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Emmendingen "Todesraser" weist Schuld von sich

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Zwei Menschen sind bei dem Unfall auf der B 3 Ende Januar ums Leben gekommen. Foto: dpa

Emmendingen - Der 25-jährige Kai M. ist einer der beiden Männer, die Ende Januar bei Denzlingen im Kreis Emmendingen auf der B 3 mit mehr als 200 km/h gerast sind und dabei den Tod einer 27 Jahre alten Autofahrerin aus Waldkirch verschuldet haben.

Auch Jean S., ein 38 Jahre alter Franzose und Freund von Kai M., ist tot. Er starb, als sein knapp 700 PS starker Audi in den Opel Corsa der entgegenkommenden Frau krachte und in Flammen aufging. Kai M. hingegen blieb nahezu unverletzt, als auch sein Wagen ins Schleudern kam und die Mittelleitplanke touchierte.

"Ich bin den Audi ja nicht gefahren"

Dass er dem Freund und der Frau nicht mehr habe helfen können, das sei das Schlimmste für ihn, so Kai M. unter Tränen. Die Frage, ob er sich denn bei den Hinterbliebenen der jungen Frau gemeldet und entschuldigt habe, verneint er jedoch: Er empfinde zwar "tiefe Trauer" für die beiden Toten, aber "ich bin den Audi ja nicht gefahren", so seine Auskunft.

Immer wieder stellen Richter Günther Schmalen und Staatsanwalt Matthias Rall dem Angeklagten die gleiche Frage: "Warum sind Sie so schnell gefahren?" Und immer wieder antwortet Kai M. darauf, dass er sich das nicht erklären könne. Er wisse nicht, was ihn dazu gebracht habe, so aufs Gas zu treten. Schnelle Autos und schnell fahren, das seien Sachen, die ihn eigentlich überhaupt nicht interessieren. Von einem illegalen Rennen mit dem tödlich verunglückten Jean S. will er nichts wissen.

"Bei Stress werde ich leichtsinnig"

"So was war ja nicht zwischen uns besprochen", sagte Kai M. Solche Rennen seien "Schwachsinn". Als er zum Überholen angesetzt habe, sei ihm sein Kumpel aber schnell und dicht auf die Pelle gerückt. Vielleicht, so M. und sein Verteidiger, habe er ja Angst und Schrecken verspürt und sich genötigt gefühlt. "Wenn ich Stress habe, werde ich manchmal leichtsinnig", sagte Kai M. "Aber das war doch Ihr Freund, der würde sie doch nicht von der Straße jagen", hält der Staatsanwalt dem Angeklagten entgegen. Von den Aussagen des 25-Jährigen scheint er wenig zu halten.

Denn für Staatsanwalt Matthias Rall stellt sich die Sache anders dar: M. habe das illegale Rennen mit zwei getunten Autos der Marken Audi und Nissan mit 670 beziehungsweise rund 500 PS am 23. Januar in der Dämmerung im dichten Feierabendverkehr selbst inszeniert. Der Angeklagte sei einfach rücksichtslos seinen eigenen Interessen gefolgt, wobei ihm die anderen Verkehrsteilnehmer gleichgültig gewesen sein dürften. Es sei nur dem Zufall zu verdanken, dass nicht noch mehr Menschen verletzt oder getötet wurden. Und: Kai M. habe gewusst, was er da tut und somit grob fahrlässig den Tod zweier Menschen verschuldet.

Kurz zuvor hatten die Männer die Autos in einer Tuning-Werkstatt in Malterdingen/Kreis Emmendingen abgeholt. Auf der relativ kurzen Strecke zwischen Emmendingen-Wasser und Denzlingen sollen die beiden Raser dann mit teilweise mehr als 220 km/h unterwegs gewesen sein.

Zunächst sei M. vorausgefahren, kurz vor einer langen Rechtskurve habe Jean S. ihn überholt und habe dann die Kontrolle über sein Auto verloren. Er fuhr auf die Mittelleitplanke auf und wurde in den Gegenverkehr hinein katapultiert. Dort krachte sein bereits brennender Audi in den Opel Corsa der 27-jährigen Nicole H. aus Waldkirch. Die Frau sei auf der Stelle tot gewesen, so ein medizinischer Sachverständiger.

Alkohol spielte bei Unfall keine Rolle

Alkohol habe bei dem Unfall keine Rolle gespielt. Aber was für ein Mensch ist das, der eine solche Raserei mitmacht? Kai M. war nach der Schule zunächst als ungelernter Hilfsarbeiter tätig, wurde dann Zeitsoldat und hat sich für acht Jahre beim Bund als Scharfschütze verpflichtet. Da habe er sich wohlgefühlt und sei positiv aufgefallen, so der Angeklagte über sich selbst. Seine Vorgesetzten beschreiben ihn als stillen, zurückhaltenden, zuletzt zunehmend introvertierten Mann.

"Ich habe mir Sorgen um ihn gemacht und das Gespräch mit ihm gesucht", so einer seiner Vorgesetzten. Seit einem zweimonatigen Afghanistan-Einsatz 2009 ist der Angeklagte wegen Depressionen in Behandlung. Er habe einen Kameraden in einem Feuergefecht sterben sehen, berichtet er vor Gericht. Im Raum steht auch die Frage, ob er selbst im Kampfeinsatz einen Menschen getötet hat. Auch die Mutter des Angeklagten wird zum Prozessauftakt vernommen. Doch schon bald muss der Staatsanwalt sie daran erinnern, dass Falschaussagen bestraft werden können.

Dann erst räumt sie ein, dass sich die Strafzettel des Sohns wegen zu schnellen Fahrens zuletzt häuften. Auch eine Ex-Freundin habe sich an seinem schnellen Fahrstil gestört, ist nun zu hören. Schilderungen, die so gar nicht zu den Aussagen des Angeklagten passen wollen, der vehement bestreitet, ein Raser zu sein und angibt, eigentlich nie schneller als 130 oder 140 zu fahren.

Das Verfahren wird am Montag fortgesetzt. Im Falle einer Verurteilung durch das Emmendinger Schöffengericht drohen Kai M. maximal vier Jahre Haft.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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