Lange wurde in Nonnnenweier über die Planung zur Einäscherungsanlage diskutiert. Die Fronten sind verhärtet, Räte und Bürger können ihr jeweiliges Handeln nicht verstehen.
Tränen, Zorn und Zweifel: die Tagesordnung der öffentlichen Ortschaftsratssitzung von Nonnenweier am Mittwochabend war zwar überschaubar, hatte es aber in sich. Zahlreiche Bürger waren gekommen und nutzten die Frageviertelstunde. Alle Beiträge – und Fragen – drehten sich um ein und das selbe Thema: die ersten Überlegungen zu einem Krematorium am Friedhof in Nonnenweier.
Ortsvorsteherin Dagmar Frenk fasste „die ganze Geschichte“ nochmals zusammen: Ein Investor, der ein privates Krematorium plant, habe im Juli eine Anfrage dafür unter anderem ans Schwanauer Rathaus gestellt. „Jedes Projekt wird erst einmal vertraulich behandelt“, betonte Frenk. Nachdem der Gemeinderat davon erfahren habe, dass es dieses Interesse gibt, habe sich ein Suchlauf für mögliche Standorte angeschlossen.
Verschwiegenheit bei Grundstücksverkauf ist gängiger Ablauf
Daraufhin haben sich die Ortschaftsräte Nonnenweier und Allmannsweier mit dem Projekt nichtöffentlich auseinandergesetzt, so Frenk weiter. Dann habe das ganze zunächst geruht. „Nachdem Ende Juli eine Absage für das Projekt in der Gemeinde Neuried kam, bei der der Investor ebenfalls angeklopft hatte, ging der Ball zurück an die Gemeinden, die auch dafür im Ring waren“, so Frenk weiter. Es folgten Verkaufsverhandlungen mit Grundstückseigentümern – „die ebenfalls hätten vertraulich behandelt werden sollten“. Die Verschwiegenheit bei solchen Verkaufsverhandlungen sei ein gängiger Ablauf, nichts, was bei diesem Vorhaben gesondert gehandhabt worden sei, machte Frenk deutlich.
Und während die Verwaltung dahinter war, weitere Infos hinsichtlich der Planung einzuholen, um damit bei der angedachten Bürgerveranstaltung aufzuklären, sickerten die Gespräche zum Grundstücksverkauf doch in die Straßen Nonnenweiers. Es formierte sich eine Gruppe an Standort-Gegnern und ein Flyer aus diesen Reihen machte die Runde. Zu der Infoveranstaltung kam es gar nicht mehr, da ein Grundstückseigentümer das Verkaufsangebot letztlich doch ablehnte.
Frenk kann Tränen nicht zurückhalten
„Das ist die ganze Geschichte. Es gab noch keine Planung und keinerlei Beschlüsse“, so Frenk. Stattdessen, so fügte sie hinzu, aber viele Halbwahrheiten, die durch den Ort getragen worden seien und mit denen man Ängste geschürt habe.
Frenk und weitere Ortschaftsräte äußerten sich am Mittwoch kritisch darüber, dass ihnen als gewählte Kommunalpolitiker mit dem Vorgehen vonseiten der federführenden Gegner der Pläne verwehrt wurde, sich beim Infoabend ein eigenes Stimmungsbild einzuholen. „Das ihr uns offensichtlich nicht vertraut – das macht was mit einem“, so die Ortsvorsteherin, der dabei die Stimme wegbrach. Ihr liefen ein, zwei Tränen über die Wangen.
Bürger fühlen sich im Prozess übergangen
Immer wieder wurde aus den Reihen der Zuhörer die Vorgehensweise kritisiert und für verkehrt erachtet – man hätte die Bürger viel früher ins Boot holen sollen, mit der Suche nach einem möglichen Standort. Dass man sich stattdessen auf den einen Standort versteift habe, wurde mehrfach kritisiert.
Frenk hakte ein und argumentierte erneut mit dem gängigen Prozess bei Grundstücksverhandlungen und dem Suchlauf. Man habe sich nicht versteift, der Standort am Friedhof war lediglich einer, der alle Kriterien erfülle. „Das widerspricht sich doch: wenn doch dieser Standort alle Kriterien erfüllt, dann wären unsere Einwände im weiteren Verlauf doch gar nicht mehr zum Tragen gekommen“, warf eine Bürgerin ein. Nur, weil es eine „Potenzialfläche“ ist, ist noch lange kein Krematorium darauf gebaut, konterte Frenk. Es hätte noch etliche Schritte benötigt, noch etliche Einwände geben können. „Hättet ihr die Fläche bekommen, hättet ihr das Projekt durchgewunken – davon bin ich überzeugt“, brachte ein weiterer Bürger ein.
Fronten weiterhin verhärtet
Wie das Gremium gedenke, die „Gräben“ wieder zu schließen, war eine weitere Frage aus den Zuhörerreihen. „Der Ortschaftsrat tagt heute zum ersten Mal zu diesem Thema. Es hat bisher ja noch nicht einmal die Möglichkeit gegeben, dass wir uns als Gremium darüber austauschen konnten“, so Frenk. Die Anspannung blieb bis Ende der Sitzung. „Es muss sich vieles erst setzen und man muss es sacken lassen“, so Frenk abschließend.
Wie geht’s weiter?
Die Frage, ob es nochmals einen Suchlauf geben wird für Nonnenweier und wie es nun grundsätzlich in Sachen Krematorium weitergehe, blieb offen. „Wir wissen noch nicht, wie wir weitermachen“, sagte Ortsvorsteher Dagmar Frenk. Der Gemeinderat wird dazu nochmals beraten.