Seit 43 Jahren ist Empfingens Bürgermeister Albert Schindler (rechts) für den Abwasserverband tätig. In seiner Festrede konnte er so viel von seinen persönlichen Erfahrungen über die 50-jährige Geschichte des Abwasserzweckverband einfließen lassen. Foto: Binder

Bürgermeister Schindler bringt kurioses Geschenk mit. Nächstes Jahr müssen etwa 800.000 Euro investiert werden.

Empfingen/Sulz-Fischingen - Mit einem Tag der offenen Tür in der Kläranlage und im daneben liegenden Wasserwerk wurde das 50-jährige Bestehen des Abwasserverbandes Empfingen gebührend gefeiert.

Schwungvoll ging es los mit dem "Flieger-Marsch" von Hermann Dostal, den die Fischinger Kapelle "Gut Klang" unter der Leitung von Rainer Kopf zur Freude der vielen Besucher im Festzelt vortrug. Der Empfinger Bürgermeister Albert Schindler, der von 1971 bis 1986 bereits Verbandsrechner war und seither Verbandsvorsitzender ist, begrüßte die zahlreich erschienenen Festgäste, unter ihnen auch seinen Bürgermeister-Kollegen Gerd Hieber aus Sulz.

Es müssen im Jahre 2015 etwa 800.000 Euro investiert werden

In seinem Festvortrag ging Schindler auf die Zeit von der Gründung bis zum Jubiläumsjahr 2014 ein. Im Jahre 1962 fassten die Gemeinderäte in Empfingen, Fischingen, Mühlheim am Bach und Renfrizhausen jeweils weitreichende Beschlüsse. Man gründete einen Landkreisübergreifenden Abwasser-Zweckverband und trennte sich damit von den seinerzeit bestehenden vier Kleinkläranlagen. 1964 wurde die Verbandssatzung verabschiedet und damit war der Zweckverband gegründet. Nach einer Bauzeit von drei Jahren und einem Kostenaufwand von insgesamt 1,05 Millionen Euro ging die neue Anlage im Herbst 1967 in Betrieb. Erster Klärwärter war Albert Bossenmeier. Ab diesem Zeitpunkt mussten bei Neubauten keine Hauskläranlagen mehr erstellt werden, was in jener Zeit viel Geld gespart hatte.

Eine Kuriosität hatte Albert Schindler auch mitgebracht. Bei einem Hausverkauf in Empfingen vor zwei Jahren stellte man fest, dass dort in der Bergstraße immer noch die alte Hauskläranlage angeschlossen war, obwohl das Gebäude längst an den Abwasserkanal angeschlossen war. Dem früheren Hausbesitzer ist wohl nicht aufgefallen, dass er jahrelang Abwassergebühren und Grubenentleerungskosten zu tragen hatte. In einer ersten Erweiterungsmaßnahme, die von 1979 bis 1981 stattfand und 2,15 Millionen Euro kostete, wurden das Vor- und das Nachklärbecken vergrößert und das Betriebsgelände erweitert. Gleichzeitig wurde in Empfingen der Verbandssammler mit einem Kostenaufwand von rund 1 Million Euro erneuert. In einer dritten Bauphase wurde ab dem Jahre 1986 der Bau von fünf Regenüberlaufbecken und die Sanierung der Verbandssammler, zuletzt im Jahre 2002 in Fischingen, gestemmt. In den Jahren 1992/1993 musste für 1,4 Millionen Euro eine Schlammentwässerungshalle gebaut werden.

1999 ging Albert Bossenmeier in den Ruhestand und neuer Klärwärter wurde Edwin Bailer, der bis heute diesen Dienst mit großem Engagement versieht. 2008 wurde ein kleines Blockheizkraftwerk gebaut und der Faulturm wurde saniert. Die Baumaßnahmen nehmen wohl kein Ende, denn im kommenden Jahr soll ein Reinigungsreaktor gebaut werden und damit endet dann auch das Ausbringen des Klärschlamms in der Landwirtschaft. Es müssen im Jahre 2015 etwa 800.000 Euro investiert werden, was sich voraussichtlich mit 20 Cent pro Kubikmeter mehr Abwassergebühr für die Bürger in Empfingen auswirken wird. Erfreulich ist aber, so Schindler, dass täglich bis zu 7000 Kubikmeter Abwasser "verdaut" werden und dieses Wasser mit einer Reinigungsleistung von 95 Prozent in den Neckar abgegeben wird.

Am Schluss seiner Festrede bedankte sich der Empfinger Bürgermeister bei allen, die an der guten Entwicklung des Zweckverbandes mitgewirkt haben, beim Fischinger "Gut Klang" und den DRK-Ortsvereinen Empfingen und Sulz, die auch die Verpflegung der Festgäste übernommen hatten. Als originelles Mitbringsel gab es ein destilliertes Abwässerle im Reagenzglas für 1,50 Euro. Nach einem gemeinsamen Mittagessen wurden stündlich Führungen durch die Kläranlage und das Wasserwerk angeboten. Bereits bei der ersten Führung drängten sich über 50 Interessenten durch das elektronisch gesicherte Tor der Kläranlage und lauschten aufmerksam den interessanten Ausführungen von Edwin Bailer.