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Empfingen Er war einst Bürgermeisterkandidat

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Raimund Hellstern ist gestorben. Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Der gebürtige Empfinger Raimund Hellstern ist gestorben. Seine Beerdigung fand auf dem Friedhof in Bernhausen, einem Stadtteil von Filderstadt, statt.

Empfingen. Noch wenige Wochen vor seinem Tod, am 13. November, war es für Raimund Hellstern, der schon schwer von Krankheit gezeichnet war, ein Bedürfnis, noch ein letztes Mal den Friedhof in Empfingen zu besuchen. Bei diesem Besuch erwähnte er, dass er 1948 am Bau der Kriegergedächniskapelle half.

Hellstern wurde am 18. Mai 1927 in Empfingen geboren. Er wuchs bei seinen Eltern Raimund und Christine Hellstern im Kehlhof auf. Der Vater war Maurer und betrieb eine kleine Landwirtschaft, von der sich und die Familie ernährte. Hellstern hatte noch fünf Schwestern. Die Kinder mussten, wie es damals üblich war, in der Landwirtschaft mithelfen.

Mit sechs Jahren kam er in die Volksschule in Empfingen. Obwohl er ein sehr begabter Schüler war, wechselte er nach der vierten Klasse nicht auf die Oberschule. Es fehlte einfach am Geld. Jedoch nach acht Klassen Volksschule hat er sich durch Drängen und Förderung des damaligen Pfarrers Johann Mayer dazu bewegen lassen, in die Oberschule zu wechseln. Er musste die Aufnahmeprüfung in die vierte Klasse Oberschule schaffen. Er erhielt Nachhilfeunterricht von Pfarrer Mayer in Latein und Englisch und von Pfarrer Hiller aus Betra in Mathematik – dies alles kostenlos. Nach einem Jahr Vorbereitung bestand er mit 15 Jahren die Aufnahmeprüfung mit "sehr gut" und besuchte die Oberschule in Oberndorf. Im Sommer 1948 machte er in Rottweil sein Abitur.

Gehobener Dienst

1949 begann er beim Bürgermeisteramt in Oberndorf eine Ausbildung als Verwaltungslehrling für den Vorbereitungsdienst für die gehobene nicht technische Laufbahn. Am 31. Januar 1952 beendete er seine Lehrzeit und setzte als Verwaltungskandidat seinen Vorbereitungsdienst fort, und zwar als Gehilfe in Sulz beim Verwaltungsaktuar. Ab 1. Mai 1953 folgte eine Anstellung beim Landratsamt Horb als Kanzleigehilfe. Vom Mai 1954 bis März 1955 besuchte er die Verwaltungsschule Haigerloch und legte dort die Prüfung für den gehobenen Verwaltungsdienst ab.

Aus seinen akribisch abgelegten Unterlagen lässt sich folgendes herauslesen: Während seines Lehrgangs für den gehobenen Verwaltungsdienst an der staatlichen Verwaltungsschule Haigerloch wurde Raimund Hellstern von Dollmann, Geschäftsführer des Gemeindetages Württemberg-Hohenzollern und auch Lehrer an der Staatlichen Verwaltungsschule Haigerloch, darauf angesprochen, ob er sich nicht bewerben möchte. Am 12. April 1955 begann Hellstern als Verwaltungsinspektor beim Gemeindetag Württemberg-Hohenzollern (später "Württembergischer Gemeindetag") dem kommunalen Spitzenverband der Städte und Gemeinden bis 20 000 Einwohner, der die Aufgabe hat, deren Interessen gegenüber dem Landtag und den Regierungsstellen zu vertreten.

Bis 31. März 1970 war er dort beschäftigt, zuletzt als Oberamtmann. Zwischendurch kandidierte Hellstern 1965 gegen Reinhold Köhler um das Amt des Bürgermeisters in Empfingen als Nachfolger von Rudolf Hipp. Damals gewann Köhler.

Viele Nebentätigkeiten

Zum 1. April 1970 wechselte Hellstern anlässlich des Zusammenschlusses der drei bis dahin eigenständigen kommunalen arbeitsrechtlichen Vereinigungen in Baden-Württemberg zum kommunalen Arbeitgeberverband Baden-Württemberg als Verwaltungsrat. Dort war er bis zu seinem Ruhestand am 31. Mai 1992 beschäftigt, dies zuletzt als leitender Verwaltungsdirektor und stellvertretender Geschäftsführer. Auf Teilzeitbasis arbeitete er bis zum 70. Lebensjahr weiter.

Nach seiner Pensionierung bereiste er die ganze Welt. Aufgrund seiner großen Fachkenntnis war Hellstern für Nebentätigkeiten sehr gefragt. So arbeitete er bis zum 80. Lebensjahr unter anderem an einem Kommentar zu Beihilferecht in Baden-Württemberg sowie am Standardwerk zum Landesbesoldungsrecht, dem Handbuch des Besoldungsrechts in Baden-Württemberg.

Hellstern war auch ehrenamtlicher Richter beim Arbeitsgericht Stuttgart, beim Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, beim Sozialgericht Stuttgart und beim Landessozialgericht Baden-Württemberg, dies insgesamt von 1974 bis 1999.

Zurück zu seiner Lebensvita: Fast am Ende des zweiten Weltkriegs wurde er 1945 als Flakhelfer in Oberndorf eingesetzt. Wegen einer schweren Mittelohrentzündung blieb ihm die Einberufung als Soldat erspart.

Er war in seiner Jugend aktiver Sänger im Männergesangverein Empfingen. Am 5. Juli 1958 hat er Erika Ramjoue aus Trillfingen geheiratet. Das junge Paar hat sich in Bernhausen niedergelassen, wo sie zunächst in Miete wohnten. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, zwei Töchter und zwei Söhne. Hinzu kamen zwei Enkelkinder. 2018 durften Raimund und Erika die diamantene Hochzeit feiern. 1967 entschloss sich das Ehepaar, in Bernhausen einen Bauplatz zu kaufen und ein Haus zu bauen.

Hellstern war in Bernhausen lange Jahre Kirchengemeinderatsvorsitzender. Das Ehepaar Hellstern war bei kirchlichen Veranstaltungen immer sehr engagiert.

Hellstern ist am 25. Januar Zuhause im Kreis seiner Familie gestorben. Die Beerdigung auf dem Friedhof in Bernhausen fand am 30. Januar statt.

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