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Empfingen "Barrieren im Kopf abbauen"

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Renate Baiker wird beim nächsten Empfinger Frühstück über das Thema Behinderung sprechen. Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Empfingen. Beim nächsten Empfinger Frühstück am Dienstag, 15. Oktober, ist Renate Baiker zu Gast. Der Titel des Vortrags der Diplom-Sozialpädagogin lautet: "Ein besonderes Leben leben – Herausforderung Leben mit Behinderung." Seit mehr als 35 Jahren arbeitet die Referentin mit und für Menschen mit Handicaps. Mit unserer Zeitung hat sie darüber gesprochen, vor welchen Herausforderungen behinderte Menschen stehen und warum das Thema Behinderung auch "normale" Menschen betrifft.

Frau Baiker, was ist das genaue Thema Ihres Vortrages? Welche Zielgruppe spricht er an?

Mein Vortrag soll sich an alle richten, die sich unsicher sind, wie sie Menschen mit Behinderung begegnen sollen, die mehr über das Leben mit Behinderung wissen wollen oder die sich noch nie mit dem Thema Behinderung auseinandergesetzt haben. Aber natürlich auch an Menschen mit Behinderung oder deren Angehörige, die vielleicht aus ihrer persönlichen Sicht berichten wollen.

Es wird um Informationen zum Thema Behinderung gehen – wie entstehen Behinderungen, Zahlen und Fakten –, aber auch – und darum geht es vor allem – wie kann ein Leben mit Behinderung aussehen, und welche Herausforderungen gibt es? Vor allem geht es mir darum, deutlich zu machen, dass Menschen mit Behinderung ganz normale Menschen sind, denen man ganz normal begegnen kann – es geht darum, Barrieren im Kopf abzubauen.

Wie sind Sie zur Arbeit mit behinderten Menschen gekommen?

Ich habe bereits als Jugendliche ehrenamtlich behinderte Kinder und Jugendliche im Rahmen von Ferienfreizeiten betreut. Beruflich habe ich im Laufe der Jahre in den Bereichen Wohnen für erwachsene Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung, integrativer Kindergarten, Förderstätte für schwerstmehrfach behinderte und schwerstverhaltensauffällige Menschen mit Behinderung gearbeitet. 15 Jahre lang war ich Fachreferentin beim Lebenshilfe Landesverband Bayern in der sozialpolitischen Arbeit tätig. Seit 2018 leite ich den Bereich der Offenen Hilfen der Lebenshilfe Kirchheim.

Gibt es ein Erlebnis mit einem Kind oder einer Familie, das Sie besonders berührt oder geprägt hat?

Natürlich hat es im Laufe der Jahre viele beeindruckende und berührende Begegnungen mit Menschen mit Behinderung gegeben. Ein besonders eindrückliches Erlebnis war die Begegnung mit einer Familie mit einem schwerstmehrfachbehinderten Jungen, die mit großer Liebe ihr Kind bis zum Tode hin begleitet haben und jede Minute mit ihrem Kind bewusst gestaltet haben. Ich durfte die Familie hierbei unterstützen und war beeindruckt von der Haltung der Eltern und wie sie mit der großen Herausforderung umgegangen ist.  

Was sind die größten Herausforderungen, vor denen Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen stehen?

Zunächst ist vor allem für die Angehörigen das Thema der Akzeptanz der Behinderung des Kindes eine der größten Herausforderungen, da sie sich das Leben mit ihrem Kind ja anders vorgestellt haben. Gleiches gilt für Menschen, die selbst behindert sind oder im Laufe ihres Lebens eine Behinderung bekommen. Darüber hinaus ist es auch heute noch schwer, gesellschaftlich als gleichberechtigt akzeptiert zu werden. Und eine große Herausforderung ist es, die Hilfen zu erhalten, die einem zustehen. Denn es gibt zwar viele Unterstutzungsmöglichkeiten und Rechtsansprüche, aber es ist immer noch schwer und vor allem sehr aufwändig, an alle Informationen zu kommen, die entsprechenden Anträge zu stellen und die Leistungen zu erhalten, die einem zustehen. Und dies nicht nur einmal, sondern im Laufe des Lebens immer und immer wieder.

Was muss sich gesellschaftlich und politisch ändern, um das Leben von Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen zu verbessern beziehungsweise zu vereinfachen?

Aus meiner Sicht muss auf verschiedenen Ebenen etwas passieren. Gesellschaftlich muss weiter daran gearbeitet werden, dass Menschen mit Behinderung als gleichberechtigte Bürger dieses Landes akzeptiert werden und dass ihnen nicht, wie zum Beispiel im Fall von Downsyndrom aufgrund der Möglichkeit der vorgeburtlichen Diagnose, zunehmend wieder das Lebensrecht abgesprochen wird.

Und es muss politisch daran gearbeitet werden, dass Menschen mit Behinderung und ihre Angehörige schneller, unbürokratischer und einfacher Leistungen bewilligt und Hilfen organisiert werden können.

Wie können Nicht-Betroffene Berührungsängste abbauen? Wie können sie betroffenen Menschen das Leben erleichtern?

Ängste kann man nur dadurch abbauen, dass man sich auf Begegnung einlässt, dass man sich vertraut macht. Was oder wen man kennt, das oder der macht keine Angst mehr. Es geht darum, Menschen mit Behinderung normal zu begegnen und sich auf Beziehungen einzulassen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn wir Menschen mit Behinderung so begegnen würden, wie wir selbst wollen würden, dass mit uns umgegangen wird. Wenn man sich ein bisschen in die Situation von Menschen mit Behinderung einfühlen würde, dann könnten wir ganz selbstverständlich bereits viele Lebenssituationen für Menschen mit Behinderung erleichtern. Und wenn wir verstehen würden, dass das, was wir an Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung herstellen, auch uns selbst viel bringen kann, und das bezieht sich nicht nur auf Barrierefreiheit beispielsiweise für Rollstuhlfahrer, sondern auch eine einfache Sprache, wodurch auch viele andere Menschen besser verstehen könnten. 

Das Empfinger Frühstück wird von der evangelischen Kirche in Empfingen veranstaltet. Welche besondere Rolle spielt die Kirche im Umgang mit behinderten Menschen?

Die Kirche steht vor den gleichen gesellschaftlichen Herausforderungen beim Umgang mit Menschen mit Behinderung: auch diese Menschen gleichberechtigt einzubeziehen und sie bewusst in den Blick zu nehmen. Menschen mit Behinderung gezielt in die Gemeinde einzubeziehen und einzubinden. 

 Die Fragen stellte Katharina Schlotthauer.

Das Empfinger Frühstück am Dienstag, 15. Oktober, beginnt um 9 Uhr im evangelischen Gemeindehaus. Anmeldungen an Anke Reich, Telefon 07485/1515.

Die Referentin Renate Baiker ist Diplom-Sozialpädagogin (FH) und leitet die Offenen Hilfen der Lebenshilfe Kirchheim/Teck. Bereits als Jugendliche engagierte sie sich für Menschen mit Behinderung.

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