Der 2,5-Millionen-Euro-Anbau am Geroldsecker Bildungszentrum in Seelbach ist fertig. Für Beteiligten war bei der Einweihungsfeier klar: Das ist gut investiertes Geld.
Wer sich der Schule nähert, merkt es kaum: Der Anbau ans Geroldsecker Bildungszentrum fügt sich fast nahtlos ans Bestandsgebäude an. Erst bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass die Fassade leicht anders geformt ist und ein anderes Muster aufweist. „Das ist die moderne Dämmung“, klärt Architekt Christoph Wussler auf. Im Inneren sind die Unterschiede deutlicher. Drei Unterrichtsräume, ein PC-Raum und eine neue Schulbibliothek sind hier entstanden. Mit dem weißen Boden, dem hellen Birkenholz und einem Smartboard statt einer Tafel vermitteln sie eine freundliche Lernatmosphäre. Kein Vergleich zu den Bestandsräumen in Backstein-Optik mit Teppichboden.
In einem solchen Klassenraum, direkt an den Neubau anschließend, hat Bürgermeister Michael Moser zu Hauptschulzeiten noch selbst die Schulbank gedrückt. „Ich hätte damals nicht gedacht, dass ich einmal als Bürgermeister einen Erweiterungsbau einweihe. Und meine Lehrer hätten mich wohl auch für verrückt erklärt“, erzählte er offen. Am Freitagmittag jedoch stand er tatsächlich am Rednerpult – und begrüßte zahlreiche Gäste. Darunter Vertreter des Kollegiums, der ausführenden Firmen und Politprominenz. Nach einer aufregenden Woche in Stuttgart waren die Landtagsabgeordneten Marion Gentges und Sandra Boser nach Seelbach gekommen. Auch Landrat Thorsten Erny und Matthias Litterst, Bürgermeister der Nachbargemeinde Schuttertal, ließen sich die Einweihung nicht entgehen. Die anwesenden Gäste bewiesen, so Moser, „welchen Stellenwert Bildung in Seelbach hat und haben wird“.
Moser warf einen Blick zurück auf die Entwicklung des Gebäudes, die stets „eng mit der Entwicklung der Gemeinde“ zusammenhänge. 1958 wurde die Grundschule errichtet, 1972 folgte das jetzige Hauptgebäude mit Real- und Werkrealschule, an das 1996 angebaut wurde. „Damals war ich als Schüler hautnah dabei.“ 2014 wurde schließlich die Mensa fertiggestellt – und nun der Erweiterungsbau.
Land förderte Anbau und Brandschutzmaßnahmen
Dieser werde den heutigen Gegebenheiten gerecht und sei für die Herausforderung der Zukunft gewappnet. In den hellen, freundlichen und offenen Räumen könne Lernen Freude machen. „Auch wenn das manche Schüler vielleicht anders sehen“, sagte der Rathauschef mit einem Augenzwinkern. 2,5 Millionen Euro plus rund eine Millionen Euro an Brandschutzmaßnahmen hat die Gemeinde in den ersten Bauabschnitt des Projekts „Schulcampus 2030“ gesteckt.
Für den Bau gab es knapp 700.000 Euro Fördermittel vom Land, auch die Brandschutzmaßnahmen werden zu einem großen Teil gefördert. Moser dankte daher ausdrücklich den beiden Abgeordneten für die Unterstützung, aber auch Architekt Wussler, den ausführenden Firmen, dem Bauhof, Hausmeister Alois Fehrenbacher als „wichtiges Bindeglied“ und seinem Bauamt um Daniel Schüssele sowie Amtsleiter Simon Grimm, einst ebenfalls Schüler hier. „Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, fasste Moser die Anstrengungen zusammen.
Die frisch gebackene Ministerin für den ländlichen Raum, Marion Gentges, richtete sich in ihrer Rede an die Schüler: „Schule ist so viel mehr als ein Ort des Unterrichts. Junge Menschen brauchen Räume, die Kreativität ermöglichen.“ Die 2,5 Millionen Euro seien „gut investiertes Geld. Ihr seid es wert, dass wir in eure Träume und Ideen investieren.“
Auch Landrat Thorsten Erny brachte seinen Dank zum Ausdruck. Als Vertreter des Kreises sei er gerne gekommen. Von den 700 Schülern am Bildungszentrum stamme die Hälfte nämlich nicht aus Seelbach – sondern unter anderem aus Schuttertal, Lahr, Friesenheim und Schwanau. „Es macht Appetit für Neues, man bekommt Lust, weiter zu investieren“, attestierte er der Gemeinde ein gelungenes Projekt.
Schulband sorgt für einen emotionalen Moment
Für einen emotionalen Moment sorgte die Schulband. Verbreitete der Hit „Cover me in Sunshine“ zu Beginn noch gute Laune, wurde es beim zweiten Auftritt mit „Zombie“ von den „Cranberries“ sehr ernst. Ihre Live-Performance sorgte für Gänsehaut im Saal. Warum hatten sie diesen Song gewählt? „Die Band besteht nicht nur aus Schülern aus Schuttertal, Seelbach und Lahr, einige von ihnen sind vor drei Jahren aus der Ukraine geflohen“, erklärte Schulleiter Daniel Janka. Die Band fülle damit einen Leitsatz des Bildungszentrums „Vielfalt als Chance“ mit Leben. Schon als er 1999 seine erste Unterrichtsstunde gab, habe er gemerkt: „Diese Schule ist etwas Besonderes“, berichtete der Rektor weiter. Dankenswerterweise habe man immer „im positiven Fokus der Gemeinde“ gestanden.
Im Anschluss an den offiziellen Teil führte Architekt Christoph Wussler die Gäste durch den Anbau. Vorgelagert ist ein neuer Teil des Hofs, der mit terrassenartigen Stufen auch als Freiluftklassenzimmer genutzt werden könne. Ein Sandkasten sei schon ein Vorgriff darauf, dass hier bald die Grundschüler vorübergehend einziehen werden (siehe Info). Im Innenbereich wies er vor allem auf die neuen, nicht brennbaren Decken hin. „Die schlucken den Schall auch deutlich besser“, ergänzte Bauamtsleiter Grimm. Bei Häppchen und einem Glas Sekt stießen die Beteiligten auf die erfolgreiche Einweihung an – ein großer Zwischenschritt auf dem Weg zum „Schulcampus 2030“.
So geht’s weiter
Der zweite Bauabschnitt am Geroldsecker Bildungszentrum startet nach den Sommerferien – und betrifft die Grundschule. Im Untergeschoss sollen Ganztagsräume entstehen, die die Gemeinde benötigt, um den kommenden Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung zu erfüllen. Darüber hinaus steht eine Sanierung der Haustechnik an, außerdem werden die Innenräume überarbeitet. Ein wichtiger Aspekt wird die Verlegung des Haupteingangs sein, um Gefahrensituation zu entschärfen und einen barrierefreien Zugang zu ermöglichen. Die Grundschüler werden in dieser Zeit in den neuen Räumen im Anbau untergebracht. Ein möglicher dritter Bauabschnitt würde im Anschluss die Erneuerung der naturwissenschaftlichen Räume betreffen.