer Begleitung.

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