Das Tierheim "Renate Lang" in Horb-Talheim bietet Platz für 45 Katzen und 43 Hunde. Foto: Herfurth

Einrichtung platzt aus allen Nähten. Mutterlose Katzenbabys machen Leiterin Carola Greiner sorgen.

Horb-Talheim - Gerade über die Sommerferien haben viele Tierheime mit Überfüllung zu kämpfen. Ein Aufnahmestopp auszurufen ist für viele Einrichtungen oft die letzte Möglichkeit. Carola Greiner leitet das Tierheim "Renate Lang" in Horb, sie hat allerdings andere Erfahrungen gemacht.

"Wir sind voll, aber nicht wegen den Ferien", sagt die Tierheimleiterin Carola Greiner. Sie würden das ganze Jahr über an der Kapazitätsgrenze arbeiten. "Ich kann aber nicht sagen, dass es in den Ferien grundsätzlich mehr ist", erklärt Greiner.

Eine ganz andere Sache bereitet der Tierheimleiterin momentan große Sorgen: "Dieses Jahr haben wir vermehrt Babykatzen gefunden." Eigentlich sei die Anzahl der Babykatzen aufgrund einer großen Kastrationsaktion des Tierheims, in Kooperation mit dem Tierschutzverein Horb, deutlich zurückgegangen.

Babykatzen müssen oft gefüttert werden

Gerade die ganz jungen Katzen im Alter von drei bis vier Wochen, die von der Mutter verlassen wurden, brauchen besondere Aufmerksamkeit, weiß Tierpflegerin Jeanny Gebert. "Wir nehmen die Babys abwechselnd mit nach Hause, weil sie alle zwei Stunden gefüttert werden wollen – auch in der Nacht", erklärt Gebert. Das zehre an den Nerven aller.

Doch eine gute Nachricht gebe es trotzdem: "Wir haben momentan wenig Fundtiere", sagt Greiner. Wenn doch mal ein Vierbeiner ausbüxt, werde der oft nach ein paar Stunden wieder abgeholt.

Dass Horb weniger betroffen ist als viele andere Tierheime, liege laut Greiner auch am Unterschied zwischen Stadt und Land. "In Großstädten leben Menschen leichter in der Anonymität, als auf dem Land. Da ist die Hürde, sein Tier auszusetzen oder abzugeben, geringer", meint Greiner. Zudem leben in der Stadt auch mehr Menschen und somit auch mehr Tiere, das würde sich für die Tierheime summieren.

Nur schwer verletzte Tiere werden aufgenommen

Einen Aufnahmestopp auszurufen sei dann für viele Einrichtungen die letzte Möglichkeit. "Wenn man voll ist, ist man voll. Dann bleibt einem oft nichts anderes übrig", sagt Greiner. Auch das Tierheim in Horb ist mit 45 Katzen und 43 Hunden voll ausgelastet und kam nicht drum herum, einen Aufnahmestopp für Katzen und Hunde auszurufen. "Nur Katzenbabys ohne Mutter und schwer verletze Tiere werden noch aufgenommen", schreibt das Tierheim auf seiner Homepage. Ähnliches hat vor kurzem auch das Tierheim in Freudenstadt vermeldet.

Die Tierheime könnten diese Situation aber nur bedingt beeinflussen. "Wenn sich jemand für ein Tier interessiert, werden im Vorfeld Gespräche geführt", erklärt Greiner. Entgegen vieler Vorstellungen, man würde durch ein Tierheim schlendern und sich ein Tier nach Gusto heraussuchen, sei der Adoptionsprozess komplizierter. "Der Mensch muss mit seinen familiären Umständen und der Wohnsituation zu dem Tier passen", sagt die Leiterin. Natürlich könne man seine Vorstellungen äußern, das Tierheim wolle die Tiere aber nicht unüberlegt vermitteln.

Setzt der Käufer dann eine Unterschrift unter den Vertrag, geht er Verpflichtungen ein. "Die Tiere müssen, wenn das bei uns noch nicht passiert ist, zum Beispiel aufgrund des Alters, in jedem Fall kastriert werden", erklärt Jeanny Gebert. Nur dann könne man aus diesem Kreislauf entkommen.

Außerdem werden alle Tiere im Tierheim gechippt, das sei ein großer Fortschritt. "Wir können nachvollziehen, wem das Tier gehört", sagt Greiner.

Dennoch ist die Situation keine Neue und auch wenn die Tierheime ihr Bestes versuchen, jedes Jahr platzen die Einrichtungen ein bisschen mehr aus ihren Nähten. Für Greiner ist klar, "es muss sich grundlegend etwas ändern". "Solange die Menschen bereit sind, Tiere günstig aus illegalen Transporten aus dem Ausland zu kaufen, wird das Problem auch weiterhin bestehen", erklärt Greiner. Die Menschen müssten endlich aufhören, Tiere als Konsumprodukt zu betrachten, das man zu Weihnachten verschenken kann und in den Sommerferien wieder abgibt. "Die Menschen sind sich oft nicht über die Konsequenzen bewusst", meint die Leiterin.

Exoten bringen Einrichtungen an ihre Grenzen

Immer häufiger werden auch Exoten, wie Warane, Bartagame, Schildkröten oder verschiedene Schlangenarten, ausgesetzt. Der deutsche Tierschutzbund rät auf seiner Homepage dringend davon ab, Exoten zu kaufen. Der Verein schreibt: "Oft werden die Ansprüche der Tiere, ihre spätere Größe oder ihre hohe Lebenserwartung unterschätzt." Sind die Halter überfordert, werden die Exoten ausgesetzt und landen in Auffangstationen oder Tierheimen. Viele Einrichtungen können aber auf die Bedürfnisse der Exoten nicht eingehen. Auch in Horb werden keine Reptilien oder exotische Tiere angenommen. "Wir haben nicht die Möglichkeiten, Schlangen und Co. zu beherbergen. Wir nehmen nur Hunde, Katzen und Kleintiere, wie Hasen, Ratten und Hamster auf", erklärt Greiner.

Egal ob Hund, Maus, Natter oder Schildkröte. Der Bedarf an weiteren Unterbringungsplätze ist da. Dennoch hat der Deutsche Tierschutzbund Anfang des Jahres Alarm geschlagen, dass die Hälfte aller Tierheime vor der Insolvenz stehen. Das Tierheim in Horb wird privat organisiert. Und auch hier fehle es laut Leiterin Carola Greiner an staatlicher Unterstützung. "Wir benötigen mehr Geld", erklärt sie. Zudem sei das Tierheim am Käppele am Hochsträß 1 in gewisser Weise ein Einzelkämpfer. "Der Landkreis Calw hat kein Tierheim und auch sonst gibt es in der Umgebung nicht so viele Möglichkeiten. Wir können nicht mehrere Landkreise abdecken", sagt Greiner.

Weitere Informationen: www.tierheim-horb.de